Hensoldt Aktie: Jefferies hebt auf 94 Euro

Jefferies und mwb research geben gegensätzliche Einschätzungen zu Hensoldt ab. Der Rüstungselektronik-Konzern bleibt im Fokus der Anleger.

Die Kernpunkte:
  • Kursanstieg am Freitag um 2,78 Prozent
  • Jefferies erhöht Kursziel auf 94 Euro
  • mwb research senkt Ziel auf 62 Euro
  • Aktie 35 Prozent unter Jahreshoch

Am Nachmittag notiert das Papier bei 74,72 Euro und damit 2,78 Prozent über dem Schlusskurs vom Vortag. Der Kurssprung fällt in eine Woche, in der Analysten höchst unterschiedliche Signale zum Rüstungselektronik-Konzern senden – von einer deutlichen Zielanhebung bis zu einer Verkaufsempfehlung.

Jefferies optimistisch, mwb research skeptisch

Jefferies hat sein Kursziel für Hensoldt auf 94 Euro angehoben. Das Analysehaus zählt damit zu den optimistischeren Stimmen am Markt. Gegenläufig positioniert sich mwb research: Die Analysten senkten ihr Kursziel auf 62 Euro und stuften die Aktie auf „Sell“ zurück. Zwischen den beiden Einschätzungen liegt eine Spanne von 32 Euro – ein Beleg dafür, wie unterschiedlich die Wachstumsaussichten des Ulmer Sensorik- und Radarspezialisten derzeit bewertet werden.

Eingebettet ist die Neubewertung in eine breitere Analystenrunde zu deutschen Rüstungswerten. Bank of America senkte im selben Zuge ihr Kursziel für Rheinmetall von 1.770 auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Buy“. Als Begründung nennt BofA eine Verschiebung der Nachfrage hin zu Drohnen und Präzisionswaffen – ein Trend, der die gesamte Branche und damit auch die Bewertung von Zulieferern wie Hensoldt tangiert. Im Sog der BofA-Einschätzung gaben am Freitag auch die Aktien von Renk und TKMS nach, während Rheinmetall selbst leicht verlor.

Rüstungssektor unter verschärfter Beobachtung

Der Blick der Analysten auf die Branche fällt in eine Phase, in der auch politische Entscheidungen die Karten neu mischen. Die Bundeswehr hatte den milliardenschweren F126-Fregattenauftrag nach dem Aus des Vertrags mit der niederländischen Werft Damen an TKMS vergeben – ein Vorgang, der zeigt, wie stark Großaufträge im Wehrsektor derzeit zwischen den Anbietern verschoben werden. Für Hensoldt als Ausrüster von Sensorik und Radartechnik bleibt die Frage relevant, welche Segmente von der angesprochenen Verschiebung hin zu Drohnen und Präzisionswaffen profitieren und welche zurückfallen könnten.

Die gespaltene Analystenlage spiegelt sich auch im Kursverlauf der vergangenen Monate. Trotz des heutigen Anstiegs notiert die Aktie noch immer gut 35 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 115,10 Euro, das Anfang Oktober erreicht wurde. Der jüngste Rücksetzer auf ein Jahrestief von 63,12 Euro liegt erst wenige Wochen zurück. Die aktuelle Erholung bringt das Papier damit zwar wieder in Richtung der mittelfristigen Handelsspannen, von den Höchstständen des vergangenen Jahres ist Hensoldt aber weiterhin deutlich entfernt.

Volatiles Umfeld für Rüstungsaktien

Die Schwankungsbreite bei Hensoldt bleibt hoch – Ausdruck der Unsicherheit, mit der der Markt derzeit auf jede neue Order- oder Analystenmeldung im Verteidigungssektor reagiert. Für Anleger dürfte entscheidend sein, welche der beiden Lesarten sich in den kommenden Wochen durchsetzt: die optimistische von Jefferies, die auf anhaltend hohe Verteidigungsausgaben und Auftragseingänge setzt, oder die vorsichtigere von mwb research, die offenbar größere Bewertungsrisiken sieht. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen den widersprüchlichen Signalen der Analystenhäuser hin- und herpendeln.

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