Gold: Zins-Falle?

Inflations- und Zinssorgen belasten Gold, während CIBC für das vierte Quartal 2026 und 2027 höhere Preise prognostiziert.

Die Kernpunkte:
  • ING verweist auf Inflations- und Zinssorgen
  • CIBC erwartet 4.500 US-Dollar im Schlussquartal
  • Für 2027 prognostizieren Analysten 5.200 US-Dollar
  • Chinas Zentralbank kaufte im September 23 Tonnen

Die jüngsten Analysteneinschätzungen zu Gold trennen kurzfristigen Druck von längerfristigen Erholungschancen. Am Freitag erklärte ING, dass Inflations- und Zinssorgen den Markt stärker bestimmten als sinkende US-Renditen oder die Nachfrage nach sicheren Anlagen.

Die am Mittwoch veröffentlichten Prognosen von CIBC Capital Markets lassen dagegen eine spätere Erholung erwarten – allerdings unter ungünstigeren geldpolitischen Bedingungen als zuvor angenommen.

Inflation überlagert die Schutzfunktion

Nach Einschätzung der ING-Analysten konzentrierten sich Anleger am Freitag vor allem auf teures Öl und dessen mögliche Folgen für Inflation und Zentralbankpolitik. Gold habe deshalb weder von niedrigeren US-Renditen noch von der Suche nach sicheren Anlagen profitiert.

Das ist die entscheidende Einschränkung für Anleger: Geopolitische Unsicherheit allein bietet dem Edelmetall derzeit keinen verlässlichen Rückhalt. Wenn höhere Energiepreise zugleich Erwartungen länger hoher Zinsen festigen, kann dieser Belastungsfaktor die Nachfrage nach Sicherheit überwiegen.

Reuters berichtete am Freitag außerdem von zusätzlichen Verkäufen zur Bedienung von Nachschussforderungen nach dem Ausverkauf bei Technologiewerten. Der Verkaufsdruck hatte damit neben dem geldpolitischen Hintergrund auch einen liquiditätsbedingten Auslöser.

Der Freitagsschluss von 3.997,48 USD je Feinunze verdeutlicht, dass die Erholungserwartungen der Analysten bislang keine Entsprechung im Preis gefunden haben.

CIBC erwartet Erholung auf niedrigerem Niveau

Die Rohstoffanalysten Anita Soni und Cosmos Chiu von CIBC Capital Markets prognostizierten am Mittwoch für das vierte Quartal 2026 einen Goldpreis von 4.500 US-Dollar je Feinunze. Damit liegt ihre Erwartung oberhalb des jüngsten Schlussstands.

Ihre niedrigeren Prognosen begründeten sie mit restriktiverer Geldpolitik, höheren Realzinsen und einem stärkeren Dollar. Die Einschätzung verbindet somit eine erwartete Erholung mit einer vorsichtigeren Bewertung der Rahmenbedingungen. Sie ist keine Aussage darüber, dass der jüngste Rückgang bereits beendet wäre.

Für 2027 veranschlagten die beiden Analysten einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.200 US-Dollar. Dieser Jahresdurchschnitt ist von der Prognose für das Schlussquartal zu unterscheiden und stellt kein kurzfristiges Kursziel dar.

Kaufnachfrage bietet ein Gegengewicht

Auf der Nachfrageseite gibt es weiterhin Unterstützung. Laut World Gold Council kaufte die chinesische Zentralbank im September 23 Tonnen Gold. Es war der höchste Monatszukauf seit Oktober 2023.

Diese Käufe bilden ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck, sind aber kein Beleg für eine unmittelbar bevorstehende Preiswende. Die jüngste Marktbewegung zeigt vielmehr, dass offizielle Nachfrage und fallende Notierungen gleichzeitig auftreten können.

Für Anleger bleibt deshalb die Unterscheidung zwischen Nachfrageunterstützung und kurzfristiger Preisbildung wichtig. Die Analystenprognosen setzen auf Erholung; die jüngste ING-Einschätzung erklärt dagegen, weshalb diese trotz vorhandener Stützen bislang ausbleibt. Entscheidend ist, ob Inflations- und Zinssorgen weiter die Oberhand behalten.

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