Gold: Zentralbanken kaufen, Retail flieht
Gold leidet unter starkem Verkaufsdruck trotz Dollar-Schwäche. Zentralbanken kaufen, während Privatanleger sich zurückhalten.

- Drei Tage Verkaufsdruck in Folge
- Zentralbanken kaufen 19 Tonnen im April
- Technisch überverkauft, aber kein Kaufsignal
- US-PCE-Daten als nächster Impulsgeber
Drei Handelstage in Folge Verkaufsdruck — und das trotz eines leicht schwächelnden US-Dollars. Gold kämpft dieser Tage mit einer ungewöhnlichen Kombination: Technisch extrem überverkauft, fundamental aber weiterhin von strukturellen Kräften gestützt.
Dollardruck trifft schwache Retail-Nachfrage
Den Ton gab zuletzt der Fed-Chef: Notenbankchef Warsh signalisierte angesichts hartnäckig hoher Verbraucherpreise eine mögliche Leitzinsanhebung im weiteren Jahresverlauf. Der US-Dollar legte daraufhin deutlich zu — und drückte die Goldnachfrage außerhalb des Dollarraums spürbar. In Indien wurden physisches Gold und Schmuck zuletzt mit Abschlägen von bis zu 54 Dollar je Feinunze angeboten. In China fielen die Discounts mit rund 8 Dollar moderater aus, doch auch dort hielten sich private Käufer zurück.
Das Bild auf der institutionellen Seite sieht anders aus. Zentralbanken kauften im April netto 19 Tonnen Gold. Allein die polnische Nationalbank erwarb 14 Tonnen, die chinesische Zentralbank 8 Tonnen. Auf der Verkäuferseite stand vor allem Russland mit 6 Tonnen.
Technisch auf der Kippe
Die Marke von 4.000 Dollar hat sich als psychologische Grenze erwiesen. Nach dem Rückfall von den Verlaufshochs oberhalb von 4.700 Dollar hält sich der Kurs knapp oberhalb der November-2025-Tiefs. Kursavancen in der Nähe von 4.370 Dollar wurden konsequent abverkauft — ein klares Zeichen, dass die Verkaufsbereitschaft auf höherem Niveau hoch bleibt. Positiv zu werten: Rücksetzer in den Bereich oberhalb von 4.100 Dollar wurden bisher mit Käufen aufgefangen.
Auf dem kürzeren Zeithorizont zeigt der RSI mit Werten unter 20 technisch überverkaufte Bedingungen an. Das allein ist jedoch kein Kaufsignal — in starken Abwärtstrends können solche Werte lange anhalten, ohne dass eine Gegenbewegung einsetzt.
PCE als nächster Testpunkt
Heute Nachmittag stehen die US-PCE-Inflationsdaten auf der Agenda. Sie könnten den nächsten entscheidenden Impuls liefern. Fällt die Inflation schwächer als erwartet aus, würden Wetten auf Leitzinserhöhungen weiter zurückgehen — das wiederum nähme Druck vom Dollar und könnte Gold Auftrieb geben. Ein überraschend starker Wert hingegen dürfte den bestehenden Abwärtsdruck verlängern. Der Nahost-Konflikt, dessen 60-tägige Waffenruhe weiter von schwierigen Iran-Verhandlungen begleitet wird, bleibt dabei als geopolitischer Unsicherheitsfaktor im Hintergrund bestehen.
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