Gold: Zentralbanken kaufen so viel wie nie

Gold notiert bei 4.481,42 US-Dollar. Zentralbanken kaufen im zweiten Quartal 288,9 Tonnen, während ETF-Zuflüsse anhalten.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis liegt 0,2 Prozent höher
  • Zentralbanken kauften 288,9 Tonnen
  • SPDR-Bestände steigen siebte Woche
  • US-Inflationsdaten und Fed-Termin entscheidend

Der Goldpreis notiert am heutigen Freitag bei 4.481,42 US-Dollar je Feinunze und liegt damit 0,2 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages. Getragen wird die Rally weiterhin von einer robusten Nachfrage der Notenbanken, die im zweiten Quartal so stark zugekauft haben wie nie zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum.

Notenbanken bauen Reserven weiter aus

Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der stärkste Q2-Wert in der Datenreihe des Council.

Diese Dynamik setzt sich fort: Zum Stichtag 3. September meldete die chinesische Notenbank einen Anstieg ihrer Goldreserven um 19,9 Tonnen auf 2.366,3 Tonnen. Polen stockte um 7,8 Tonnen auf 640,2 Tonnen auf, Tschechien legte rund 1,7 Tonnen zu. Auf der Verkäuferseite reduzierten Russland und die Türkei ihre Bestände moderat, um 6,2 beziehungsweise 1,4 Tonnen.

Auch die Kaufabsichten für die kommenden zwölf Monate sprechen für anhaltenden Rückenwind: In einer Umfrage von World Gold Council und YouGov erklärten 45 Prozent der 74 befragten Zentralbanken, ihre Goldbestände ausbauen zu wollen – der höchste je erfasste Anteil seit 2018. Parallel dazu verlagerte die niederländische Zentralbank über sechs Monate 86 Tonnen Gold von New York und Ottawa nach London, um die Handelbarkeit ihrer Reserven zu verbessern und die Krisenfestigkeit zu stärken.

ETF-Anleger bauen Positionen aus

Auch börsengehandelte Fonds signalisieren wachsendes Anlegerinteresse. Die Bestände des SPDR Gold Shares stiegen zum 2. September um 11,13 Tonnen auf 1.056,62 Tonnen – die siebte Woche in Folge mit Zuflüssen. Beim Silber-Pendant iShares Silver Trust war die Entwicklung gegenläufig: Dort sanken die Bestände um 43,04 Tonnen auf 15.319,69 Tonnen.

Geldpolitik bleibt Schlüsselfaktor

Die kommenden Wochen dürften für den Goldpreis richtungsweisend sein. Kevin Warsh warnte vor hartnäckiger Inflation, woraufhin der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf rund 66 Prozent hochschraubte – eine Woche zuvor hatte dieser Wert noch bei knapp 40 Prozent gelegen.

New Yorks Fed-Präsident John Williams sieht dagegen nachlassenden Inflationsdruck, da die Auswirkungen der Zölle allmählich verschwinden. Am US-Arbeitsmarkt zeigte sich zugleich Schwäche: Private Unternehmen stellten im August nur 38.000 Arbeitskräfte ein, der schwächste Zuwachs seit Januar und deutlich unter der erwarteten Marke von 47.000.

Entscheidend für die weitere Kursrichtung werden die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise am 10. September und die Fed-Sitzung am 15. und 16. September sein. Nach einem Kursplus im August von 10,5 Prozent bewegt sich Gold nun 5,6 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.245,00 US-Dollar – ein Zeichen, dass der Aufwärtstrend trotz der jüngsten Konsolidierung intakt bleibt.

Zusätzliche Unterstützung kam zuletzt aus dem Nahen Osten: Nach US-Luftangriffen auf Iran signalisierte Präsident Trump Gesprächsbereitschaft, was die vorangegangene Ölpreis-Rally bremste und die Inflationssorgen etwas linderte.

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