Heidelberger Druckmaschinen Aktie: Dividende fällt am 23. Juli

Heidelberger Druckmaschinen streicht die Dividende und baut massiv um. Stellenabbau, Produktionsverlagerung und eine neue Drohnenabwehr-Sparte prägen die Strategie.

Die Kernpunkte:
  • Dividendenstreichung auf Hauptversammlung geplant
  • Mehr als 550 Aufhebungsverträge abgeschlossen
  • Produktion des Speedmaster wandert nach China
  • Neue Drohnenabwehr-Sparte ONBERG gestartet

Fast 30 Prozent im Minus seit Jahresbeginn — und die nächste Hiobsbotschaft steht bereits im Kalender. Am 23. Juli 2026 stimmen Aktionäre auf der virtuellen Hauptversammlung über die Streichung der Dividende ab. Der Konzernumbau läuft, doch er kostet.

Nullrunde und rote Zahlen

Der Vorstand schlägt die Dividendenstreichung vor. Das abgelaufene Geschäftsjahr lieferte zwar noch einen Nettogewinn von 15 Millionen Euro — der freie Cashflow rutschte allerdings mit minus 19 Millionen Euro ins Minus.

Für 2026/27 erwartet das Management einen Nettoverlust im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bei stagnierenden Umsätzen. Die Liquidität sichert ein Konsortialkredit über 436 Millionen Euro, den Heidelberg vorzeitig bis 2030 verlängerte.

Stellenabbau, Verlagerung, Übernahme

Der Umbau ist konkret. Mehr als 550 Aufhebungsverträge hat das Unternehmen bereits abgeschlossen. Das Flaggschiff-Modell Speedmaster CX 104 wandert komplett nach China. In Nordmazedonien baut Heidelberg die Montage aus — zunächst Weiterverarbeitungssysteme und ausgewählte Baugruppen. Ziel: niedrigere Herstellungskosten, höhere Profitabilität.

Hinzu kommt die Übernahme des Servicegeschäfts des insolventen Konkurrenten manroland sheetfed. Heidelberg übernimmt weltweites Service- und Ersatzteilgeschäft, rund 35 Vertriebsgesellschaften mit etwa 600 Mitarbeitern sowie die Rechte an der Großformat-Druckmaschine Roland 900.

Der Umsatz ist trotzdem rückläufig: von 2,435 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 2,293 Milliarden Euro im Jahr 2026. Die bereinigte operative Marge sank auf 6,6 Prozent.

Drohnenabwehr als Wette auf die Zukunft

Parallel zum Stellenabbau entsteht eine neue Sparte. Das Joint Venture ONBERG nahm am 14. April 2026 in Brandenburg an der Havel den Betrieb auf. Gemeinsam mit dem US-israelischen Unternehmen Ondas will Heidelberg autonome Drohnenabwehrsysteme entwickeln und fertigen — für Flughäfen, Bundeswehr-Standorte und Energieversorger.

Das langfristige Umsatzziel liegt bei 300 Millionen Euro. Aktuell trägt die Sparte weniger als zwei Prozent zum Gesamtumsatz bei. CEO Jürgen Otto räumte ein, der erste Produktionsstart könne „in sechs Monaten oder eineinhalb Jahren“ erfolgen. Der Zeithorizont ist also offen.

Zwei Termine, viel Druck

Die Aktie schloss am Freitag bei 1,42 Euro — rund 44 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,54 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,72 Euro, der aktuelle Kurs notiert deutlich darunter.

Nach der Hauptversammlung am 23. Juli folgen die Zahlen zum ersten Quartal 2026/27. Sie werden zeigen, ob die neuen Standorte in China und Nordmazedonien erste Margenverbesserungen liefern. Enttäuschen die Zahlen erneut, verliert die Guidance für das laufende Jahr schnell ihre Glaubwürdigkeit.

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