Hensoldt Aktie: 9,5 Milliarden für vier Fregatten

Trotz milliardenschwerem Marineauftrag bleibt der Hensoldt-Kurs in der Seitwärtsbewegung. Anleger warten auf den Halbjahresbericht.

Die Kernpunkte:
  • Bundestag gibt Fregatten-Auftrag frei
  • Kurs bleibt in Seitwärtsbewegung
  • Operatives Geschäft zeigt solide Zahlen
  • Halbjahresbericht als nächster Impuls

Der Bundestag hat einen milliardenschweren Fregattenauftrag freigegeben. Die Hensoldt-Aktie bewegt sich trotzdem kaum. Das zeigt: Anleger warten auf handfeste Details, nicht auf politische Signale.

Am Freitag schloss der Titel bei 74,66 Euro, ein Plus von 0,86 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 0,74 Prozent zu Buche. Der Kurs bleibt damit in einer Seitwärtsbewegung gefangen, die schon seit Wochen anhält.

Charttechnik zeigt Erholung mit Grenzen

Die Aktie notiert aktuell 2,89 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,88 Euro. Zur 200-Tage-Linie bei 79,95 Euro fehlen sogar 6,61 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 115,10 Euro, erreicht am 3. Oktober 2025, klafft weiterhin eine Lücke von 35,13 Prozent.

Seit dem Jahrestief von 63,12 Euro am 26. Juni 2026 hat sich der Kurs immerhin um 18,28 Prozent erholt. Auf Monatssicht bleibt trotzdem ein Rückgang von 4,48 Prozent stehen, binnen zwölf Monaten sogar von 28,42 Prozent. Der RSI von 49,8 zeigt eine neutrale Marktlage – weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von 56,38 Prozent verrät aber: Nervosität bleibt im Markt.

Bundestag ersetzt gescheitertes F126-Programm

Am 8. Juli 2026 hat der Haushaltsausschuss des Bundestags in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause 16 Beschaffungsvorhaben gebilligt. Das Gesamtvolumen liegt bei über 9,5 Milliarden Euro. Größtes Einzelprojekt: vier U-Jagd-Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU plus ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine.

Der Ausschuss bestellt vier Schiffe fest und sichert sich eine Option auf vier weitere. Für den Festabruf plant der Bund rund 6,3 Milliarden Euro ein, für die Option zusätzlich 5,3 Milliarden Euro. Die erste Fregatte soll 2029 zulaufen.

Der Beschluss ersetzt das gescheiterte F126-Programm. Das Verteidigungsministerium hatte die geplanten sechs Großfregatten wegen Verzögerungen, Kostenexplosion und unkalkulierbaren Risiken gestoppt. Für Hensoldt bedeutete das zunächst einen Rückschlag: Das Unternehmen verlor den Auftrag für das Marineüberwachungsradar TRS-4D.

Der Gesamtauftragswert aus dem F126-Programm lag bei gut 200 Millionen Euro. Mehr als ein Drittel davon hatte Hensoldt bereits als Umsatz verbucht. Für 2026 standen ohnehin nur noch Erlöse im niedrigen zweistelligen Millionenbereich an – Hensoldt erwartet deshalb keine Prognoseänderung durch den Programmstopp.

Mit dem neuen Auftrag an Werftkonzern TKMS ergibt sich für Hensoldt eine Chance. Die eigene Sensorik läuft bereits auf anderen Marineschiffen und könnte auch in die neue Fregattengeneration einfließen. Offen bleibt aber, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen das vertraglich passiert.

Operatives Geschäft läuft robust

Während der Kurs schwächelt, liefert das operative Geschäft solide Zahlen. Im ersten Quartal 2026 verdoppelte sich der Auftragseingang auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von rund 9,8 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr plant Hensoldt einen Umsatz von rund 2,75 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll zwischen 18,5 und 19,0 Prozent liegen. Das Management hat zudem die Prognose für den bereinigten Free Cashflow angehoben – höhere Kundenanzahlungen und schnellere Beschaffungsprozesse in Deutschland treiben diese Entwicklung.

Halbjahresbericht als nächster Prüfstein

Der nächste wichtige Termin: der Halbjahresfinanzbericht am 31. Juli 2026. Er dürfte zeigen, wie stark der Wegfall des ursprünglichen F126-Auftrags Marge und Umsatz tatsächlich belastet.

Der Bericht soll außerdem klären, ob die neue Fregattenbeschaffung Hensoldt echte Radar-Chancen eröffnet. Zusätzlich steht die Frage im Raum, ob die angehobene Cashflow-Prognose Bestand hat.

Analysten sind sich uneinig. Jefferies hat zuletzt ein höheres Kursziel ausgerufen. Kritischere Stimmen monieren dagegen eine Kursrallye ohne ausreichende Vertragsbasis.

Bis zur Vorlage der Halbjahreszahlen dürfte der Kurs zwischen zwei Marken pendeln: dem Jahrestief bei 63 Euro und dem 50-Tage-Durchschnitt bei knapp 77 Euro. Der 31. Juli wird zeigen, welche Richtung sich durchsetzt.

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