Gold: Zentralbankkäufe steigen um 62 Prozent

Notenbanken steigern ihre Goldkäufe im zweiten Quartal um 62 Prozent, während Schmucknachfrage sinkt und ETF-Zuflüsse selektiv bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Notenbanken kaufen 288,9 Tonnen Gold
  • Chinas Reserven wachsen 21 Monate
  • Schmucknachfrage fällt auf Pandemieniveau
  • Goldförderung erreicht Quartalshöchstwert

Der Goldpreis notiert bei 4.603,35 Dollar je Feinunze und hat sich damit knapp unter seinem jüngsten Dreimonatshoch eingependelt. Während Anleger auf geldpolitische Signale aus den USA warten, liefert die Nachfrageseite des Marktes den eigentlichen Grund für die Robustheit des Preises: Zentralbanken kaufen so viel Gold wie nie zuvor in einem zweiten Quartal.

Zentralbanken treiben die Nachfrage

Der World Gold Council beziffert die Netto-Käufe der Notenbanken im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen. Das entspricht einem Anstieg von 62 Prozent gegenüber den 177,9 Tonnen im Vorjahresquartal und markiert den stärksten Wert für ein zweites Quartal in der historischen Datenreihe des Council.

Besonders auffällig ist das Verhalten der chinesischen Zentralbank: Die People’s Bank of China hat ihre Goldreserven im Juli um knapp 20 Tonnen aufgestockt, die offiziell ausgewiesenen Bestände stiegen dadurch auf 76,08 Millionen Feinunzen. Damit hat Peking seine Reserven inzwischen 21 Monate in Folge erhöht – ein Muster, das für strukturelle Diversifizierung weg vom Dollar spricht, nicht für taktisches Timing.

Diese anhaltende offizielle Nachfrage bildet ein Gegengewicht zu einem Bereich, der spürbar schwächelt: dem privaten Schmuckkonsum. Die weltweite Schmucknachfrage brach im zweiten Quartal um 17 Prozent auf 278,2 Tonnen ein, das niedrigste Quartalsniveau seit der Pandemie.

In Deutschland zeigt sich das Bild verzerrt: Der Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren meldet für das erste Halbjahr Exporte von 4,62 Milliarden Euro, ein Plus von 34,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Blickpunkt Juwelier ist dieser Anstieg jedoch überwiegend den gestiegenen Edelmetallpreisen zuzuschreiben, nicht einem echten Nachfrageboom.

Angebotsseite wächst, ETF-Geld fließt selektiv

Auch die Minen liefern mehr: Die weltweite Förderung stieg im zweiten Quartal um 2 Prozent auf 965,6 Tonnen, ein neuer Höchstwert für dieses Quartal. Südafrika trug dazu im Juni mit einem Produktionsplus von 6,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat bei. Dass der Preis trotz wachsendem Angebot in der Nähe seiner Höchststände verbleibt, unterstreicht die Kraft der Nachfrageseite.

Bei börsengehandelten Fonds zeigt sich ein gemischtes Bild. Der SPDR Gold Shares (GLD) verzeichnete am Dienstag Nettozuflüsse von 1,19 Milliarden Dollar und führte damit alle Fonds an, das verwaltete Vermögen wuchs um 0,79 Prozent auf 150,9 Milliarden Dollar.

In der ersten Augusthälfte flossen goldgedeckten ETFs insgesamt jedoch nur 7 Milliarden Dollar zu, bei einem verwalteten Gesamtvermögen von 582 Milliarden Dollar. Die Zuflüsse konzentrieren sich damit auf einzelne große Vehikel, während die Breite des ETF-Marktes verhaltener bleibt.

Geldpolitik und Geopolitik als Preistreiber

Ein zusätzlicher Katalysator für den jüngsten Kursschub kam laut Yahoo Finance aus unerwarteter Richtung: Das US-Finanzministerium hat sein langfristiges Anleihe-Rückkaufprogramm verdoppelt, auf 4 Milliarden Dollar pro Sitzung. Parallel dazu bleibt die geopolitische Lage angespannt – Iran hat Gespräche mit Oman über die Straße von Hormus wieder aufgenommen, während der wirtschaftliche Druck durch die US-Regierung anhält.

Im Blick der Anleger steht nun der Auftritt von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbankertreffen in Jackson Hole von Freitag bis Samstag. Die September-Sitzung des Offenmarktausschusses am 15. und 16. September gilt als nächster wichtiger Termin, an dem sich zeigen wird, ob die Fed den geldpolitischen Rückenwind für Gold aufrechterhält.

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