Hensoldt Aktie: Einstieg in MQ-28-Programm
Hensoldt steigt durch Boeing-Partnerschaft in das MQ-28-Programm ein und baut mit BlackRock-Beteiligung seine Position aus.

- Absichtserklärung mit Boeing unterzeichnet
- BlackRock erhöht Hensoldt-Anteil leicht
- Beteiligung an Defence-Startup Project Q
- Prognose für Free Cashflow angehoben
Hensoldt hat auf der Farnborough Airshow eine Absichtserklärung mit Boeing unterzeichnet und tritt damit dem deutschen Industrieteam für das unbemannte Kampfflugzeug MQ-28 „Ghost Bat“ bei. Das Memorandum of Understanding sieht vor, dass der Sensorik-Spezialist Sensorsysteme sowie Integrationsleistungen für das sogenannte Collaborative Combat Aircraft liefert. Medienberichten zufolge wurde die Vereinbarung am 22. Juli 2026 unterzeichnet und markiert den Einstieg des Unternehmens in ein Programm, das unbemannte Kampfdrohnen im Verbund mit bemannten Kampfjets vorsieht.
Die Nachricht trifft auf ein Marktumfeld, das die Aktie ohnehin schon in Bewegung versetzt hatte. Der Kurs notiert aktuell bei 80,26 Euro und legt allein am Tag um 3,56 Prozent zu. Auf Wochensicht steht ein Plus von 10,19 Prozent zu Buche. Damit hat sich das Papier spürbar von seinem 200-Tage-Durchschnitt gelöst, zu dem inzwischen ein Abstand von 1,74 Prozent nach oben besteht.
Aktionärsstruktur und strategische Zukäufe
Parallel zur Kooperation mit Boeing hat BlackRock seine Position bei Hensoldt ausgebaut. Laut einer Stimmrechtsmitteilung gemäß § 40 WpHG erhöhte der Vermögensverwalter seine direkten Stimmrechte zum Stichtag 15. Juli 2026 von 2,75 Prozent auf 3,13 Prozent. Der Gesamtanteil einschließlich Instrumenten blieb mit 4,99 Prozent nahezu unverändert.
Bereits am 15. Juli hatte Hensoldt selbst eine strategische Minderheitsbeteiligung am Defence-Tech-Startup „Project Q“ bekanntgegeben. Die Beteiligung erfolgte im Rahmen einer Finanzierungsrunde und soll die Kompetenzen des Unternehmens in softwarezentrierter Verteidigung und Multi-Domain-Integration stärken – ein Themenfeld, das durch die nun beschlossene MQ-28-Kooperation zusätzliches Gewicht erhält, da autonome Systeme zunehmend auf vernetzte Software- und Sensorarchitekturen angewiesen sind.
Fregattenprogramm F126 gestoppt, Logistikzentrum eröffnet
Nicht jede Nachricht der vergangenen Wochen fiel positiv aus. Ende Juni hatte das Bundesministerium der Verteidigung das Fregattenprogramm F126 eingestellt und stattdessen die Beschaffung von MEKO A-200-Fregatten priorisiert. Hensoldt war als Radar-Zulieferer für das ursprüngliche Programm vorgesehen und prüft nach eigenen Angaben die Auswirkungen auf den bestehenden Auftragsbestand.
Deutlich unspektakulärer, aber operativ relevant war die Eröffnung des neuen Logistikzentrums in Wolfhagen am 24. Juni. Nach zwei Jahren Bauzeit dient der Standort primär dem Projekt „Zentrale Ersatzteillogistik Bundeswehr“ und soll die Ersatzteilversorgung der Streitkräfte absichern.
Angehobene Cashflow-Guidance und Dividendenerhöhung
Finanziell hatte Hensoldt bereits Anfang Juni für Aufmerksamkeit gesorgt: Das Unternehmen hob seine Prognose für den bereinigten Free Cashflow im Geschäftsjahr 2026 von rund 40 Prozent auf etwa 50 Prozent EBITDA-Konversion an. Als Grund nannte das Unternehmen beschleunigte Abschlagszahlungen. Auf der Hauptversammlung Ende Mai hatten die Aktionäre zudem eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025 beschlossen, nach 0,50 Euro im Vorjahr.
Diese Cashflow-Entwicklung dürfte auch im Mittelpunkt des Halbjahresfinanzberichts stehen, den Hensoldt für den 31. Juli 2026 angekündigt hat. Im Rahmen der Veröffentlichung ist zudem ein Analysten-Call vorgesehen, bei dem das Management die angehobene Prognose weiter erläutern dürfte.
Volatiles Kursbild trotz operativer Fortschritte
Trotz der jüngsten Kursgewinne bleibt die Aktie deutlich von ihrem 52-Wochen-Hoch von 115,10 Euro entfernt, das am 3. Oktober 2025 markiert wurde. Der Abstand beträgt aktuell 30,27 Prozent. Auf Jahressicht summiert sich das Plus dennoch auf 9,35 Prozent, während der Blick über zwölf Monate mit einem Rückgang von 19,62 Prozent ein deutlich verhalteneres Bild zeichnet. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 55,66 Prozent unterstreicht, wie schwankungsanfällig das Papier in den vergangenen Wochen war.
Mit der Boeing-Kooperation erweitert Hensoldt sein Portfolio um ein Zukunftsfeld der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie: unbemannte Kampfsysteme, die im Verbund mit bemannten Maschinen operieren. Ob sich daraus konkrete Aufträge und Umsätze ergeben, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen – der anstehende Halbjahresbericht Ende Juli liefert dafür einen ersten Anhaltspunkt.
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