Gold: Zweiwochenhoch am Mittwoch

Steigende Ölpreise durch Nahost-Konflikt schüren Inflationsangst und bremsen die Goldrally. Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer.

Die Kernpunkte:
  • Nahost-Eskalation treibt Ölpreis auf 96 Dollar
  • Inflationssorgen lassen Zinserhöhung erwarten
  • Zentralbanken kaufen weiter Goldreserven auf
  • Paulson prognostiziert langfristigen Gold-Bullenmarkt

Der Goldpreis bewegt sich in einem ungewöhnlichen Spannungsfeld: Auf der einen Seite treibt die Eskalation im Nahen Osten Anleger traditionell in den sicheren Hafen Edelmetall. Auf der anderen Seite lässt derselbe Konflikt die Ölpreise so stark steigen, dass Inflationssorgen aufkeimen und Zinserhöhungserwartungen das Edelmetall bremsen. Diese Gemengelage prägte den Handel Ende Juli 2026 und sorgte dafür, dass Gold nach einem Zweiwochenhoch am Mittwoch im weiteren Verlauf wieder Boden abgab.

Ölpreis-Rally bremst die Fluchtbewegung

Auslöser der Nervosität sind die anhaltenden US-Angriffe auf Iran, die bereits in ihre zwölfte Nacht in Folge gingen, sowie eine von den Huthi-Rebellen verhängte Blockade im Roten Meer. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus für „vollständig geschlossen“, mehrere mit saudischem Rohöl beladene Tanker mussten umkehren. In der Folge kletterte Brent-Rohöl auf rund 96 US-Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Anfang Juni, während WTI die Marke von 88 US-Dollar überschritt. Goldman Sachs bezifferte das Risiko eines Brent-Preises von 120 US-Dollar im vierten Quartal 2026, sollte die Blockade anhalten, TD Securities nannte im Extremfall sogar 150 US-Dollar. Diese Öl-Rally nährt Inflationssorgen und Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank, was Gold als zinslos gehaltenes Anlagegut kurzfristig unter Druck setzt. Die Terminmarktindikatoren rechneten zuletzt mit einer Wahrscheinlichkeit von 76 Prozent für eine Zinserhöhung im September, während für die kommende Fed-Sitzung Ende Juli überwiegend eine Zinspause erwartet wird. Auch die Europäische Zentralbank dürfte ihren Einlagensatz bei 2,25 Prozent belassen, signalisierte laut Handelsblatt aber die Möglichkeit einer weiteren Anhebung im September – Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält einen solchen Schritt für sinnvoll.

Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer

Während kurzfristige Makrofaktoren belasten, bleibt die langfristige Nachfrageseite intakt. China kaufte im Mai 2026 bereits den 19. Monat in Folge Gold und erhöhte seine Reserven um rund zehn Tonnen auf insgesamt 2.331,52 Tonnen. Polen war im ersten Halbjahr 2026 der größte Netto-Käufer unter den Zentralbanken, während die türkische Notenbank im gleichen Zeitraum 81 Tonnen im Gegenwert von 10,6 Milliarden US-Dollar verkaufte – ein Kontrapunkt zum sonst breit angelegten Käufertrend. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge planen 45 Prozent der befragten Zentralbanken weitere Zukäufe. Ende 2025 hatte der Goldanteil an den globalen Währungsreserven laut Marktbeobachtungen erstmals den Anteil von US-Staatsanleihen überholt, während der Bestand amerikanischer Anleihen bei den Notenbanken auf den niedrigsten Stand seit 2012 zurückgegangen war.

Paulson sieht Beginn eines langen Bullenmarktes

Für Aufsehen sorgte eine Einschätzung des Hedgefonds-Managers John Paulson, über die Der Aktionär berichtete: Er sehe im aktuellen Umfeld den „Beginn eines langfristigen Bullenmarktes für Gold“. Paulson selbst ist über sein Beratungsunternehmen Paulson Advisors auch operativ im Sektor engagiert – NOVAGOLD übernimmt von diesem Vehikel das Projekt Donlin Gold in einem auf 4,2 Milliarden US-Dollar taxierten Deal, ein Signal für anhaltendes strategisches Vertrauen in die Branche trotz der jüngsten Volatilität.

Charttechnik als Stimmungsbarometer

Auf der technischen Seite verweisen Marktbeobachter auf eine Erholung nach einer deutlichen Korrekturphase seit Jahresbeginn, die einen seit Mai bestehenden Abwärtstrend inzwischen durchbrochen habe. Manche Analysten ziehen dabei Parallelen zum Marktzyklus des Jahres 2006. Untermauert wird die konstruktive Lesart durch die Optionsmärkte: Die Put-Call-Ratio liegt bei niedrigen 0,39, und es besteht ein auffällig hohes offenes Interesse an Call-Optionen mit Fälligkeit bis November 2026 und Basispreisen von bis zu 20.000 US-Dollar – ein Hinweis darauf, dass zumindest ein Teil der Marktteilnehmer auf deutlich höhere Notierungen spekuliert. Kurzfristig bleibt die Gemengelage aus Fed-Sitzung, Nahost-Eskalation und Ölpreis-Rally jedoch der bestimmende Faktor für die Richtung des Goldpreises.

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