Hensoldt Aktie: Kartellamt genehmigt EloKa-Konsortium

Das Kartellamt erlaubt vier Rüstungsfirmen die gemeinsame Bewerbung; über den Bundeswehr-Auftrag ist noch nicht entschieden.

Die Kernpunkte:
  • Kartellamt genehmigt Kooperation von vier Firmen
  • Partner wollen gemeinsames EloKa-Angebot einreichen
  • Bundeswehr-Vergabe bleibt weiterhin offen
  • Hensoldt-Aktie verliert 0,3 Prozent

Für ein anstehendes Großprojekt der Bundeswehr bündeln mehrere Rüstungsunternehmen ihre Kräfte. Das Bundeskartellamt hat heute ein Gemeinschaftsunternehmen genehmigt, an dem Hensoldt Sensors, Rohde & Schwarz, Plath sowie General Dynamics European Land Systems-Bridge Systems (GDELS) beteiligt sind.

Ziel der gesellschaftsrechtlichen Kooperation ist die gemeinsame Abgabe eines Angebots für einen noch zu vergebenden Auftrag zur elektronischen Kampfführung (EloKa). Eine Vergabeentscheidung durch die Streitkräfte steht derzeit allerdings noch aus. Das Bündnis ist nach behördlichen Vorgaben strikt auf dieses eine Vorhaben beschränkt.

An der Börse reagierten die Anleger verhalten auf die Freigabe des Vorhabens. Das Hensoldt-Papier verlor heute 0,3 Prozent auf 75,78 Euro und notiert damit 36 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro.

Vorgeschichte um gestopptes MAUS-Vorhaben

Hintergrund der Konsortialbildung sind vorangegangene Verwerfungen bei der Beschaffung moderner Stör- und Aufklärungssysteme. Im Januar 2026 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags das sogenannte MAUS-Projekt gestoppt. Ursprünglich war dabei eine Direktvergabe über 90 Fahrzeuge an Rohde & Schwarz vorgesehen gewesen.

Die Parlamentarier kritisierten jedoch unter anderem den unzureichenden Schutz des damals vorgesehenen Trägerfahrzeugs Eagle V im Format 6×6, überholte Annahmen angesichts der militärischen Erfahrungen aus dem Ukrainekrieg sowie mangelndes Vertrauen in den vorgesehenen Hauptauftragnehmer.

Mit dem Zusammenschluss der vier Partner entsteht nun eine breitere industrielle Aufstellung für das Vergabeverfahren. Als mögliche Trägerplattform für die EloKa-Systeme gilt in vergleichbaren Vorhaben das geschützte Radfahrzeug Piranha 5 von GDELS, das ein höheres Schutzniveau bietet. Unklar ist bislang, welche Altsysteme durch den geplanten Auftrag konkret abgelöst werden sollen.

Zur Debatte steht der Ersatz älterer Störpanzer wie HUMMEL, HORNISSE oder beider Plattformen gleichzeitig. Die beiden Typen decken unterschiedliche Frequenzbereiche ab: Während HUMMEL im VHF-Spektrum von 30 bis 300 Megahertz sowie im UHF-Bereich von 300 Megahertz bis 3 Gigahertz arbeitet, bedient HORNISSE den Hochfrequenzbereich (HF) von 3 bis 30 Megahertz.

Vorarbeiten auf Piranha-Basis

Für Hensoldt knüpft das Vorhaben an bestehende Systemaktivitäten an. Bereits Anfang Juni sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag für niederländische Knifefish-Systeme, die ebenfalls auf der Plattform Piranha 5 aufbauen. Dieselbe Systemkonfiguration beschafft parallel die Bundeswehr im Rahmen des Programms TaWAN.

Das Votum des Bundeskartellamts räumt den beteiligten Rüstungspartnern nun den kartellrechtlichen Spielraum frei, um gemeinsam ein verbindliches Konzept einzureichen. Die endgültige Realisierung des Projekts bleibt davon abhängig, ob das Bundesverteidigungsministerium das Konsortium tatsächlich mit der Umsetzung des Rüstungsvorhabens betraut.

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