Hensoldt Aktie: 200-Millionen-Radar-Auftrag fällt weg

Hensoldt verliert F126-Radarauftrag, profitiert aber von neuen Rüstungsprogrammen. Die Aktie zeigt sich trotz Rückschlag stabil.

Die Kernpunkte:
  • F126-Radarauftrag über 200 Mio. Euro gestoppt
  • Neue Fregattenbestellung bringt andere Radar-Systeme
  • PEGASUS-Aufklärung und Drohnenabwehr als Wachstumsfelder
  • Aktie notiert über 50-Tage-Durchschnitt

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 8. Juli ein Rüstungspaket über 9,5 Milliarden Euro gebilligt. Für Hensoldt bringt das gemischte Nachrichten. Ein wichtiger Radar-Auftrag fällt weg. Mehrere neue Programme sollen den Verlust jedoch ausgleichen.

Fregatten-Wechsel kostet Hensoldt einen Auftrag

Der Ausschuss genehmigte 6,3 Milliarden Euro für vier neue Fregatten vom Typ MEKO A-200 DEU. Acht Schiffe könnten es am Ende werden, für weitere 5,3 Milliarden Euro. Diese Entscheidung ersetzt das gestoppte F126-Programm. Verzögerungen und Kostenexplosionen hatten das Vorhaben zu Fall gebracht.

Für Hensoldt bedeutet das Aus einen Verlust. Das Unternehmen sollte für F126 das Marineüberwachungsradar TRS-4D liefern, ein Auftrag über mehr als 200 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel davon hatte Hensoldt bereits als Umsatz verbucht. Für das laufende Jahr erwartete der Konzern noch Umsätze im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Hensoldt äußerte sich am 30. Juni 2026 dazu. Nach aktuellem Kenntnisstand erwartet das Unternehmen keine Auswirkungen auf seine kurz- oder mittelfristige Prognose. Die genauen Folgen prüft der Konzern noch.

Am Markt gilt Hensoldt bei dieser Marinebeschaffung nun als praktisch außen vor. Die neuen Fregatten dürften andere Radarsysteme nutzen. Der Haushaltsausschuss knüpfte seine Zustimmung aber an eine Bedingung: Unterauftragnehmer des ursprünglichen F126-Projekts müssen angemessen berücksichtigt werden.

Digitalisierung und Aufklärung bringen neue Aufträge

Trotz des F126-Rückschlags profitiert Hensoldt von anderen Projekten im Paket. Sie stärken den Fokus des Unternehmens auf Sensorik und digitale Verteidigungstechnik.

  • PEGASUS-Aufklärungssystem: Hensoldt integriert sein Signalaufklärungssystem Kalaetron Integral in drei Bombardier Global 6000 Geschäftsreiseflugzeuge. Der Auftrag stammt bereits aus Juni 2021, das erste Flugzeug traf im Dezember 2025 zur Systemintegration ein.
  • CFSN und UCAV-Entwicklung: Für unbemannte Kampfflugzeuge bewilligte der Ausschuss rund 220 Millionen Euro. Hensoldt kooperiert seit Februar 2026 mit dem KI-Verteidigungsunternehmen Helsing am Kampfflugzeug CA-1 Europa und liefert Radar, Optronik und die Software-Suite MDOcore.
  • Hochenergielaser: Ein Demonstrator für Laserwaffen gegen Drohnen erhielt rund 462 Millionen Euro. Hensoldt gilt als führend bei Drohnenabwehr und liefert bereits Radare für das System ASUL der Bundeswehr.
  • Optiken und IT: Das Paket enthält Mittel für moderne Optiken und IT-Services, etwa Sturmgewehr-Optiken und Nachtsichtbrillen von Hensoldt.

Kursreaktion: Aktie über wichtiger Marke

Die Hensoldt-Aktie schloss am Mittwoch bei 78,46 Euro. Binnen sieben Tagen legte der Kurs um 3,16 Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 2,70 Prozent.

Auf Zwölf-Monats-Sicht bleibt dennoch ein Rückgang von 24,56 Prozent. Aktuell notiert der Kurs aber über dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,93 Euro – ein charttechnisch positives Signal.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 80,28 Euro beträgt nur noch 2,27 Prozent.

Ausblick: Planungssicherheit trotz Verlust

Das Verteidigungsministerium muss künftig vierteljährlich über Fortschritte, Kosten und Verzögerungen der Projekte berichten. Das soll für Transparenz bei der Umsetzung sorgen. Für Hensoldt bedeutet das Gesamtpaket trotz des F126-Verlusts eine solide Auftragsbasis für die kommenden Jahre – von der Aufklärung bis zur Drohnenabwehr.

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