HeidelbergCement: Startschuss zur Aufholjagd

Diese Nachricht hatte so wohl niemand erwartet. HeidelbergCement will sich für 3,7 Milliarden Euro den italienischen Konkurrenten Italcementi einverleiben. Einigkeit mit dem wichtigsten Aktionär von Italcementi, der Italmobiliare-Holding, wurde bereits erzielt.

 

© HeidelbergCement
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Wie HeidelbergCement mitteilte, wurde bereits ein Kaufvertrag über rund 45% der Aktien an Italcementi eingegangen. Der Preis liegt vorbehaltlich vertraglicher Kaufpreisreduzierungen bei 10,60 Euro je Aktie. In der Summe also bei 1,67 Mrd. Euro. Für knapp die Hälfte des Preises sollen die Italiener dafür Aktien erhalten und werden damit mit bis zu 5,3% zum zweitgrößten Aktionär bei HeidelbergCement.

Die Wettbewerbsbehörden vor allem in Europa und in den USA müssen diesem Deal noch zustimmen. Da solche Prozesse meist einige Zeit dauern, wird mit einer Entscheidung erst im kommenden Jahr gerechnet. Wird der Aktienkaufvertrag vollzogen, wird HeidelbergCement den übrigen Aktionären von Italcementi ein öffentliches Pflichtangebot nach italienischem Recht unterbreiten. Nach heutigem Stand entspräche das einem Preis von 10,60 Euro je Aktie.

 

Wie sieht die Finanzierung aus?

Der Kaufpreis soll über eine Brückenfinanzierung über 4,4 Mrd. Euro finanziert werden, welche von einem Bankenkonsortium zur Verfügung gestellt wird. Die Ablösung dieser Finanzierung plant HeidelbergCement durch die Ausgabe von Anleihen, der Verwendung des operativen Cashflows sowie durch Erlöse aus Bereinigung des Portfolios. Einschließlich Schulden dürfte HeidelbergCement diese Übernahme jedoch 6,7 Mrd. Euro kosten.

Mit der Fusion von Holcim und Lafarge ist die Branche der Zementhersteller weiter unter Druck geraten. Daher will man sich mit Italcementi, der Nummer 5 in der weltweiten Zementbranche, verstärken.

 

Italcementi nach hartem Sparkurs

Die Italiener erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,1 Mrd. Euro. Das EBITDA lag bei 649 Mio. Euro. Jahrelang schrieb man hier Verluste, was eine harte Sanierung zur Folge hatte, die sich nun jedoch auszahlt.

Kommt die Fusion zustande, wäre bis 2019 mit einem Umsatz von 20 Mrd. Euro für den Konzern zu rechnen. Der operative Gewinn würde von bisher geplanten 4 auf 5 Mrd. Euro steigen.

 

Werksverkauf in der Pipeline

HeidelbergCement hatte sich über Jahre hinweg weniger um Neuzugänge, sondern vielmehr um den Verkauf von Firmenanteilen gekümmert. Ein riesiger Schuldenberg, verursacht durch die Übernahme von Hanson, lastete auf dem Konzern und betrug zwischenzeitlich 14 Mrd. Euro. Mittlerweile steht Sparen jedoch nicht mehr an erster Stelle.

Einnahmen erwartet der Konzern durch den Verkauf von drei Werken in Belgien und den USA sowie durch die Abgabe von Randgeschäften in Italien an Italmobiliare soll eine Summe von ca. 1 Mrd. Euro wieder in die Kasse kommen. Zugleich werden bis 2018 Synergieeffekte von ca. 175 Mio. Euro erwartet.

 

Wie lief das Quartal bei HeidelbergCement?

Da gerieten die berichteten Zahlen für das 2. Quartal in den Hintergrund.  Diese lagen zumindest in operativer Hinsicht unter den Erwartungen der Analysten. Der Umsatz konnte um gut ein Zehntel auf 3,6 Mrd. Euro gesteigert werden. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen stieg um 155% auf 752 Mio. Euro und der Nettogewinn erreichte mit einem Plus von 11% 322 Mio. Euro.

Zum Vergleich: Das Konkurrenzunternehmen Cemex verzeichnete im 2. Quartal dieses Geschäftsjahres gerade einmal den zweiten Gewinn seit Mai 2009. Cemex profitierte dabei von der Erholung im Immobilienmarkt in den USA, wo ein Viertel der Umsätze erzielt werden. Von April bis Juni konnte der Zementhersteller ein Nettoergebnis von 114 Mio. Dollar erzielen. Der EBITDA betrug mit einem Plus von 1% 744 Mio. Dollar, was unter den Erwartungen der Analysten lag.

 

Analysten kalt erwischt, Aktie im Sinkflug

Die Einschätzungen der Analysten im Vorfeld der Zahlen reichten von Neutral über Halten bis hin zu einer Kaufempfehlung. Ebenso unterschiedlich waren die angesetzten Kursziele. Diese reichten von 76,00 Euro bei der Société Générale bis hin zu 98,00 Euro von den Experten von Warburg Research.

Lediglich Goldman Sachs schraubte die Schätzungen für den Gewinn vor Zinsen und Steuern für dieses und kommendes Jahr etwas herunter. Ansonsten lief der Konsens dahin, dass man mit einem recht soliden Quartal rechne, wenn auch im Asien-Pazifik-Raum die Erlöse etwas gesunken sein könnten.

150729 HeidelbergCement

Im Hinblick auf die Quartalszahlen wurde die Analystenseite sicher nicht enttäuscht. Allerdings hatte im Vorfeld wohl auch hier keiner mit der Übernahme der Italiener gerechnet. Der Markt reagierte mit großer Skepsis.

So verlor die Aktie heute bereits mehr als 5,6% und nähert sich damit der wichtigen Unterstützung bei 66,00 Euro. Würde diese nicht halte und nach unten durchbrochen werden, könnte es richtig bitter werden. Alles was unter 64,00 Euro liegen würde hieße, dass die Performance des letzten halben Jahres zunichte gemacht wäre.

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