Hensoldt: 200-Millionen-Auftrag verloren, Aktie steigt
Trotz Verlust eines 200-Millionen-Radarauftrags steigt die Hensoldt-Aktie. Der Konzern bestätigt seine Jahresziele und profitiert von einem starken Auftragsbestand.

- Radarauftrag über 200 Millionen Euro gestoppt
- Aktie erholt sich trotz negativer Nachricht
- Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
- Jahresziele für 2026 bestätigt
Hensoldt verliert einen Radar-Auftrag im dreistelligen Millionenbereich – und die Aktie klettert trotzdem kräftig. Das Papier schloss am Freitag bei 75,22 Euro, nach einem Wochenplus von 15,79 Prozent trotz eines Tagesminus von 1,10 Prozent. Der Grund: Das Management bestätigte seine Jahresziele, während der Sektor gleichzeitig schlechte Nachrichten verdaute.
F126 vor dem Aus
Verteidigungsminister Boris Pistorius will laut Medienberichten das Fregattenprojekt F126 stoppen. Seit Juni 2020 flossen in das Vorhaben bereits über zwei Milliarden Euro. Der „Spiegel“ berichtet, acht Meko-200-Fregatten von Thyssenkrupp Marine Systems sollen das Projekt ersetzen.
Für Hensoldt bedeutet der Stopp den Wegfall von Radar-Aufträgen im Wert von rund 200 Millionen Euro. Trotzdem legte die Aktie seit ihrem 52-Wochen-Tief bei 63,12 Euro am 26. Juni 2026 deutlich zu. Marktbeobachter führen die Erholung auf bereits eingepreiste negative Nachrichten zurück – und auf die robuste fundamentale Aufstellung des Konzerns.
Rekord-Auftragsbestand stützt die Prognose
Trotz des Rückschlags bleibt die Auftragslage historisch stark. Zum Ende des ersten Quartals erreichte der Auftragsbestand einen Rekordwert von 9.801 Millionen Euro. Der Auftragseingang verdoppelte sich im Jahresvergleich auf 1.483 Millionen Euro.
Das Management bekräftigt seine Ziele für 2026:
- Umsatz: rund 2,75 Milliarden Euro
- EBITDA-Marge: 18,5 bis 19,0 Prozent
- Cashflow: angehoben auf rund 50 Prozent des bereinigten operativen Ergebnisses
Der breitere Investitionszyklus in der europäischen Verteidigungsindustrie stützt Hensoldt zusätzlich. Zwar stoppte im Juni 2026 auch das FCAS-Kampfflugzeugprojekt. Der Bedarf an Militärelektronik, Drohnentechnologie und Luftverteidigung bleibt laut Branchenverbänden wie ASD Europe aber hoch.
NATO-Gipfel und charttechnische Marken
In der kommenden Woche rückt der NATO-Gipfel in Ankara in den Fokus. Er beginnt am Dienstag, den 7. Juli 2026. Marktteilnehmer erwarten Signale für steigende europäische Verteidigungsausgaben – das könnte Rüstungswerten neue Impulse geben.
Charttechnisch hat sich die Lage stabilisiert. Der RSI liegt bei 52,8 und damit in neutraler Zone. Zum 50-Tage-Durchschnitt bei 76,57 Euro fehlen nur 1,76 Prozent – ein Test dieser Marke erscheint in der neuen Woche möglich.
Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Kurs weit von seinem Rekord entfernt. Zum 52-Wochen-Hoch bei 115,10 Euro vom 3. Oktober 2025 fehlen noch 34,65 Prozent. Auf Jahressicht steht die Aktie mit einem Minus von 1,54 Prozent kaum verändert da.
Ein wichtiger Termin bleibt der 31. Juli 2026. An diesem Tag legt Hensoldt die Zahlen für das erste Halbjahr vor. Sie dürften zeigen, wie stark die Profitabilität nach dem Wegfall des F126-Auftrags tatsächlich leidet.
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