Graphite One Aktie: 1,4 Milliarden Dollar für Ohio

Graphite One erhält Rückenwind bei Behördenverfahren für Alaska-Projekt und Ohio-Fabrik, während der Aktienkurs trotz Fortschritten deutlich nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • US-Verordnung stärkt heimische Graphit-Lieferkette
  • Luftgenehmigungsprüfung in Ohio begonnen
  • Finanzierungszusagen auf 2,07 Mrd. Dollar erhöht
  • Aktie trotz Fortschritten stark gefallen

Graphite One kommt bei den Genehmigungsverfahren für sein Rohstoffprojekt in Alaska und die geplante Anodenfabrik in Ohio Schritt für Schritt voran. Mehrere Behördenentscheidungen und ein Rückenwind aus Washington fallen in den vergangenen Wochen zusammen – während der Aktienkurs davon bislang unbeeindruckt bleibt.

Rückenwind aus Washington

Am 20. Juli unterzeichnete US-Präsident Trump die Durchführungsverordnung „Securing America’s Defense Supply Chains and Ensuring Domestic Acquisition of Critical Materials“. Graphite One ordnete sein Vorhaben umgehend in diesen Rahmen ein und betonte die strategische Bedeutung einer heimischen Graphit-Lieferkette für die USA. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Vereinigten Staaten bei natürlichem Graphit vollständig von Importen abhängig sind – ein Argument, das auch bei den laufenden Genehmigungsverfahren eine Rolle spielt.

Das Graphite-Creek-Projekt läuft weiterhin über das föderale Beschleunigungsprogramm FAST-41, in das es im Juni 2025 aufgenommen wurde. Der zugehörige Coordinated Project Plan mit einer Laufzeit von 13,5 Monaten wurde im August 2025 veröffentlicht und sieht eine föderale Entscheidung zum 29. September 2026 vor. Anfang Juli erklärte Graphite One, den Pfad über eine Environmental Impact Statement zu unterstützen und rechnet dadurch nicht mit einer Verzögerung des für 2029 angepeilten Produktionsstarts in Alaska.

Ohio prüft Luftgenehmigung für Anodenfabrik

Parallel zum Alaska-Projekt treibt Graphite One den Bau einer Fabrik für aktives Anodenmaterial im Ohio-Ort Conneaut voran. Die Ohio Environmental Protection Agency stufte den Antrag auf eine Luftgenehmigung Mitte Juli als vollständig ein und begann mit der technischen Prüfung. Die Anlage soll zunächst rund 10.000 Tonnen Material pro Jahr produzieren, bevor eine Erweiterung auf 25.000 Tonnen jährlich folgt. Subject to Permitting, Regulatory Approvals und Financing peilt das Unternehmen den Produktionsstart der synthetischen Anodenmaterialien für das vierte Quartal 2027 an.

Ergänzend zu den behördlichen Fortschritten hat unabhängige Analyse des Granatgesteins aus dem Graphite-Creek-Gebiet erhöhte Gehalte an Magnet- und Schwermetallen aus der Seltenerdgruppe nachgewiesen. Nach den vorliegenden Proben, die auf die im Februar 2025 veröffentlichte Machbarkeitsstudie zurückgehen, entfallen 85 Prozent der Seltenen Erden im Material auf Magnet- oder Schwermetallanteile, mit Dysprosium-Werten zwischen 32 und 63 ppm sowie Yttrium zwischen 198 und 427 ppm. Eine Gewinnung dieser Elemente könnte nach Unternehmensangaben parallel zur frühen Graphitförderung erfolgen.

Finanzierung nimmt Konturen an

Für die Kapitalseite spielt die Export-Import Bank der USA eine zentrale Rolle. Sie hat ihre unverbindliche Finanzierungszusage für Graphite Creek auf 670 Millionen US-Dollar aufgestockt und die Zusage für die Ohio-Anlage auf 1,4 Milliarden US-Dollar erhöht, jeweils mit einer Laufzeit von 15 Jahren im Rahmen der „Make More in America“-Initiative der Bank. Insgesamt soll die Export-Import Bank damit rund 70 Prozent des gesamten Kapitalbedarfs abdecken. Die Pläne für die Ohio-Fabrik sehen eine schrittweise Ausweitung der Produktion von Anodenaktivmaterial auf bis zu 100.000 Tonnen jährlich vor. Sämtliche Zusagen bleiben unverbindlich und stehen unter dem Vorbehalt weiterer Genehmigungs- und Finanzierungsschritte.

Kursentwicklung trotz Fortschritten

An der Börse hat die Aktie von den regulatorischen und politischen Fortschritten bislang kaum profitiert. Zum Schluss des Freitagshandels notierte das Papier bei 0,5400 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 56,97 Prozent im Minus. Vom im Januar erreichten 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro trennen die Aktie inzwischen 66,14 Prozent. Die Diskrepanz zwischen operativem Fortschritt und Kursentwicklung dürfte auch damit zusammenhängen, dass die milliardenschweren Finanzierungszusagen weiterhin unverbindlich sind und der eigentliche Produktionsstart in Alaska erst für 2029 in Aussicht steht.

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