Hensoldt Aktie: 2,8 Milliarden Auftragseingang verdoppelt

Trotz verdoppeltem Auftragseingang und gesteigertem Umsatz verliert die Hensoldt-Aktie deutlich. Analysten verweisen auf die hohe Bewertung.

Die Kernpunkte:
  • Auftragseingang verdoppelt sich
  • Umsatz und Marge übertreffen Erwartungen
  • Analyst sieht ambitionierte Bewertung
  • Jahresziele für 2026 bestätigt

Hensoldt verdoppelt den Auftragseingang im ersten Halbjahr. Die Aktie verliert trotzdem fast fünf Prozent. Diese Diskrepanz zwischen starken Geschäftszahlen und schwacher Kursreaktion wirft eine Frage auf: Was stört die Anleger wirklich?

Der Rüstungselektronik-Konzern aus Taufkirchen legte am Freitag Halbjahreszahlen vor. Die Aktie notiert bei 79,80 Euro, ein Minus von 4,91 Prozent zum Vortag. Zeitweise brach der Kurs zu Handelsbeginn sogar um rund sechs Prozent ein.

Der CEO sieht Politik im Auftragsbuch ankommen

Firmenchef Oliver Dörre ordnete die Entwicklung bei der Zahlenvorlage ein. „Die politischen Entscheidungen für höhere Verteidigungsausgaben konkretisieren sich nun in unserem Auftragsbuch“, sagte er in Taufkirchen. Aus politischen Ankündigungen sind demnach handfeste Bestellungen geworden.

Die Zahlen stützen diese Einschätzung. Der Auftragseingang verdoppelte sich in den ersten sechs Monaten auf 2,8 Milliarden Euro. Besonders das Optronik-Geschäft profitierte: Großaufträge für die Ausstattung der Schützen- und Radpanzer Puma und Schakal trieben den Bereich kräftig an.

Auch der Sensorbereich legte zu. Eurofighter-Radare und die in der Ukraine eingesetzten TRML-4D-Flugabwehrradare sorgten für Rückenwind. Hinzu kamen Vertragserweiterungen für Eurofighter-Mk1-Radare, bestellt sowohl von der Bundeswehr als auch von anderen europäischen Staaten.

Umsatz und Marge übertreffen die Erwartungen

Auch operativ lieferte Hensoldt ab. Der Konzernumsatz kletterte um knapp 24 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro und lag damit leicht über der Konsensschätzung von 1,15 Milliarden Euro. Der Auftragseingang von 2,81 Milliarden Euro übertraf die Markterwartung von 1,23 Milliarden Euro deutlich.

Das bereinigte EBITDA wuchs um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich auf 11,8 Prozent nach 11,3 Prozent im Vorjahr. Selbst der Cashflow zeigte Fortschritt: Der bereinigte freie Barmittelabfluss verringerte sich dank Anzahlungen von minus 181 Millionen auf minus 136 Millionen Euro.

JPMorgan nennt den Grund für die Kursreaktion

Der Rekordauftragsbestand von 10,4 Milliarden Euro reichte den Anlegern trotzdem nicht. JPMorgan-Analyst David Perry lieferte eine Erklärung für die Zurückhaltung. Das Zahlenwerk falle insgesamt weitgehend überraschungslos aus, so seine Einschätzung.

Perry sieht zudem die Bewertung als ambitioniert an. Hensoldt sei „das am höchsten bewertete Rüstungsunternehmen“ in seinem Analyseuniversum. Das Produktportfolio hält er zwar weiterhin für hervorragend. Unter den deutschen Titeln, die er bewertet, sieht er aber anderswo mehr Aufwärtspotenzial.

Ausblick für 2026 bleibt unverändert

Am Gesamtjahresziel hält Hensoldt fest. Für 2026 rechnet der Konzern mit einem Umsatz von etwa 2,75 Milliarden Euro. Das Book-to-Bill-Verhältnis soll zwischen 1,5 und 2,0 liegen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent.

Charttechnisch bleibt der Titel volatil. Vom 52-Wochen-Hoch bei 115,10 Euro aus dem Oktober 2025 ist die Aktie noch gut 30 Prozent entfernt. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von über 12 Prozent zu Buche – die jüngste Erholung von den Juni-Tiefständen ist mit dem heutigen Rückschlag allerdings erst einmal unterbrochen.

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