Hensoldt Aktie: Auftragsbestand durchbricht 10-Milliarden-Marke
Hensoldt integriert 300 Bosch-Beschäftigte in ein neues Zentrum für Verteidigungssoftware und verzeichnet zugleich Rekord-Auftragsbestand.

- Neues Kompetenzzentrum bei Stuttgart geplant
- Auftragsbestand übersteigt erstmals 10 Milliarden Euro
- Umsatz im zweiten Quartal um 22 Prozent gestiegen
- Warburg Research erhöht Kursziel auf 94 Euro
Der Radar- und Sensorspezialist Hensoldt baut sein Standortnetz aus: Am Donnerstag kündigte das Unternehmen an, rund 300 Beschäftigte von Bosch zu übernehmen und ein Gebäude am Bosch-Standort Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart anzumieten. Dort soll ein Kompetenzzentrum für „Software-defined Defence and Engineering“ entstehen, wie Reuters und die junge Welt berichteten.
Softwareschmiede für vernetzte Verteidigungssysteme
Aus der Systementwicklung, Softwareentwicklung und Elektrotechnik von Bosch können sich Mitarbeiter für den Wechsel zu Hensoldt bewerben. Bis Ende 2027 will der Konzern am neuen Standort rund 300 Stellen besetzen, mit dem erklärten Ziel, Softwarekompetenzen für vernetzte und updatefähige Verteidigungssysteme auszubauen.
Der Schritt reiht sich in den breiteren Personalaufbau des Konzerns ein. Bereits im Vorjahr hatte Hensoldt rund 1.200 neue Mitarbeiter eingestellt, in diesem Jahr sollen weitere 1.600 hinzukommen.
Auftragsbücher füllen sich, Umsatz zieht deutlich an
Der Personalaufbau trifft auf eine Geschäftsentwicklung, die dafür auch die Kapazität liefert. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Hensoldt den Umsatz um 22 Prozent auf 671 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA lag bei 93 Millionen Euro. Getrieben wird das Wachstum von weltweit steigenden Verteidigungsausgaben, vor allem in Deutschland und weiteren europäischen Staaten.
Im ersten Halbjahr 2026 verdoppelte sich der Auftragseingang auf 2.812 Millionen Euro, nach 1.405 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Besonders kräftig legten die Sparten Sensors und Optronics zu, die beide deutlich höhere Bestellungen verbuchten.
Der Auftragsbestand durchbrach damit erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro – nach Unternehmensangaben mehr als das Vierfache des Konzernumsatzes von 2025. Der Halbjahresumsatz kletterte um 24 Prozent auf 1,167 Milliarden Euro, die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich leicht auf 11,8 Prozent. Der bereinigte Free Cashflow blieb mit minus 136 Millionen Euro zwar weiter negativ, verbesserte sich aber gegenüber minus 181 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Für das Gesamtjahr hält das Management an seiner Prognose fest: Konzernumsatz von rund 2,75 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 und 19,0 Prozent. Zudem soll das Book-to-Bill-Verhältnis zwischen 1,5 und 2,0 liegen. Für das zweite Halbjahr erwartet das Management zusätzlichen Rückenwind aus Eurofighter-Altprojekten, dem Programm MICS sowie Aufträgen zur Luftverteidigung für die Ukraine. Der zuvor gestoppte Anteil am Fregattenprogramm F126 mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro habe dagegen nur geringe finanzielle Folgen, teilte das Management mit.
Warburg Research erhöht Kursziel
Warburg Research reagierte am Donnerstag auf die Zahlen und hob sein Kursziel für Hensoldt von 91 auf 94 Euro an. Analyst Christian Cohrs bestätigte zugleich seine Kaufempfehlung für die Aktie.
Rückenwind erhielt das Papier zuletzt auch von Insiderkäufen: Vorstandschef Oliver Dörre und Vorstandsmitglied Inka Tews hatten im Juni eigene Aktienpakete erworben. Der Aufsichtsrat hatte Dörres Vertrag bereits im Februar vorzeitig bis Ende 2031 verlängert.
Kurs reagiert positiv, Bewertung anspruchsvoll
An der Börse kam die Nachrichtenlage gut an. Die Hensoldt-Aktie schloss am Freitag bei 90,50 Euro und legte binnen einer Woche um 13,18 Prozent zu. Mit einem 14-Tage-RSI von 68,9 gilt das Papier nach gängigen Kennzahlen bereits als überkauft, was kurzfristig für erhöhte Schwankungen sprechen könnte.
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