Hensoldt Aktie: Radar-Auftrag verloren!
Im ersten Halbjahr wuchsen Umsatz und bereinigtes EBITDA; Hensoldt hob zugleich das Cashflow-Ziel für 2026 an.

- Auftragsbestand erreicht 10.356 Millionen Euro
- Halbjahresumsatz steigt um 23,6 Prozent
- Cashflow-Umwandlungsziel auf 50 Prozent erhöht
- Nedinsco-Zukauf stärkt Fahrzeugoptronik
Nach Gewinnmitnahmen im Rüstungssektor geraten die Notierungen von Hensoldt unter Druck. Die Papiere des Sensorspezialisten notieren heute bei 75,46 Euro und verbuchen ein Minus von 1,1 Prozent. Trotz der jüngsten Kursschwäche stützt ein historisch hohes Auftragspolster die operative Entwicklung des Unternehmens.
Rekordpolster im ersten Halbjahr
Die geschäftliche Basis für das laufende Jahr bildet ein Auftragsbestand von 10.356 Millionen Euro, den das Unternehmen zum Ende des ersten Halbjahres 2026 auswies. Der Auftragseingang verdoppelte sich in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2.812 Millionen Euro.
Neben der Nachfrage nach Verteidigungselektronik trugen dazu auch Ausrüstungsverträge wie der Ersatzteilauftrag der kanadischen Streitkräfte für Leopard-2-Kampfpanzer über rund 10 Millionen Euro bei.
Zugleich musste das Unternehmen im Marinebereich einen Dämpfer hinnehmen. Bei der Entscheidung des Bundesministeriums der Verteidigung gegen das F126-Fregattenprogramm und für die Beschaffung von MEKO-A-200-Einheiten verlor Hensoldt den geplanten Auftrag für Radarsysteme mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro.
Dennoch legte das operative Geschäft spürbar zu. Der Halbjahresumsatz stieg um 23,6 Prozent auf 1.167 Millionen Euro, während das bereinigte EBITDA um 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro kletterte. Dies entsprach einer bereinigten operativen Marge von 11,8 Prozent.
Angepasste Prognose und Portfoliostärkung
Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management einen Jahresumsatz von rund 2.750 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 18,5 Prozent und 19,0 Prozent an. Beim Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz wird ein Wert von 1,5 bis 2,0 erwartet.
Das Unternehmen passte zudem seine Zielvorgaben für den bereinigten freien Cashflow an. Die Umwandlungsrate bezogen auf das bereinigte EBITDA wurde von rund 40 Prozent auf etwa 50 Prozent angehoben. Ausschlaggebend hierfür waren beschleunigte Beschaffungsprozesse in Deutschland und höhere Vorauszahlungen durch Kunden. Das Ziel für die Nettoverschuldung in Höhe des 1,5-Fachen des EBITDA blieb bestehen.
Parallel dazu verstärkte sich der Konzern durch den Zukauf des niederländischen Optronik-Spezialisten Nedinsco mit rund 140 Mitarbeitern, um den Bereich Situationserkennung und Fahrzeugoptronik auszubauen.
Blick auf die Zwischenbilanz im November
Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 117,70 Euro liegt der aktuelle Börsenkurs 36 Prozent zurück. Neben Marktbewegungen prägten im Spätsommer auch interne Dispositionen das Geschehen: Aufsichtsratschef Reiner Winkler trennte sich Mitte August von 10.000 Aktien zu einem Preis von 94,71 Euro je Anteilsschein.
Klarheit über den weiteren Jahresverlauf erwarten Anleger im Spätherbst. Hensoldt plant die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse für das dritte Quartal 2026 am 5. November. Die Zwischenbilanz wird zeigen, wie sich die Umsetzungsgeschwindigkeit der jüngsten Großaufträge in den Geschäftszahlen niederschlägt.
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