Hellofresh Aktie: Zweifel am Kerngeschäft

HelloFresh erwartet 2026 stärkere Rückgänge bei Umsatz und bereinigtem EBITDA; im dritten Quartal verfehlte das Neukundengeschäft die Ziele.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt auf 2,156 Euro
  • Umsatzprognose für 2026 deutlich gesenkt
  • Bereinigtes EBITDA niedriger angesetzt
  • Neukundenziele im dritten Quartal verfehlt

Ein weiterer Rekordwert der unrühmlichen Art: Hellofresh fiel am Freitag auf 2,156 Euro, so tief wie nie zuvor. Damit war das Papier klares Schlusslicht im ansonsten moderat steigenden Nebenwerteindex SDAX. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 65 Prozent zu Buche.

Auslöser ist die zweite Prognosesenkung binnen kurzer Zeit. Für 2026 rechnet Hellofresh nun mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 9 bis 11 Prozent, bislang waren es 3 bis 6 Prozent.

Auch beim bereinigten Ebitda muss der Kochboxenversender zurückrudern: Statt 375 bis 425 Millionen Euro werden nur noch 350 bis 370 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Im dritten Quartal lief es besonders schwach. Der Umsatz dürfte um 11 bis 12 Prozent gefallen sein – deutlich mehr, als Analysten mit rund 6,9 Prozent erwartet hatten. Das Unternehmen selbst räumte ein, in der Back-to-School-Periode nicht genug Neukunden gewonnen zu haben, um die eigenen Ziele zu erreichen.

Die Investitionen zeigen nicht die erhoffte Wirkung

Für UBS-Analyst Jo Barnet-Lamb bestätigt das eine Sorge, die schon länger im Raum stand: Das grundsätzliche Umsatzpotenzial des Konzerns steht infrage. Die Zeit nach den Sommerferien galt als wichtiger Test dafür, ob die Investitionen ins Produktangebot greifen – zumindest eine Stabilisierung des Absatzes hatte er sich erhofft. UBS beließ die Einstufung auf „Neutral“, senkte das Kursziel aber auf 3,60 Euro.

Auch bei der DZ Bank wächst die Skepsis. Analyst Thomas Maul hält es für schwer vorhersehbar, wie schnell Hellofresh das Kochboxengeschäft stabilisieren kann, und zweifelt zugleich am nachhaltig profitablen Wachstum im Bereich Fertiggerichte.

JPMorgan-Analyst Marcus Diebel kritisiert zudem, dass der Konzern seine Ziele kürzt, nachdem er zuvor noch Zuversicht ausgestrahlt hatte – das untergrabe das Anlegervertrauen weiter. Mit einer baldigen Neubewertung der Aktie rechnet er nicht.

Nicht alle Stimmen sind gleich pessimistisch: Jefferies hält trotz der enttäuschenden Vorabmeldung an „Buy“ fest, mit einem Kursziel von 8,35 Euro. Analyst Giles Thorne sprach dennoch von einer weiteren Enttäuschung, die die ohnehin extrem schwache Marktstimmung zusätzlich belasten dürfte.

Die ausführlichen Zahlen zum dritten Quartal will Hellofresh am 5. November vorlegen. Bis dahin dürfte die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich das Neukundengeschäft überhaupt noch stabilisieren lässt – oder ob der Rückgang strukturell ist.

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