Grifols: Plasmaentnahme in Kanada ausgesetzt

Nach Todesfällen in Winnipeg stoppt Grifols die Plasmaentnahme in Kanada vorerst. 94 Prozent des Umsatzes stammen aus internationalen Märkten.

Die Kernpunkte:
  • Kanadische Zentren vorerst geschlossen
  • Health Canada prüft mehrere Todesfälle
  • 94 Prozent Umsatz im Ausland
  • Aktie seit Jahresbeginn 9,4 Prozent tiefer

Der spanische Pharmakonzern Grifols sieht sich nach mehreren Vorfällen in seinen nordamerikanischen Spendenzentren mit verschärften regulatorischen Bedingungen konfrontiert.

Während das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 eine massive Abhängigkeit von internationalen Märkten aufwies, belasten Berichte über Todesfälle in Zusammenhang mit Plasmaspenden in Kanada die Stimmung. In Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen hat Grifols die Plasmaentnahme in seinen kanadischen Zentren vorerst ausgesetzt.

Schwere Vorwürfe nach Todesfällen in Winnipeg

In Winnipeg, Kanada, stehen die von Grifols betriebenen Spendenzentren unter intensiver Beobachtung durch die Gesundheitsbehörde Health Canada. Hintergrund ist der Tod der 22-jährigen Rodiyat Alabede, die nach einer Plasmaspende verstarb.

Bei der Obduktion wurde eine dilatative Kardiomegalie, eine krankhafte Erweiterung des Herzens, festgestellt. Medienberichten zufolge gab es in der jüngeren Vergangenheit mindestens zwei weitere Todesfälle in ähnlichem Kontext.

Obwohl Health Canada das nationale Blut- und Plasmasystem weiterhin als eines der sichersten weltweit einstuft, fordern Kritiker und Angehörige deutlich strengere Screening-Verfahren für Spender.

Die Belastung durch den Spendevorgang könnte bei Vorerkrankungen Risiken bergen, die durch die bisherigen Untersuchungen offenbar nicht ausreichend abgedeckt wurden. Um die Sicherheit des Verfahrens zu überprüfen und weiteren regulatorischen Maßnahmen zuvorzukommen, hat Grifols den Betrieb der kanadischen Sammelstellen pausiert.

Extreme Auslandsabhängigkeit prägt das Geschäftsprofil

Die operative Bedeutung Nordamerikas und anderer ausländischer Märkte für Grifols ist immens. Laut Berichten der Wirtschaftszeitung „Expansión“ erzielten die im Ibex 35 gelisteten Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 rund 65 Prozent ihres Umsatzes im Ausland.

Grifols sticht dabei mit einer Quote von 94 Prozent besonders hervor und gehört damit zur Spitzengruppe der international ausgerichteten spanischen Konzerne, direkt hinter dem Reisedienstleister Amadeus.

In den USA setzt das Unternehmen weiterhin auf ein Modell bezahlter Spenden. In Zentren wie Chicago erhalten Spender für eine Abgabe von Plasma Beträge zwischen 20 und 50 US-Dollar. Zur Steigerung der Effizienz und zur Einhaltung von Sicherheitsstandards nutzt der Konzern den „Plasma Donor Hub“, eine digitale Plattform für die Terminverwaltung und elektronische Patientenakten.

Während die FDA in den USA dieses kommerzielle Modell erlaubt, bleibt die bezahlte Spende in vielen europäischen Ländern untersagt, was die Bedeutung der nordamerikanischen Standorte für die Rohstoffgewinnung von Grifols unterstreicht.

Marktkapitalisierung und Kursentwicklung

An der Börse spiegeln sich die Unsicherheiten über die künftige Regulierung in Nordamerika wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 9,90 Euro, was einem Rückgang von 1,1 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf 9,4 Prozent.

Das Unternehmen kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 6,77 Milliarden Euro. Anleger blicken nun verstärkt auf die laufenden Untersuchungen in Kanada, da mögliche neue Auflagen die Kostenstruktur der Plasmagewinnung nachhaltig beeinflussen könnten.

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