Gold: Zinsschock schlägt Kriegsangst

Trotz Eskalation am Golf fällt der Goldpreis. Die Fed signalisiert weitere Zinserhöhungen, während Notenbanken die Kursschwäche für Zukäufe nutzen.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt trotz Nahost-Eskalation
  • Fed signalisiert weitere Zinserhöhung
  • Notenbanken kaufen Gold günstig ein
  • Inflationsdaten entscheiden über nächste Bewegung

Drohnenangriffe in der Straße von Hormuz, US-Vergeltungsschläge gegen Iran: Die Lage am Golf eskaliert weiter. Trotzdem fällt der Goldpreis. Das Edelmetall schloss am Freitag bei 4.127,60 US-Dollar je Feinunze, ein Wochenminus von 1,43 Prozent. Normalerweise treibt solche Eskalation Kapital in den sicheren Hafen. Diesmal zieht etwas anderes stärker: die US-Notenbank.

Eskalation am Golf trifft auf neue Fed-Doktrin

Am Wochenende spitzte sich die Lage im Nahen Osten weiter zu. Nach Drohnenangriffen auf Handelsschiffe schlugen die USA gegen iranische Stützpunkte zurück. Präsident Trump erklärte die bisherige Waffenruhe für beendet. In früheren Krisenzyklen hätte eine solche Nachricht Kapital in physisches Gold gespült.

Diesmal bremst die Fed diesen Reflex aus. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh stellt die Notenbank die Inflationsbekämpfung über geopolitische Risiken. Der jüngste Dot Plot zeigt eine deutliche Kehrtwende. Noch Anfang des Jahres erwarteten Ratsmitglieder Zinssenkungen. Jetzt rechnet eine knappe Mehrheit mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung bis Ende 2026. Grund ist die hartnäckige Inflation: Die Fed hob ihre PCE-Prognose für das laufende Jahr auf 3,6 Prozent an.

Zentralbanken stützen den Boden

Trotz massiver ETF-Abflüsse zeigt der physische Markt Widerstandskraft. Vor allem Notenbanken nutzen die Preiskorrektur für Zukäufe.

Die polnische Nationalbank baute ihre Bestände im ersten Halbjahr 2026 um 82 Tonnen aus. Allein im Juni kamen davon 19 Tonnen hinzu.

Die chinesische Notenbank kauft bereits im 20. Monat in Folge Gold zu. Diese staatliche Nachfrage puffert den Verkaufsdruck der Finanzinvestoren ab. Spekulanten bauen wegen steigender US-Renditen und einem starken Dollar Goldpositionen ab. Notenbanken sehen in Kursen unterhalb der 4.200-Dollar-Marke offenbar günstige Einstiegspunkte.

Der Rückstand zum Rekordhoch bleibt deutlich. Am 29. Januar 2026 markierte Gold bei 5.626,80 Dollar sein Jahreshoch. Aktuell fehlen 26,64 Prozent bis zu diesem Niveau.

Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 4,93 Prozent zu Buche. Zum Jahrestief von Ende Oktober 2025 bleibt dagegen nur ein Polster von 5,80 Prozent.

Ausblick: Inflationsdaten entscheiden die Woche

Am Dienstag veröffentlichen die USA die Verbraucherpreise für Juni. Die Erzeugerpreise folgen einen Tag später. Beide Daten gelten als wichtigster Hinweis für die nächste Zinsentscheidung im September.

Die Märkte preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von fast 60 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. Fallen die Inflationsdaten höher aus als erwartet, könnte Gold erneut fallen.

Charttechnisch bleibt der Trend angeschlagen. Gold notiert 5,45 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und 9,07 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI von 44 zeigt weder ein überkauftes noch ein überverkauftes Signal.

Ein Ausbruch über die 4.130-Dollar-Marke wäre nötig, um das bärische Momentum zu brechen. Gelingt das, öffnet sich der Weg Richtung 4.200 Dollar. Bestätigen die Inflationsdaten dagegen den Preisdruck, dürfte der Support bei 4.102 Dollar zum nächsten Test werden.

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