Hensoldt Aktie: mwb senkt auf Sell, Jefferies hebt auf 94 Euro

Uneinigkeit bei Analysten: mwb Research rät zum Verkauf, Jefferies bleibt bei Kauf. Verlust eines Radarauftrags an Saab belastet die Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Analysten uneins über Aktienbewertung
  • Radarauftrag an Konkurrenten verloren
  • Insider kaufen trotz Kursrückgang
  • Halbjahreszahlen als nächster Prüfstein

Ein Rüstungskonzern gilt als „nationaler Champion“. Trotzdem verliert er einen wichtigen Radarauftrag an die Konkurrenz. Und während ein Analysehaus die Aktie auf „Verkaufen“ setzt, kauft ein anderes stärker zu. Bei Hensoldt prallen diese Woche zwei völlig gegensätzliche Einschätzungen aufeinander.

Die Aktie notiert aktuell bei 73,58 Euro. Das sind 1,45 Prozent weniger als zum Handelsstart. Am Freitag schloss das Papier noch bei 74,66 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Verlust von über acht Prozent.

Analysten uneins über Kursziel

Am 9. Juli senkte mwb Research seine Einschätzung von „Hold“ auf „Sell“. Das Kursziel kappte das Haus auf 62 Euro. Erst Ende Juni hatte dasselbe Institut die Aktie noch hochgestuft.

Die Begründung der Bären: Der Kursanstieg vor dem Nato-Gipfel sei eine „Rallye ohne Verträge“ gewesen. Die Aktie kletterte von 64 auf rund 81 Euro, ohne dass neue Aufträge folgten. Bei einer Bewertung vom rund 18-Fachen des erwarteten EBIT für 2026 sei das Papier schlicht zu teuer.

Jefferies sieht das komplett anders. Die Bank hob ihr Kursziel von 90 auf 94 Euro an und bleibt bei „Kaufen“. Ihre Begründung: Verteidigungsbudgets verschieben sich weg von schwerem Gerät hin zu komplexer Elektronik und Luftverteidigung. Genau das ist Hensoldts Kerngeschäft.

Verlorener Radarauftrag als Streitpunkt

Konkreten Zündstoff liefert ein verlorener Großauftrag. Saab sicherte sich das Radarpaket für die geplanten MEKO A-200-Fregatten sowie das System IRIS-T SLS. Für Hensoldt ist das ein empfindlicher Rückschlag, weil der Konzern bei deutschen Rüstungsprojekten eigentlich gesetzt sein sollte.

Die Kritiker um mwb Research sehen darin einen Beleg für ihre These der Überbewertung. Jefferies stuft die strukturellen Verschiebungen im Verteidigungsmarkt dagegen weiterhin als langfristig positiv ein.

Die Charttechnik untermauert die angespannte Stimmung. Der Kurs liegt unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 76,81 Euro und noch deutlicher unter der 200-Tage-Linie bei 79,79 Euro. Die Volatilität von über 55 Prozent zeigt: Der Markt bleibt nervös.

Insider kaufen trotz Kursverlust

Die eigenen Führungskräfte senden ein anderes Signal als die Kritiker. Vorstände Oliver Dörre und Inka Tews tätigten in den vergangenen Tagen mehrfache Insiderkäufe – mitten im Kursrückgang.

Operativ steht der Konzern besser da, als es der Kurs vermuten lässt. Ein Auftragsbestand von 9,8 Milliarden Euro und ein Book-to-Bill-Verhältnis von 3,0x untermauern die langfristige Ertragskraft. Das Management hält an seinen Jahreszielen fest, darunter eine EBITDA-Marge von bis zu 19 Prozent.

Halbjahreszahlen als nächster Test

Am 31. Juli legt Hensoldt die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Dann muss das Management zeigen, dass KI-gestützte Sensorik und Drohnenabwehr nicht nur in Präsentationen überzeugen. Die Zahlen werden auch verraten, wie schnell der Konzern den verlorenen Saab-Auftrag verdauen kann.

Bis dahin bleibt die Aktie zwischen widersprüchlichen Signalen gefangen. Robuste operative Kennzahlen und das Vertrauen der eigenen Führungsebene stehen gegen verschärften Wettbewerbsdruck im Radargeschäft und skeptische Analystenstimmen.

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