Goldman warnt, Iran droht, Bitcoin blutet — Wochenrückblick in Zahlen
Goldman Sachs sieht Risikobereitschaft auf Rekordniveau, während Iran die Hormus-Straße verschärft und Bitcoin-ETFs Milliardenabflüsse verzeichnen.

- DAX fällt um über zwei Prozent
- Bitcoin-ETFs mit Milliardenabflüssen
- Iran verschärft Hormus-Durchfahrtsregeln
- Goldman warnt vor extremem Risikoappetit
Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag schrieb ich, die Marktbreite sei gerissen. Über das Wochenende hat sich daran nichts geändert — aber die Konturen dessen, was danach kommt, werden schärfer. Der DAX schloss am 15. Mai bei 23.950 Punkten, minus 2,07 Prozent. US-Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten in der Woche über 1 Milliarde Dollar Nettoabflüsse. Und Irans Parlamentsausschuss für nationale Sicherheit kündigte am Samstag einen restriktiven Transitrahmen für die Straße von Hormus an. Drei Assetklassen, drei Stresssignale, ein gemeinsamer Nenner: steigende Zinsen bei sinkender Risikobereitschaft.
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Aktien: Risikoabbau von Frankfurt bis Tokio
Der DAX 40 verlor am Freitag 505,69 Punkte und war damit der schwächste große europäische Index. Infineon gab 5,3 Prozent ab, Siemens 2,3 Prozent. Das Jahreshoch vom 13. Januar liegt bei 25.507,79 Punkten — der Abstand beträgt inzwischen gut 6 Prozent.
International dasselbe Bild: Der Russell 2000 fiel um 2,69 Prozent, der FTSE 100 um 1,71 Prozent, der Nikkei 225 um 1,99 Prozent auf 61.409,29 Punkte. In Tokio traf es die Tech-Werte am härtesten — Kioxia Holdings minus 8,3 Prozent, Fujikura minus 8,4 Prozent, Advantest minus 7,9 Prozent. Dass der breitere Topix nur 0,39 Prozent nachgab, zeigt die Konzentration der Verluste. Der Nikkei hatte im vergangenen Jahr rund 26 Prozent zugelegt, von 39.894 auf 50.339 Punkte. Die Fallhöhe ist entsprechend.
Zinsen und Bewertungen: Goldman sieht 99. Perzentil
US-Staatsanleihen rentierten am 15. Mai bei 3,60 Prozent für drei Monate, 4,03 Prozent für zwei Jahre, 4,49 Prozent für zehn Jahre und 5,04 Prozent für dreißig Jahre. Indiens Chefökonom V. Anantha Nageswaran ordnet das global ein: britische Zehnjährige über 5,2 Prozent, japanische Dreißigjährige über 4 Prozent. Das Zinsniveau drückt überall.
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Goldman Sachs liefert dazu die Einordnung auf der Bewertungsseite. Der hauseigene Risk Appetite Indicator liegt über 1,1 — höchster Stand seit 2021, 99. Perzentil seit 1991. Der US-Aktienmomentum-Z-Score überschreitet 3,0, der stärkste Wert seit dem Jahr 2000. Der S&P 500 hat innerhalb eines Monats 14 neue Rekordhochs markiert und liegt seit Jahresbeginn 10 Prozent im Plus. 85 Prozent dieser Gewinne entfallen auf Tech- und TMT-Werte, Nvidia allein steuert 20 Prozent bei. Goldmans Jahresendziel für den S&P 500 liegt bei 7.600 Punkten — rund 1 Prozent über dem aktuellen Niveau. Als Absicherungsinstrument empfiehlt die Bank Put Spread Collars.
Hormus und Panama: Lieferketten unter doppeltem Druck
Am Samstag präzisierte Ebrahim Azizi, Vorsitzender des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit, den geplanten Transitrahmen für die Straße von Hormus. US-geführte Schiffe sollen ausgeschlossen, autorisierte Schiffe zu obligatorischen Zahlungen verpflichtet werden. Durch die Meerenge fließen rund 20 Prozent des weltweiten Erdöls. Südkorea äußerte umgehend starke Opposition.
Donald Trump hatte nach seinem Treffen mit Xi Jinping erklärt, der chinesische Präsident stimme zu, dass Teheran die Meerenge wieder öffnen müsse. Laut Reuters gab Peking allerdings keinen Hinweis, aktiv Druck ausüben zu wollen. Parallel erreichten Auktionspreise für Panama-Kanal-Transits laut Global Trade Magazine Rekorde von 4 Millionen Dollar pro Schiff — Folge der Umroutung wegen der Nahost-Turbulenzen.
Die Konsequenzen reichen über Öl hinaus. Die Afrikanische Union organisiert vom 20. bis 22. Mai ein virtuelles Sondertreffen zu Düngemittelmarktstörungen und Ernährungsrisiken. Afrika importiert mehr als 80 Prozent seines Düngers. Auf der Agenda stehen Notfallmaßnahmen, regionale Produktionsstrategien und Finanzierungsmechanismen. Für Agrarpreise und Schwellenländerhaushalte ist das unmittelbar relevant.
Bei Sojabohnen schlossen die Kontrakte am Freitag 7 bis 15½ Cent niedriger; August 2026 bei 11,76½ Dollar, November 2026 bei 11,70¾ Dollar. Der NOPA-Bericht meldete für April 211,86 Millionen Scheffel verarbeitete Sojabohnen — 6,33 Prozent weniger als im März, aber 11,37 Prozent mehr als im Vorjahr. Das USDA registrierte einen privaten Exportverkauf von 155.000 Tonnen Sojabohnenmehl an Italien. Bei den Agrar-Zöllen gibt es erste Entspannungssignale zwischen Washington und Peking: Zollsenkungen, weniger nichttarifäre Hürden, besserer Marktzugang. Die Vereinbarungen bleiben vorläufig; chinesische Agrarimporte aus den USA unterliegen weiter einem zusätzlichen Zoll von 10 Prozent.
Emerging Markets: Indien liefert Zahlen, braucht aber Jobs
Indien meldete für April 2026 Warenexporte von 43,6 Milliarden Dollar und Dienstleistungsexporte von 37,24 Milliarden Dollar. Warenimporte lagen bei 71,9 Milliarden Dollar, Dienstleistungsimporte bei 16,66 Milliarden Dollar. Das Gesamthandelsdefizit sank auf 7,81 Milliarden Dollar — nach 11,16 Milliarden Dollar im Vorjahr. Wachstumstreiber waren Elektronik, Maschinenbau, Erdölprodukte, Pharma und Milchprodukte.
Die Regierung plant, rund 100 Produkte zu identifizieren, die im Inland nicht oder zu wenig hergestellt werden. Im Fokus stehen Auto-Komponenten, Elektronik und Industriemaschinen. Angekündigt wurden schnellere FDI-Genehmigungen, gelockerte Investitionsnormen und mehr Freihandelsabkommen. Chefökonom Nageswaran mahnt dennoch: Indien brauche jährlich 8 Millionen neue Jobs und müsse arbeitsintensive Sektoren wie Bekleidung, Schuhe und Lebensmittelverarbeitung stärken — parallel zum Aufbau von Kapazitäten in Halbleitern, Batterien und Spezialchemikalien.
Auch Indonesien verdient einen Blick: Indische Investitionen in die Freihandelszone Batam erreichten von 2016 bis 2025 insgesamt 258,6 Milliarden Rupiah, mit einem Höchstwert von 95,2 Milliarden Rupiah im Jahr 2025. Indien war im ersten Quartal 2026 mit 521,6 Millionen Dollar Exporten und 11,14 Prozent Anteil der drittgrößte Exportzielmarkt Batams.
Krypto: Über 1 Milliarde Dollar fließen ab
US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten in der Woche bis zum 15. Mai Nettoabflüsse von über 1 Milliarde Dollar und beendeten damit eine sechswöchige Zuflussserie. Allein am Freitag flossen 290,42 Millionen Dollar ab; kein einziger Fonds meldete positive Zuflüsse. BlackRocks IBIT führte die Abflüsse mit 136,25 Millionen Dollar an.
Bitcoin notierte zuletzt bei rund 79.000 Dollar, der Wochenverlust lag bei rund 2,9 Prozent. Liquidationen summierten sich auf 573,57 Millionen Dollar, davon 546,03 Millionen Dollar auf der Long-Seite. Die kumulierten Nettozuflüsse seit Januar 2024 bleiben mit 58,34 Milliarden Dollar positiv, das Gesamtvermögen der ETFs liegt bei 104,29 Milliarden Dollar. Die Basis ist also intakt — aber die Richtung hat sich gedreht.
Was in der neuen Woche zählt
Auf dem Kalender stehen unter anderem New Residential Construction für April (Prognose: 1,40 Millionen), Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Prognose: 210.000), die Uni-Michigan-Umfrage für Mai (48,2), S&P Case-Shiller, Consumer Confidence und Durable Goods. Dazu die Einkaufsmanagerindizes und das Ifo-Geschäftsklima aus Deutschland.
Die Frage, die sich durch alle Assetklassen zieht: Handelt es sich um eine Gewinnmitnahme nach einem starken Lauf — oder um den Beginn einer breiteren Neubewertung? Goldman sieht den Risikoappetit im 99. Perzentil. Iran verschärft das Hormus-Regime. Die Zinsen auf US-Dreißigjährige liegen über 5 Prozent. Wenn alle drei Faktoren gleichzeitig wirken, reicht eine Gewinnmitnahme als Erklärung nicht aus.
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Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest des Wochenendes.
Herzlichst, Ihr
Felix Baarz
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