Gold: Zinserhöhung im Dezember?
Steigende Energiekosten und robuste US-Daten verstärkten den Zinsdruck auf Gold; Zentralbankkäufe und physische Nachfrage stützen den Ausblick.

- Gold verliert am Freitag 3,6 Prozent
- Öl verteuert sich, Inflationssorgen nehmen zu
- Reuters-Umfrage senkt Goldprognose für 2026
- Zentralbankkäufe und physische Nachfrage stützen
Höhere Ölpreise und die damit verbundenen Inflationssorgen haben Gold am Freitag belastet. Mit einer Tagesveränderung von -3,6% sank der Preis auf 3.875,35 USD je Feinunze. Reuters zufolge verstärkten die steigenden Energiekosten die Erwartungen weiterer US-Zinserhöhungen. Damit überwog für das zinslose Edelmetall der Gegenwind aus dem Zinsumfeld.
Energiepreise verschärfen den Druck
Reuters verknüpfte den Anstieg der Ölpreise am Freitag mit Sorgen über erneute Kämpfe im Nahen Osten. Für Gold wirkte diese Entwicklung über die Inflationserwartungen belastend: Teurere Energie verstärkte die Befürchtung, dass weitere Zinserhöhungen erforderlich werden könnten. Der Konflikt wirkte in diesem Marktbericht somit nicht als Stütze für das Edelmetall.
Zusätzlichen Druck erzeugten laut Reuters stärker als erwartet ausgefallene US-Wachstumsdaten. Die Fed hatte ihren Leitzins am Mittwoch unverändert gelassen. Robuste Konjunkturdaten und die Inflationserwartungen hielten jedoch die Möglichkeit einer Zinserhöhung im Dezember im Markt. Ein unveränderter Zinsbeschluss bedeutete damit keine Entwarnung für Gold.
Auch aus Europa kam kein entlastendes Signal. Die Europäische Zentralbank ließ die Zinsen am Donnerstag unverändert und warnte laut Reuters vor Inflationsrisiken durch hohe und steigende Energiekosten. Erwartungen einer möglichen Zinserhöhung im Dezember nannte der Marktbericht ebenfalls als Gegenwind für Gold. Die Belastung beschränkte sich damit nicht auf die amerikanische Geldpolitik.
Nachfrage bietet ein Gegengewicht
Die vorsichtigere Einschätzung reicht über den jüngsten Handelstag hinaus. In einer am Dienstag veröffentlichten Reuters-Umfrage senkten Analysten und Händler ihre Goldpreisprognose für 2026 zum zweiten Quartal in Folge. Als Belastungen nannten sie hohe US-Renditen, einen starken US-Dollar und länger hohe Zinsen.
Die Befragten verwiesen zugleich auf Zentralbankkäufe und die physische Nachfrage als Stützen des Ausblicks. Ihre Einschätzung war damit nicht durchweg negativ: Den Belastungen aus dem Finanzmarktumfeld standen Nachfragefaktoren gegenüber.
Neben diesem grundsätzlichen Spannungsfeld könnten Verkäufe aus anderen Marktsegmenten den Rückgang verstärkt haben. Analysten der Commerzbank verwiesen am Donnerstag auf den starken Rückgang von Technologiewerten. Dieser komme als Auslöser von Zwangsverkäufen und Nachschussforderungen infrage, die auch Edelmetalle belasteten.
Für Anleger ergibt sich daraus eine wichtige Unterscheidung: Die Nachfrage bietet weiterhin Unterstützung im Ausblick der Befragten. Den jüngsten Handel bestimmten jedoch vor allem Energiepreise, Inflationssorgen und die Aussicht auf höhere Zinsen.
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