Graphite One Aktie: 58,73 Prozent Minus seit Jahresbeginn

Trotz milliardenschwerer Finanzierungszusagen und politischer Rückendeckung verliert die Aktie von Graphite One weiter an Wert. Der Markt zeigt sich skeptisch gegenüber den langen Entwicklungszeiten des Graphitprojekts.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert trotz Pentagon-Unterstützung
  • Weißes Haus fordert Abkehr von China-Graphit
  • Umweltverträglichkeitsprüfung als Geduldsprobe
  • Charttechnik deutet auf mögliche Bodenbildung

Ein Erlass aus dem Weißen Haus, zwei Milliarden Dollar an Finanzierungszusagen, ein Pentagon, das Lieferketten neu ordnet — und trotzdem verkaufen Anleger die Aktie im Dauertakt. Graphite One ist derzeit das vielleicht klarste Beispiel dafür, wie weit politische Notwendigkeit und Marktbewertung auseinanderdriften können. Mein Eindruck: Der Markt handelt hier kurzfristige Nervosität, nicht die eigentliche Story.

Am Freitag verlor die Aktie weitere 3,18 Prozent auf 0,518 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 58,73 Prozent zu Buche. Wer sich nur die Kurstafel ansieht, sieht ein Unternehmen im freien Fall. Wer sich die Nachrichtenlage ansieht, sieht das Gegenteil.

Ein Regierungsauftrag ohne Kursreaktion

Am 20. Juli 2026 unterzeichnete das Weiße Haus einen Erlass mit dem Titel „Securing America’s Defense Supply Chains and Ensuring Domestic Acquisition of Critical Materials“. Die Botschaft ist unmissverständlich: Bis Januar 2027 müssen Rüstungsunternehmen nachweisen, dass sie sich von kritischen Rohstoffen aus China und Russland lösen. Graphit steht ausdrücklich auf dieser Liste.

Graphite One baut genau das auf, was dieser Erlass verlangt. Das Unternehmen entwickelt die einzige vollständig integrierte US-Lieferkette für Graphit — Abbau in Graphite Creek in Alaska, Anodenfertigung in Ohio, später Recycling. Trotz dieses direkten Nachfragesignals aus Washington notiert die Aktie 67,52 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 1,59 Euro. Anleger gewichten offenbar kurzfristige Liquiditäts- und Umsetzungsrisiken höher als den garantierten Absatzmarkt, den das Pentagon gerade selbst erschafft.

Die UVP-Einigung: Standardweg, aber Geduldsprobe

Im Juli 2026 einigte sich Graphite One mit dem US Army Corps of Engineers darauf, das Projekt Graphite Creek durch eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung zu führen. Das Unternehmen selbst nennt das den üblichen, gründlichen Weg für große Bergbauprojekte in Alaska. Am Produktionsstart 2029 will man festhalten.

Der Markt liest „gründlich“ jedoch schnell als „teuer und langsam“. Die 30-Tage-Performance von minus 19,57 Prozent spiegelt genau diese Skepsis wider. Dabei hat Graphite One eine deutlich verbesserte Machbarkeitsstudie vorgelegt und Finanzierungszusagen über mehr als zwei Milliarden Dollar erhalten. Was fehlt, sind sichtbare Baufortschritte — keine weiteren Genehmigungsschritte, sondern der erste Spatenstich.

Charttechnik spricht für eine Bodenbildung

Technisch nähert sich die Aktie einem interessanten Punkt. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 36,5 und damit nahe der überverkauften Zone. Das legt nahe, dass der Verkaufsdruck allmählich nachlässt.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt minus 39,33 Prozent — eine Abweichung, die historisch oft auf eine deutliche Unterbewertung gegenüber dem langfristigen Trend hindeutet. Bei einer Marktkapitalisierung von knapp 103 Millionen Euro wirkt die Bewertung von der strategischen Bedeutung der Alaska-Lagerstätte fast schon abgekoppelt.

Meine Einschätzung: Die Wahrscheinlichkeit spricht für eine Stabilisierungsphase, sobald Rüstungszulieferer die Konsequenzen der Frist von Januar 2027 wirklich verinnerlichen. Bis Graphite One seine politische Rückendeckung in sichtbare Bauaktivität übersetzt, dürfte die Aktie aber unter Druck bleiben — der Markt hat für lang laufende Entwicklungsprojekte derzeit wenig Geduld. Wer auf den strategischen Umbau der US-Industriebasis setzt, findet im aktuellen Kurs einen ausgeprägten geopolitischen Abschlag.

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