Graphite One Aktie: Army Corps verzögert Seward-Projekt um ein Jahr

Das US Army Corps of Engineers ordnet eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung für die Graphitmine an, was den Zeitplan um mindestens ein Jahr verschiebt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt um 2,22 Prozent
  • Behörde verlangt volle Umweltprüfung
  • Indigene Gemeinden begrüßen Entscheidung
  • Unternehmen hält an Produktionsstart 2029 fest

Graphite One rutscht weiter ab. Am Dienstag verliert die Aktie 2,22 Prozent und notiert bei 0,57 Euro. Auslöser ist eine Entscheidung der US-Armeeingenieure, die das Alaska-Projekt des Unternehmens um mindestens ein Jahr verzögert – und für neuen Unmut bei indigenen Gemeinden sorgt.

Behörde verlangt strengere Prüfung

Graphite One stand vor wenigen Monaten kurz davor, die entscheidenden Bundesgenehmigungen für seine Graphitmine auf der Seward-Halbinsel zu erhalten. Jetzt verlangt das US Army Corps of Engineers als zuständige Genehmigungsbehörde eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung statt der bisher geplanten einfachen Umweltprüfung.

Das Projekt soll Millionen Tonnen Rohgraphit fördern, einen Schlüsselrohstoff für Batterien. Die höhere Prüfstufe zieht zusätzliche Verfahren nach sich: Die Behörde muss nun auch eine Section-106-Prüfung nach dem National Historic Preservation Act abschließen. Grund dafür sind zahlreiche indigene Artefakte, die Graphite One auf dem Gelände bereits freigelegt hat.

Hal Shepherd vom Norton Bay Watershed Council bezeichnet die Entscheidung als Erfolg für die umliegenden Stämme von Brevig Mission, Teller und Mary’s Igloo. Die Reaktion der Stammesvertreter fällt damit deutlich anders aus als die offizielle Einordnung des Unternehmens.

Ein Jahr voller Spannungen

Der verschärften Prüfung ging ein Jahr öffentlicher Konsultation voraus. Im April besuchten Behördenvertreter die Dörfer Brevig Mission und Teller und hörten Sorgen der Anwohner über Risiken für die Subsistenzwirtschaft im nahen Imuruk-Becken. Bei diesem Besuch servierten Bewohner den Beamten ein Essen aus lokalen Wildressourcen – eine Geste, um die Bedeutung der Region zu verdeutlichen.

Zuvor hatte Graphite One ein Gemeindetreffen verschieben müssen, das ursprünglich mitten in eine wichtige Jagdsaison fiel. Am 28. Juli kehrt das Unternehmen nun nach Brevig Mission zurück, um den Dialog fortzusetzen.

Shepherd ordnet den Vorgang zugleich ein: Es sei nicht ungewöhnlich, dass die Behörde mit einer einfachen Umweltprüfung startet und diese später zur vollen Umweltverträglichkeitsprüfung ausweitet.

Kurs unter Dauerdruck

Die Genehmigungsprobleme treffen eine Aktie, die bereits seit Monaten schwächelt. Binnen sieben Tagen verlor das Papier 8,17 Prozent, auf Monatssicht 13,83 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 51,23 Prozent zu Buche.

Der aktuelle Kurs liegt 15,31 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,68 Euro und sogar 32,70 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,85 Euro. Vom Jahreshoch bei 1,59 Euro aus Ende Januar trennen die Aktie mittlerweile 64,08 Prozent. Der RSI von 33,9 signalisiert anhaltenden Verkaufsdruck, eine annualisierte Volatilität von knapp 40 Prozent zeigt, wie stark das Papier auf Genehmigungsnachrichten reagiert.

Immerhin: Vom 52-Wochen-Tief bei 0,42 Euro aus dem vergangenen September hat sich die Aktie um gut 36 Prozent erholt. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei knapp 123 Millionen Euro.

Zeitplan bleibt vorerst bestehen

Graphite One selbst versucht, Anleger zu beruhigen. Das Unternehmen betont, die vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung sei gemeinsam mit der Behörde gewählt worden und passe weiterhin zum geplanten Produktionsstart 2029.

Ob diese Einschätzung trägt, hängt maßgeblich vom Treffen in Brevig Mission Ende Juli ab. Die Stammesvertreter machen deutlich, dass sie die strengere Prüfung als notwendig und gerechtfertigt ansehen – der Ausgang des erneuerten Dialogs dürfte darüber entscheiden, wie glaubwürdig der Zeitplan des Unternehmens bleibt.

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