Heidelberger Druck: ONBERG-Sparte soll Rettung bringen

Der Druckmaschinenhersteller setzt auf sein Joint Venture ONBERG für Drohnenabwehr, während das Kerngeschäft schwächelt und die Aktie deutlich nachgibt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn rund 31 Prozent
  • Joint Venture ONBERG für Drohnenabwehr gestartet
  • Kerngeschäft mit sinkender EBITDA-Marge
  • Warburg senkt Kursziel auf aktuelles Niveau

Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 31 Prozent verloren. Jetzt setzt das Management auf eine ungewöhnliche Wette: Eine Drohnenabwehr-Sparte soll dem angeschlagenen Druckmaschinenhersteller neues Wachstum bringen. Im Juni 2026 folgen die ersten belastbaren Zahlen dazu.

ONBERG: Drohnenabwehr aus Brandenburg

HD Advanced Technologies, eine Tochter von Heidelberger Druckmaschinen, hat gemeinsam mit dem amerikanisch-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems das Joint Venture ONBERG Autonomous Systems gestartet. Der Standort: Brandenburg an der Havel. Das Ziel: ein integrierter Anbieter für Drohnenabwehr — von der Entwicklung bis zur Serienfertigung.

Die Vermarktung läuft bereits in Deutschland und der Ukraine. Allerdings trägt die Sparte bislang weniger als 2 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Der Auftragseingang legte zuletzt um 6 Prozent zu — ein Anfang, aber kein Durchbruch.

Kerngeschäft verliert Schwung

Das klassische Druckgeschäft hält den Laden zusammen. Der Gesamtumsatz stabilisierte sich bei rund 2,29 Milliarden Euro. Die EBITDA-Marge sank jedoch auf 6,6 Prozent. Im Schlussquartal fiel ein Verlust von 2 Millionen Euro an.

Besonders auffällig: Der operative Cashflow brach von 113 auf 36 Millionen Euro ein. Geringere Kundenanzahlungen und ein schwächerer EBITDA-Beitrag drückten die Zahl. Währungseffekte reduzierten das EBITDA zusätzlich um rund 20 Millionen Euro.

Das Investitionsklima hilft nicht. Laut DIHK sind Erweiterungsinvestitionen auf das Niveau der Krisenjahre 2008/09 gefallen. Energiepreise und Handelspolitik belasten die Nachfrage weiter.

Warburg kürzt Kursziel auf aktuelles Niveau

Warburg Research senkte das Kursziel von 1,70 auf 1,40 Euro — exakt dort, wo die Aktie heute handelt. Das Rating bleibt bei „Hold“. Analyst Stefan Augustin nannte den negativen Produktmix und Währungsbelastungen im vierten Quartal als Hauptgründe.

Das Sparprogramm „Zukunftsplan“ dürfte laut Augustin eher dazu dienen, den Gegenwind bei Umsatz und Kosten abzufedern — nicht die Margen zu steigern. Ein struktureller Aufwärtstrend sieht anders aus.

Strukturell hat das Unternehmen indes gehandelt. Die syndizierte Kreditlinie wurde vorzeitig bis 2030 verlängert, das Volumen auf 436 Millionen Euro erhöht. CEO Jürgen Otto bleibt bis Juli 2029 im Amt, CSO David Schmedding bis Juni 2031.

Pressekonferenz im Juni als Richtungsmarke

Die Aktie notiert mit 1,40 Euro unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 1,46 Euro und rund 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Das Kursbild bleibt unter Druck.

Mitte Juni will das Management seinen strategischen Ausblick und die Finanzprognose vorstellen — inklusive erstmals detaillierter Zahlen zur Verteidigungssparte. Konkrete Auftragsangaben und ein klares Wachstumsziel für ONBERG wären das Minimum, um die Investitionsthese zu untermauern. Bleibt die Pressekonferenz vage, dürfte der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 1,29 Euro schnell wieder kleiner werden.

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