Griechen-Referendum: DAX schüttelt sich langsam den Staub ab

Dass der montägliche Handelstag ganz im Zeichen von Kursverlusten stehen dürfte, wenn die Griechen beim sonntäglichen Referendum mit Nein zu weiteren Sparauflagen stimmen würden, war abzusehen. Nun, da dies auch so kam, gehen die Marktteilnehmer mit diesem doch eher erwartbaren Ergebnis sehr nüchtern um. Was für DAX & Co. eine interessante Perspektive bietet.

 

© Pixabay
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Keine Frage: Durch das Referendum der Griechen ist eine Lösung im Schuldenstreit keinen Zentimeter näher gekommen, im Gegenteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein wie auch immer gearteter Grexit kommt, liegt nach Ansicht von Analysten (z.B. von Nordea) mittlerweile bei über 60%. Und das, obwohl eine deutliche Mehrheit der Griechen ja bekanntlich weiter im Euro bleiben will.

Doch sind die 61%, die für Nein stimmten, eben den erneut unhaltbaren Versprechungen der Syriza und ihres Premiers Alexis Tsipras auf den Leim gegangen, dass eine weitere Euro-Mitgliedschaft faktisch zum Nulltarif zu haben ist (bzw. gar nicht zur Abstimmung stünde).

 

Brüssel: Kein Geld ohne Auflagen?

Das politische Brüssel und auch die meisten Euro-Regierungschefs hüllen sich derzeit noch in Schweigen. Man will offensichtlich die Situation nicht eskalieren lassen und möchte auch Möglichkeiten für Verhandlungen offen halten. Doch von denen, die sich zu Wort melden, lässt sich ein relativ klare Stimmungsbild ableiten: Ohne Auflagen wird Griechenland kein Geld mehr bekommen. Denn solch ein Schritt würde in etlichen der 18 anderen Euro-Länder zu erheblichen politischen Dissonanzen führen. Und das will keiner riskieren.

So hängt es wohl erneut an der EZB, wie lange Griechenland noch durchhält. Heute will der EZB-Rat darüber beraten, ob die Notkredite an die griechischen Banken von den derzeit eingefrorenen 90 Mrd. Euro weiter erhöht werden, damit diese ihre Geldautomaten weiter bestücken können oder sogar wieder öffnen. Doch den Währungshütern ist auch klar:

 

EZB muss sich entscheiden

Jeder Euro, den sie nach Athen pumpen, ist angesichts der aktuellen Kassenlage eindeutig verloren. Eine Begründung, sehenden Auges Geld zu verbrennen, muss also verdammt gut sein. Zumal absehbar ist, dass Griechenland die am 20. Juli fällige Rückzahlung von EZB-Krediten über rund 3,5 Mrd. Euro nicht leisten kann.

Immerhin: Auch wenn das Referendum fast mehr Fragen hinterlässt als es beantwortet hat, so macht sich der Markt doch einen eigenen Reim darauf. Dass er das Ergebnis mit einem heutigen Abschlag quittiert, war absehbar. Dass dies eher moderat ausfällt (derzeit im DAX nur rund 0,8% Minus), lässt auf den weiteren Fortgang hoffen. Denn anscheinend hat sich der Markt mit einem Grexit-Szenario bereits angefreundet und hält die Auswirkungen für beherrschbar.

 

Ist der Grexit beherrschbar?

Das bedeutet zwar noch nicht, dass schnell wieder Kursgewinne folgen. Doch eine Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau würde auch eine klare Botschaft senden: Der Markt hielte die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Grexit in der Euro-Zone für überschaubar. Und man würde sogar noch weitergehen.

Denn wenn die Griechen quasi fallengelassen würden, hätte das eine eindeutig disziplinierende Wirkung auch auf andere Wackelkandidaten und würde sehr wahrscheinlich auch die akuten Fliehkräfte in der Euro-Zone abschwächen können.

 

DAX erhält sich eine positive Rebound-Perspektive

Damit hätte der Gesamtmarkt eindeutig wieder eine positivere Perspektive. Zumal in den aktuellen Sentiment-Indikatoren verschiedener Forschungsinstitute klar wird, dass die Anleger weiterhin den Markt in einer attraktiven Bewertungslage sehen und nur darauf waten, dass die politischen Unsicherheiten weniger werden.

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Fazit: Für eine bestmögliche Ausgangslage sollte der DAX die Marke von mindestens 10.800 Punkten als Unterstützung verteidigen. Nach oben hin sehen wir bei rund 11,5340 Punkten derzeit den entscheidenden Widerstand, der für die Rückkehr in eine Rallye überwunden werden muss. Solange die politische Unsicherheit allerdings nach oben auf der Agenda bleibt, dürfte es wohl in der skizzierten Bandbreite zu einer Seitwärtsbewegung kommen.

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