Heidelberger Druck springt auf E-Mobility-Zug auf

Wir gestehen: Als wir die jüngste Pressemitteilung von Heidelberger Druck auf den Tisch bekamen, wussten wir zuerst einmal nichts damit anzufangen. Denn das Unternehmen meldete, dass man nun den Verkauf seiner neuen Ladebox für Elektroautos in Deutschland begonnen hat. Das System, das unter dem Namen „Heidelberg Wallbox Home Eco“ vertrieben wird, ist nicht nur vollkommen abseits des bisherigen Geschäftes, sondern auch das erste Produkt, das sich direkt an Endverbraucher richtet.

Auf den zweiten Blick wurde klar: Natürlich passt dieses Produkt bestens in die neue Digitalstrategie des Druckmaschinen-Spezialisten. Denn mit klassischen Druckmaschinen lassen sich längst kaum mehr vernünftige Margen verdienen. Das hatte Heidelberger Druck in den vergangenen Jahren schmerzhaft am eigenen Leib erfahren müssen. So steht nun das Unternehmen vor der Aufgabe, sich zum einen in der neuen digitalen Welt neu zu positionieren.

Eine Ladebox ist nicht mal so abwegig

Zum anderen ergibt es aber auch für einen Risikomix durchaus Sinn, dass man sich auch in anderen Geschäftsbereichen versucht. Dass es dabei ausgerechnet eine Ladebox für Elektrofahrzeuge ist, mag auf den ersten Blick überraschen. Doch im Kern ist Heidelberger Druck nun mal ein Maschinenbauer und hat die entsprechenden Ressourcen, solche Produkte an den Markt zu bringen. Da wäre es schlicht töricht, es nicht wenigstens zu versuchen, mit einem absoluten Trendthema zu punkten.

Die Wallbox Home Eco ist dabei zu 100 % ein Produkt von Heidelberger Druckmaschinen. Will heißen, dass sämtliche Komponenten selbst entwickelt und in Deutschland produziert wurden. Das ist durchaus ein wichtiges Marketing-Argument. Wobei Heidelberger Druck hierbei bereits auf Vorläufer aufbauen konnte, die für einen Premiumhersteller bzw. für Kundenaufträge in signifikanter Stückzahl produziert und am Markt eingesetzt wurden.

Attraktiver Marktanteil möglich

Die Wallbox selbst ist eine stationäre Ladeeinrichtung, die Kunden an einer Wand im Carport oder wo auch immer befestigen können. Ob Innen- oder Außenbereich, ist dabei irrelevant. Das ganze kostet knapp 500 Euro und wird als erstes über der Plattform des E-Commerce-Giganten Amazon vermarktet.

In der Gesamtheit könnte aus diesem Produkt sicherlich ein sehr attraktiver Ertrag entstehen. Zumal Ladestationen weiterhin als der klassische Flaschenhals bei der Marktdurchdringung durch Elektrofahrzeuge gelten. Ein Endverbraucher-taugliches System wie das von Heidelberger Druck könnte es hier schnell zu einem attraktiven Marktanteil bringen.

Heidelberger Druck enttäuscht mit neuer Prognose

Allerdings: Die sehr spannende Perspektive des neuen Produktes wird derzeit von den aktuellen Wachstumseinschätzungen von Heidelberger Druck konterkariert. Denn das Unternehmen enttäuschte den Markt ziemlich heftig mit seinen aktualisierten Prognosen für das laufende Geschäftsjahr 2018/19.

Wie der Maschinenbauer mitteilte, rechnet man sowohl für Umsatz als auch Gewinn im laufenden Geschäftsjahr nur mit moderaten Zuwächsen. Dies infolge der zunehmenden Umstellung auf das Digitalgeschäft. Was „moderat“ konkret heißt, ließ der Konzern offen. Bislang haben die Analysten beim Gewinn mit einem kräftigen Anstieg auf mehr als 50 Millionen Euro nach 14 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum gerechnet. Der Umsatz sollte nach aktuellen Prognosen um rund 5 % auf 2,54 Milliarden Euro zulegen können.

Aktie mit deutlich verschlechtertem Chartbild

Die, bezogen auf die Analystenprognosen, verkappte Gewinn- und Umsatzwarnung hat dafür gesorgt, dass die Aktie von Heidelberger Druck am heutigen Tag kräftig unter Druck geraten ist. Was auch aus charttechnischer Sicht mehr als unwillkommen ist. Denn die Aktie hatte sich in den vergangenen Wochen sehr gut über ihrer 100-Tage-Linie halten können. Dies auch gleichzeitig mit der Option, endlich auch wieder die 50-Tage-Linie nach oben hin zu durchbrechen.

Diese Hoffnung scheint aktuell erst einmal vom Tisch zu sein. So ist es kurzfristig eher entscheidend, dass sich der Wert im Bereich von 2,80 Euro halten kann, wo noch eine Unterstützungszone aus dem Winter des letzten Jahres verläuft.

Fazit

Trotz dieses unerwarteten Rücksetzer bleiben wir allerdings bei unserer grundlegenden Einschätzung: Heidelberger Druck hat mit einer zunehmenden Fokussierung auf die Digitalisierung die richtigen Prioritäten gesetzt. Das sollte sich mittel- bis langfristig auch im Aktienkurs widerspiegeln. Dieser könnte dann das Momentum noch einmal steigern, wenn auch die Verkaufszahlen des neu vorgestellten E-Mobility-Produkts entsprechend gut ausfallen.

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