Heidelberger Druckmaschinen Aktie: POLAR vollständig übernommen

Heidelberger Druckmaschinen integriert POLAR, bestätigt trotz schwachem ersten Quartal die Jahresziele und bereitet einen Wechsel im Finanzvorstand vor.

Die Kernpunkte:
  • POLAR vollständig in Heidelberg integriert
  • Erstes Quartal operativ unter Vorjahresniveau
  • Jahresprognose trotz Rückgang bestätigt
  • Christoph Burkhard wird neuer Finanzvorstand

Heidelberger Druckmaschinen treibt den Umbau zum breiter aufgestellten Technologiekonzern voran. Mit dem Start des neuen Geschäftsjahres 2026/2027 hat der Konzern die vollständige Übernahme des Weiterverarbeitungs-Spezialisten POLAR bekanntgegeben – ein Schritt, der über die bereits vor gut einem Monat vollzogene Integration des manroland-Lifecycle-Geschäfts hinausgeht und das klassische Druckmaschinengeschäft strukturell erweitert.

POLAR-Übernahme ergänzt Servicegeschäft

Mit der Vereinbarung übernimmt Heidelberg künftig Produktion und Entwicklung von POLAR und baut damit sein Weiterverarbeitungsangebot aus. Der Schritt reiht sich ein in eine Serie von Zukäufen und Kooperationen, mit denen das Unternehmen sein traditionelles Kerngeschäft absichert und gleichzeitig neue Standbeine aufbaut.

Bereits Anfang Juli hatte Heidelberg das Service- und Ersatzteilgeschäft mit rund 35 Länderorganisationen von manroland sheetfed übernommen und damit Zugang zu weltweit über 3.000 Anwendern erhalten – jene Integration läuft nach Unternehmensangaben planmäßig und hat der Aktie in den vergangenen Wochen einen Kursanstieg von 5,2 Prozent beschert.

Parallel positioniert sich der Konzern in Wachstumsfeldern jenseits des Drucks. Die Tochter HD Advanced Technologies kooperiert seit Ende Juli mit dem Schweizer Unternehmen Phenogy im Bereich Natrium-Ionen-Batteriespeicher und fertigt komplette Energiespeichersysteme; ein gemeinsames Joint Venture zur industriellen Zellfertigung ist in Vorbereitung. Im Verteidigungssektor hat die Tochter Onberg eine Absichtserklärung mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton unterzeichnet.

Schwacher Jahresstart, aber bestätigte Prognose

Die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/2027 fielen operativ schwach aus: Der Umsatz ging zurück, auch der Auftragseingang blieb unter dem Vorjahresniveau. Dennoch bestätigte das Unternehmen seine Jahresprognose – stabile Umsätze und eine höhere bereinigte EBITDA-Marge sollen im laufenden Geschäftsjahr erreicht werden.

Warburg Research und mwb research bewerteten den Jahresstart trotz der schwachen operativen Basis positiv und begründeten dies mit dem Auftragseingang im Kontext der Transformationsstrategie. Beide Häuser sprachen sich für einen Kauf der Aktie aus, wobei Warburg ein Kursziel von 1,80 Euro nannte und mwb seine Zielmarke von 2,50 auf 2,35 Euro senkte.

Wechsel an der Finanzspitze

Zusätzlich zur operativen Neuausrichtung kündigte Heidelberg gestern einen Wechsel im Vorstand an: Christoph Burkhard, derzeit Finanzvorstand beim Baumaschinenhersteller Wacker Neuson und zuvor CFO beim Windturbinenbauer Nordex, übernimmt zum 1. Oktober 2026 den Posten des Finanzvorstands.

Sein Amt bei Wacker Neuson legt der 62-Jährige zum 31. August 2026 nieder. Der bisherige Finanzvorstand Volker Herdin tritt zum 30. September 2026 in den Ruhestand ein. Seit Bekanntwerden der Personalie hat die Aktie um 1,1 Prozent nachgegeben.

Der Kurs notiert aktuell bei 1,47 Euro und damit rund 39 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 2,40 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde. Zum jüngsten Jahrestief von 1,29 Euro besteht dagegen ein Abstand von 14 Prozent nach oben.

Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Wert im Umbau: Die strategische Neuausrichtung über Batteriespeicher, Verteidigung und ausgebautes Servicegeschäft nimmt Fahrt auf, während die operativen Kernzahlen im Druckgeschäft noch unter Druck stehen.

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