Gold: Zentralbanken kaufen Rekordmenge

Gold verliert kurzfristig, bleibt dank staatlicher Käufe und ETF-Zuflüssen jedoch im Jahresvergleich deutlich im Plus und strukturell gefragt.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis binnen zwölf Monaten 25 Prozent höher
  • Fed-Aussagen erhöhen die Kursschwankungen
  • Zentralbanken kauften im zweiten Quartal 289 Tonnen
  • Gold-ETF verzeichnete siebte Zuflusswoche

Der Goldpreis bewegt sich am Freitag mit einem Rückgang von 1,0 Prozent auf 4.430,09 US-Dollar je Feinunze in einem angespannten Umfeld zwischen geldpolitischer Unsicherheit und robuster struktureller Nachfrage. Nach dem Höchststand Ende Januar hat das Edelmetall inzwischen 21 Prozent eingebüßt, bleibt aber mit einem Plus von 25 Prozent binnen zwölf Monaten deutlich im Aufwärtstrend.

Zinssignale sorgen für Wechselbäder

Die Kursschwankungen der vergangenen Tage gehen maßgeblich auf widersprüchliche Signale aus der US-Notenbank zurück. Am Dienstag ließ Fed-Chef Kevin Warsh mit der Aussage, die Fed habe noch Arbeit bei der Preiskontrolle zu leisten, den Goldpreis auf 4.325 Dollar fallen und trieb die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf 66,4 Prozent.

Nur zwei Tage später dämpfte Fed-Gouverneur Christopher Waller mit vorsichtigeren Kommentaren diese Erwartung wieder auf 50 Prozent, worauf sich Gold über der Marke von 4.470 Dollar stabilisierte.

Zusätzlichen Gegenwind lieferte die zehnjährige US-Staatsanleihe, deren Rendite am Dienstag auf 4,79 Prozent kletterte – das höchste Niveau seit Anfang 2025 und damit ein Belastungsfaktor für das zinslose Edelmetall.

Für Anleger bedeutet das: Die kommenden Wochen dürften von der Fed-Zinsentscheidung im September sowie den bevorstehenden US-Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten geprägt sein. Beide Berichte gelten als richtungsweisend dafür, ob sich das hawkishe oder das dovishe Lager innerhalb der Notenbank durchsetzt.

Zentralbanken bleiben Käufer

Während kurzfristige Zinserwartungen für Nervosität sorgen, zeichnet die strukturelle Nachfrage ein anderes Bild. Der World Gold Council meldete für das zweite Quartal Zentralbankkäufe von 289 Tonnen – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem ersten Quartal mit 57 Tonnen. Die weltweite Goldnachfrage blieb mit 1.268,9 Tonnen stabil, obwohl der Preis gegenüber dem Vorquartal um 8 Prozent nachgab.

Einzelne Notenbanken bauten ihre Bestände deutlich aus: Polen erhöhte seine Reserven laut Medienberichten im laufenden Jahr um 82 Tonnen auf 632 Tonnen, China stockte im Juli um 20 Tonnen auf einen Rekordwert von 2.377,5 Tonnen auf.

Diesen Käufen stehen vereinzelte Verkäufe gegenüber – die Türkei veräußerte im ersten Quartal 8,1 Tonnen zur Stützung der Lira, Russland verkaufte 15,6 Tonnen wegen kriegsbedingter Haushaltsbelastungen. Beide Fälle gelten laut Medienberichten als innenpolitisch bedingte Ausnahmen, nicht als strategischer Kurswechsel.

Eine im Juni veröffentlichte Umfrage des World Gold Council mit YouGov unter 74 Zentralbanken unterstreicht den Trend: 45 Prozent der Institute planen für die kommenden zwölf Monate weitere Goldkäufe – der höchste je erfasste Anteil seit 2018. Nur eine einzige Zentralbank kündigte Verkäufe an.

ETF-Zuflüsse untermauern das Bild

Auch bei börsengehandelten Goldfonds zeigt sich ungebrochenes Interesse. Der SPDR Gold Shares, der größte Gold-ETF, verzeichnete laut Medienberichten die siebte Zuflusswoche in Folge mit einem Plus von 11,13 Tonnen auf 1.056,62 Tonnen und einem Nettozufluss von 169 Millionen US-Dollar.

Bereits im Juli waren nach zwei Monaten mit Abflüssen wieder 3 Milliarden Dollar in Gold-ETFs geflossen, angeführt von europäischen Fonds aus Großbritannien und der Schweiz.

Der World Gold Council weist zugleich darauf hin, dass die Schmucknachfrage im zweiten Quartal unter dem hohen Preisniveau litt. Rückläufige Käufe von Konsumenten wurden jedoch durch robuste Nachfrage im Freiverkehrshandel sowie die anhaltenden Zentralbankkäufe kompensiert – ein Muster, das die Marktstruktur zunehmend von privater Nachfrage hin zu institutionellen und staatlichen Käufern verschiebt.

Anzeige

Gold: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gold-Analyse vom 5. September liefert die Antwort:

Die neusten Gold-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gold-Investoren. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 5. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gold: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gold