Heidelberger Druck: Chef geht, Phantasie bleibt

Letzte Woche ließ Heidelberger Druck die sprichwörtliche Bombe platzen. Denn Vorstandschef Gerold Linzbach wird seinen bis August 2017 laufenden vertrag nicht verlängern, sondern dann aus dem Unternehmen ausscheiden. Was bedeutet das für den bislang erfolgreichen Sanierungsfall?

© Heidelberger Druck
© Heidelberger Druck

(www.alphabriefe.de) Heidelberger Druck ist – bezogen auf die jahrelange Restrukturierungsstory – eine Erfolgsgeschichte. Unter der Ägide von Gerold Linzbach hatte sich das Unternehmen nicht nur gesundgeschrumpft, sondern wartet nun auch mit einer grundsätzlichen Neuausrichtung auf Digitaldruck auf. Das schlug sich auch endlich stärker in den Zahlen nieder.

Heidelberger Druck: Erste Etappe erfolgreich abgeschlossen

War das Geschäftsjahr 2014/2015 noch von einem unerwarteten Rückfall in die Verlustzone gekennzeichnet, konnte Heidelberger Druck im vergangen Jahr wieder einen Überschuss auswiesen, der mit 28 Mio. Euro sogar recht deutlich ausfiel. Damit hat Linzbach, der 2012 angetreten war, faktisch seinen Auftrag erfüllt.

Wobei nun zwei Aspekte wichtig sein dürften: Zum einen war Linzbach mehrere Monate krank und sitzt immer noch im Rollstuhl. Zwar betont das Unternehmen, dass er dennoch voll einsatzfähig ist. Doch ist vorstellbar, dass er seine persönliche „Work-Life-Balance“ eindeutig zugunsten der eigenen Gesundheit neu ausrichten will.

Neue Visionen gefragt?

Andererseits dürfte in den kommenden Jahren kaum ein weiterer Sanierer gefragt sein. In gewisser Art und Weise könnte man hier das Beispiel von Karl-Josef Neukirchen anführen, der die frühere Metallgesellschaft und spätere GEA Group durch eine harte, aber erfolgreiche Sanierung führte, später aber Platz machen musste, weil er u. a. angeblich nicht genügend Visionen für die Weiterentwicklung des Unternehmens hatte. Das würden wir für Linzbach nicht statuieren, doch wäre ein personeller Neuanfang nun, da Heidelberger Druck stabilisiert erscheint, durchaus interessant.

Die Börse hat auf die Aussicht eines neuen Managements vorerst recht positiv reagiert. Das gilt sowohl die die Aktien als auch für die relevante ausstehende 2022er Anleihe, die 2018 erstmals gekündigt werden kann. Sie notiert aktuell nahe ihrem Rekordniveau bei rund 107%.

Anleihe bleibt interessant

Wir hatten zuletzt im Alpha Strategie 21/2016 Stellung zu den Heidelberger-Druck-Anleihen genommen und dabei einerseits zum Verkauf der inzwischen gekündigten 2018er geraten, andererseits die 2022er Anleihe weiter als Halten-Position empfohlen.

Heideldruck-25-07-16

Die zwischenzeitlichen Kursgewinne geben uns Recht. Wir würden hier aber trotz der zuletzt erfreulichen Performance keine Kauf-Empfehlung abgeben, da die Unsicherheit über eine mögliche Kündigung 2018 zu dann 104% bei einem neuen Management zunehmen dürfte.

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