Heidelberger Druck: Joint Venture für Natrium-Batterien geplant

Heidelberger Druckmaschinen verzeichnet im ersten Quartal weniger Umsatz und Verlust, treibt aber neue Geschäftsfelder sowie Zukäufe voran.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz sinkt auf 404 Millionen Euro
  • Quartalsverlust beträgt 32 Millionen Euro
  • Batterie-Joint-Venture mit Phenogy geplant
  • CEO kauft 56.441 Aktien

Die Heidelberger Druckmaschinen AG befindet sich in einer Phase der tiefgreifenden Transformation. Während das traditionelle Geschäft mit Druckmaschinen durch konjunkturelle Schwankungen und das Auslaufen staatlicher Förderungen gefordert bleibt, setzt die Unternehmensführung verstärkt auf Diversifizierung.

Neue Aktivitäten in den Bereichen Energiespeicher und Verteidigung sollen künftig für stabilere Ertragsströme sorgen und die Abhängigkeit vom klassischen Drucksektor verringern.

Expansion in neue Geschäftsfelder und Integration von Zukäufen

Ein zentraler Baustein der Neuausrichtung ist Medienberichten zufolge ein geplantes Joint Venture mit dem Partner Phenogy. Ziel dieser Kooperation ist die industrielle Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen.

Diese Technologie gilt als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Speichern, da sie ohne knappe Rohstoffe auskommt. Parallel zur Erschließung dieser technologischen Märkte konsolidiert das Unternehmen seine Position in der Druckindustrie durch gezielte Zukäufe.

Bereits am 1. Juli vollzog der Konzern die Integration des Lifecycle-Geschäfts sowie der globalen Vertriebs- und Servicegesellschaften der manroland sheetfed Gruppe. Damit übernimmt Heidelberger Druckmaschinen das Service- und Ersatzteilgeschäft sowie die Vertriebseinheiten mit etwa 600 Mitarbeitern.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Ergänzend dazu wurde die Produktion der POLAR Maschinen und Systeme in die eigene Organisation eingebunden, wobei die Entwicklung nun vollständig in die Heidelberger Strukturen integriert ist.

Belastungen im Kerngeschäft drücken auf das Quartalsergebnis

Die jüngsten Geschäftszahlen verdeutlichen jedoch die aktuelle Belastung des Kerngeschäfts. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27, das den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni umfasst, sank der Umsatz um 13 Prozent auf 404 Millionen Euro.

Auch der Auftragseingang lag mit 537 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert von 559 Millionen Euro. Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 32 Millionen Euro.

Als wesentlicher Grund für diesen Rückgang gilt das Auslaufen eines staatlich geförderten Investitionsprogramms in Italien, was das Ergebnis mit über 60 Millionen Euro belastete. Trotz dieser deutlichen Delle im ersten Quartal hält das Management an seiner Prognose für das Gesamtjahr fest.

Analysten bewerten die Perspektiven trotz der kurzfristigen Schwankungen weiterhin konstruktiv. Die Experten von Warburg Research bekräftigten am 19. August ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 1,80 Euro. mwb research senkte hingegen das Kursziel leicht von 2,50 Euro auf 2,35 Euro, blieb jedoch bei der Einstufung „Kaufen“.

Insider-Käufe und personelle Weichenstellungen

Am Kapitalmarkt spiegelt sich die aktuelle Transformationsphase in einer volatilen Kursentwicklung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 1,39 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 31 Prozent. Damit notiert der Kurs aktuell 11 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,56 Euro.

Vertrauen in die langfristige Entwicklung signalisierte zuletzt CEO Jürgen Otto, der am 20. August insgesamt 56.441 Aktien zu einem Preis von je 1,43 Euro erwarb.

Personell steht zudem ein geplanter Wechsel im Finanzressort an: Zum 1. Oktober wird Christoph Burkhard als ordentliches Vorstandsmitglied die Nachfolge von Volker Herdin antreten, der in den Ruhestand geht.

Zeitgleich blickt die Branche auf die anstehenden Tarifverhandlungen für rund 95.000 Beschäftigte der Druckindustrie, die ebenfalls am 1. Oktober in die vierte Runde gehen und für die weitere Kostenentwicklung des Konzerns von Bedeutung sein dürften.

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