Goldman liefert Rekordzahlen – und der Markt zuckt nur mit den Schultern
Goldman Sachs meldet historische Gewinne, doch der Aktienhandel enttäuscht. Während Banken von steigenden Zinsen profitieren, verschieben sich die wirtschaftlichen Gewichte nach Asien.

- Historische Rekordzahlen im Investmentbanking
- Schwacher Anleihenhandel drückt Aktienkurs
- Asien baut strategische Industrien aus
- Lufthansa von Streikwoche getroffen
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern Abend schrieb ich, die kommenden Tage würden zeigen, ob die Märkte die Seeblockade als Drohkulisse einordnen oder als neue Realität akzeptieren. Die erste Antwort lieferte am Montag ausgerechnet Goldman Sachs – und sie fiel erstaunlich zweideutig aus.
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5,4 Milliarden Dollar Nettogewinn. 17,2 Milliarden Dollar Gesamtertrag. Ein Gebührensprung von 48 Prozent im Investmentbanking. Ein historisches Rekordquartal im Aktienhandel. Die Zahlen, die Goldman zum Auftakt der US-Berichtssaison vorlegte, lesen sich wie der Beweis, dass die Wall Street in einer Parallelwelt operiert – einer Welt, in der gescheiterte Verhandlungen in Islamabad, eine Seeblockade an der Straße von Hormus und ein Brent-Ölpreis jenseits der 102-Dollar-Marke zwar registriert, aber nicht gefürchtet werden.
Der DAX schloss am Montag 1,1 Prozent tiefer bei 23.548 Punkten. Die Goldman-Aktie gab vorbörslich um rund 3,5 Prozent nach. Und dennoch floriert das Geschäft der großen Finanzhäuser wie selten zuvor. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, folgt einer klaren Logik.
Wo Goldman glänzt – und wo nicht
CEO David Solomon verwies pflichtschuldig auf die „komplexe Geopolitik“. Seine Bücher erzählen eine andere Geschichte. Das M&A-Geschäft boomt: Goldman begleitet unter anderem den 65-Milliarden-Dollar-Deal zwischen Unilever und McCormick sowie den mit Spannung erwarteten SpaceX-Börsengang. Die Gebühreneinnahmen im Investmentbanking stiegen um 48 Prozent – ein Beleg dafür, dass die Konzernwelt trotz aller Unsicherheit weiter konsolidiert, kauft und fusioniert.
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Dass die Aktie dennoch nachgab, lag an einem Schwachpunkt: Der Anleihenhandel (FICC) enttäuschte mit einem Rückgang um 10 Prozent auf gut 4 Milliarden Dollar. Für eine Branche, die zuletzt auf Rekorderlöse im Handel konditioniert war, ist das ein erstes Warnsignal. Nicht jede Krise lässt sich gleichermaßen profitabel handeln.
Gleichzeitig hat das geopolitische Umfeld eine profitable Kehrseite, die über Goldman hinausreicht. Die Analysten von JP Morgan hoben am Montag die Umsatzprognosen für britische Großbanken wie NatWest und Lloyds an. Der Mechanismus: Der eskalierende Iran-Konflikt treibt die Inflationserwartungen, die fünfjährigen Swap-Sätze sind um 55 Basispunkte gestiegen. Der Markt preist inzwischen Zinserhöhungen statt der zuvor erhofften Senkungen ein. Für die Banken heißt das: Zinsmargen bleiben hoch, eine Eigenkapitalrendite von rund 20 Prozent rückt in greifbare Nähe.
Asien baut um – leise, aber strategisch
Während Europa und der Nahe Osten die Schlagzeilen dominieren, vollzieht sich in Asien ein strategischer Umbau, der wenig Aufmerksamkeit bekommt, aber langfristig schwerer wiegen dürfte.
In Japan forderten die privaten Mitglieder des mächtigen Wirtschaftsrats CEFP am Montag ein Ende der traditionellen Einjahresbudgets. Stattdessen sollen mehrjährige Finanzierungsrahmen für kritische Sektoren wie Halbleiter und Schiffbau entstehen. Das bisherige Ziel eines Primärbilanzüberschusses soll fallen; die nachhaltige Steuerung der Staatsschulden – die bereits bei über 200 Prozent des BIP liegen – rückt in den Fokus. Japan bereitet sich auf eine Welt vor, in der Lieferketten nicht nur ökonomisch, sondern militärisch gesichert werden müssen. Der Nikkei gab am Montag um 0,7 Prozent nach, doch Werte wie INPEX legten 3,1 Prozent zu – eine direkte Wette auf den anhaltend hohen Ölpreis.
Parallel baut Indien seine Position als neues industrielles Gravitationszentrum aus. Der japanische Klimaanlagen-Spezialist Daikin kündigte am Montag an, 10 Milliarden Rupien (rund 120 Millionen Dollar) in sein erstes globales Forschungszentrum außerhalb Japans zu investieren. Der Standort im indischen Neemrana soll sich auf Software und Kühllösungen für Rechenzentren konzentrieren – jene Infrastruktur, ohne die der globale KI-Boom nicht funktioniert. Dass die indischen Großhäfen im abgelaufenen Fiskaljahr mit 915 Millionen Tonnen Fracht einen neuen Rekord aufstellten, passt ins Bild: Die Gewichte verschieben sich.
Lufthansa: Jubiläumswoche mit Totalausfall
Zurück in Europa zeigt sich die operative Realität von ihrer rauen Seite. Die Lufthansa-Aktie verlor am Montag bis zu 4,9 Prozent – und der sprunghafte Anstieg der Kerosinkosten war dabei nur ein Teil des Problems.
Ausgerechnet in der Woche, in der der Konzern sein 100-jähriges Bestehen feiert, rief die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ihre Mitglieder zu einem 48-stündigen Streik bei Lufthansa, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings auf. Hunderte Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München fallen am Montag und Dienstag aus. Und es droht keine Atempause: Die Flugbegleitergewerkschaft UFO kündigte am Nachmittag bereits den nächsten Arbeitskampf für Mittwoch und Donnerstag an. Dem Konzern steht eine nahezu durchgehende Streikwoche bevor – die vierte Eskalationsstufe in diesem Tarifkonflikt.
Ganz anders Rheinmetall: Die Aktie legte am Montag gegen den Markttrend um 0,7 Prozent zu. Der Düsseldorfer Konzern steigt gemeinsam mit dem niederländischen Partner Destinus über ein Joint Venture ins Raketengeschäft für Angriffs- und Abfangsysteme ein. Die europäische Rüstungsindustrie konsolidiert sich in einem Tempo, das vor zwei Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Krypto: 1,1 Milliarden fließen rein – und die Infrastruktur wackelt
Ein letzter Blick auf einen Markt, der seine eigenen Gesetze schreibt. In der vergangenen Woche flossen 1,1 Milliarden Dollar in Krypto-Investmentprodukte – die stärkste Woche seit Januar. Doch die Infrastruktur hinter dem Boom bleibt verwundbar.
Südkoreas Zentralbank forderte am Montag die Einführung von Notabschaltungen für Kryptobörsen. Anlass war ein Vorfall im Februar, als ein menschlicher Fehler bei der Börse Bithumb eine fälschliche Auszahlung von 620.000 Bitcoin auslöste und Panikverkäufe nach sich zog. Während Asien auf Regulierung setzt, greift Russland härter durch: Eine Regierungskommission billigte am Montag einen Gesetzentwurf, der für illegale Krypto-Geschäfte künftig bis zu sieben Jahre Haft vorsieht.
Was bleibt von diesem Montag?
Die Erkenntnis, dass die Kapitalmärkte geopolitische Risiken inzwischen als Betriebskosten behandeln – nicht als Ausnahmezustand. Goldman verdient Milliarden, während Diplomaten scheitern. Banken profitieren von steigenden Zinsen, die eigentlich niemand wollte. Und das Kapital fließt dorthin, wo langfristig gebaut wird: nach Tokio, nach Neemrana, in Rechenzentren und Raketenwerke.
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Die nächste Bewährungsprobe folgt am Donnerstag, wenn der europäische Halbleiter-Ausrüster ASML seine Bücher öffnet. Analysten erwarten ein Umsatzwachstum von 12 Prozent. Die Zahl wird zeigen, ob der Tech-Sektor dem Pragmatismus der Banken folgen kann – oder ob die Realwirtschaft doch stärker unter der Krise leidet, als die Finanzmärkte es wahrhaben wollen.
Herzlichst, Ihr Felix Baarz
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