Gold: Zwei LBMA-Suspendierungen im August
Gold steigt auf 4.661 Dollar, getrieben von Zentralbankkäufen und Marktregulierung. LBMA-Suspendierungen chinesischer Raffinerien prägen den physischen Handel.

- Goldpreis erreicht Dreimonatshoch
- LBMA suspendiert zwei chinesische Raffinerien
- Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen Gold
- SGE-Prämie kippt in Abschlag
Gold hat die Marke von 4.600 Dollar je Feinunze überschritten und markiert damit ein Dreimonatshoch. Während Dollar-Schwäche und Zinsfantasie die Rally zuletzt trugen, rückt eine strukturelle Entwicklung in den Fokus: Die London Bullion Market Association hat binnen weniger Wochen zwei chinesische Raffinerien von ihren Good-Delivery-Listen suspendiert – mit Folgen für den physischen Goldhandel zwischen West und Ost.
Zwei Suspendierungen binnen zwei Wochen
Die LBMA strich Shandong Gold Smelting am 5. August von der Liste zugelassener Lieferanten, nachdem das Unternehmen auf die Entity List im Rahmen des US-Gesetzes gegen Zwangsarbeit in der Uiguren-Region (UFLPA) gesetzt worden war.
Am 20. August folgte die Suspendierung von Hunan Shuikoushan Nonferrous Metals Group – Grund war eine modifizierte Prüferaussage zur Responsible-Silver-Compliance für das Geschäftsjahr 2025. Die China Gold Association reagierte mit einem Schreiben vom 20. August, das sich gegen den US-Einsatz des UFLPA-Instruments gegen die chinesische Goldindustrie richtet.
Parallel dazu greift Peking selbst in die Marktstruktur ein: Seit dem 24. Juli dürfen chinesische Banken gehebelten Handel nur noch über Kontrakte der Shanghai Gold Exchange abwickeln. Die Folge zeigte sich am Markt bereits: Die SGE-Goldprämie gegenüber dem Londoner Spotpreis schrumpfte, am 19. August kippte sie erstmals in einen Abschlag.
Ein solcher Discount signalisiert nachlassenden Kaufdruck im Inlandsmarkt gegenüber dem globalen Referenzpreis – ungewöhnlich für einen Markt, der zuletzt von robuster chinesischer Nachfrage geprägt war.
Zentralbanken kaufen trotzdem weiter
Die Marktstruktur-Turbulenzen ändern nichts am grundsätzlichen Nachfragebild der Notenbanken. Der World Gold Council bezifferte die Nettokäufe der Zentralbanken im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der stärkste je gemessene Q2-Wert.
Die People’s Bank of China kaufte darin 33 Tonnen, das größte Einzelquartal seit Ende 2023, und setzte damit ihre seit 21 Monaten ununterbrochene Akkumulationsserie fort. Polens Notenbank erwarb 51 Tonnen im zweiten Quartal und kommt im ersten Halbjahr auf 82 Tonnen – bei einem erklärten Zielwert von 700 Tonnen insgesamt.
Auf der ETF-Seite kehrte sich der Trend zuletzt um: Nach Nettoabflüssen von 45 Tonnen im zweiten Quartal, vor allem aus Nordamerika, meldete der SPDR Gold Trust am 7. August wieder Nettozuflüsse von rund 637 Millionen Dollar.
Kursbild bleibt angespannt nach oben
Am Freitag schloss Gold bei 4.661,60 Dollar, ein Plus von 1,9 Prozent auf Tagessicht und der dritte Wochengewinn in Folge. Auf Monatssicht steht ein Plus von 13 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 7,8 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 70,5 deutet auf eine überkaufte Lage hin, was kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlicher macht, ohne den übergeordneten Trend infrage zu stellen.
Zum Rekordhoch von 5.586,20 Dollar vom 29. Januar fehlen dem Kurs weiterhin 17 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief von 3.326,50 Dollar vom 21. August 2025 bei 40 Prozent liegt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage aus geopolitischer Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt, chinesischer Marktregulierung und ungebrochener Zentralbanknachfrage der entscheidende Treiber – die nächste richtungsweisende Wegmarke liefert die Fed-Sitzung im September.
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