Gold: Zwischenwahl-Effekt?

Günstigere Finanzmarktbedingungen und politische Absicherung stützen Gold, während die Nachfrageprognose für 2026 zurückgeht.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis legt um 2,4 Prozent zu
  • Dollar und US-Renditen geben nach
  • Prognose für Investitionsnachfrage halbiert
  • Zentralbankkäufe steigen auf 321 Tonnen

Ein schwächerer US-Dollar und sinkende US-Staatsanleiherenditen stützen heute den Goldpreis: Das Edelmetall legt um 2,4% zu. Reuters verweist zusätzlich auf Absicherungsnachfrage wegen möglicher politischer Konfrontationen in den USA und auf die fortdauernden Spannungen zwischen Iran und den USA. Die Erholung erhält damit Unterstützung vom Währungs- und Anleihemarkt sowie von politischen Risiken.

Dollar und Renditen wechseln die Richtung

Sowohl die nominalen als auch die realen US-Staatsanleiherenditen sanken laut Reuters deutlich. Den Rückgang des Dollars brachte die Nachrichtenagentur mit frühen Erfolgen der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen in Verbindung. Damit kehren sich wichtige Belastungsfaktoren des Vortages um.

Gestern hatten ein stärkerer Dollar und höhere US-Anleiherenditen den Goldpreis noch gedrückt. Die heutige Gegenbewegung zeigt deshalb vor allem einen veränderten makroökonomischen Rahmen. Sie ist nicht mit einer durchgehend stärkeren Nachfrage in allen Bereichen des Goldmarktes gleichzusetzen.

Der Spotpreis liegt zum Tagesschluss bei 4.022,29 USD je Feinunze und spiegelt damit die Erholung im günstigeren Marktumfeld wider. Für die Einordnung ist entscheidend, dass Reuters neben den Finanzmarktbewegungen auch politische Absicherungsmotive nennt.

Die Nachfrage liefert ein gemischtes Bild

Der gestern veröffentlichte Nachfragebericht des World Gold Council setzt dazu einen wichtigen Kontrapunkt. Zentralbanken und goldgedeckte Fonds stützen den Markt. Zugleich schwächt sich die Nachfrage nach Barren und Münzen laut Reuters im zweiten Halbjahr ab.

Für 2026 senkte der Verband seine Prognose für das Wachstum der weltweiten Gold-Investitionsnachfrage auf 200 Tonnen von zuvor 400 Tonnen. Gleichzeitig hob er seine Schätzung der Zentralbankkäufe an.

Diese gegenläufigen Anpassungen unterscheiden die heutige Preisstütze von einem breit getragenen Nachfrageaufschwung. Auch in Indien erwartet der Verband wegen hoher Preise einen schwächeren Schmuckabsatz und eine nachlassende Investitionsnachfrage.

Die gestern veröffentlichten Nachfragedaten beziffern die Nettokäufe der Zentralbanken auf 321 Tonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Goldgedeckte ETFs verzeichneten Zuflüsse von 211 Tonnen.

Arbeitsmarktdaten als nächster Orientierungspunkt

Für die weitere Einordnung richtet sich der Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten später in dieser Woche. Reuters zufolge erhoffen sich Goldanleger davon Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Federal Reserve.

Die heutige Erholung beruht somit auf einem günstigeren Dollar- und Renditeumfeld sowie zusätzlicher Absicherungsnachfrage. Die schwächeren Erwartungen für Teile der Investmentnachfrage begrenzen allerdings die Aussagekraft des Tagesgewinns: Er belegt eine Entlastung am Finanzmarkt, keinen einheitlichen Aufschwung der Goldnachfrage.

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