Hermes Aktie: UBS zweifelt an Knappheit
Die UBS erwartet weniger Exklusivität und ein zyklischeres Geschäft; ihre Gewinnprognosen liegen teils deutlich unter dem Marktkonsens.

- UBS stuft Hermès auf Sell herab
- Kursziel fällt auf 1.168 Euro
- Gewinnschätzungen für 2027 um zehn Prozent gesenkt
- UBS erwartet 2027 eine Marge von 38,3 Prozent
Die Schweizer Großbank UBS stuft Hermès von „Neutral“ auf „Sell“ ab. Das Kursziel sinkt von 1.695 auf 1.168 Euro. Die Begründung greift den Kern des Luxus-Versprechens an: Mit wachsender Größe verliere die Marke an Knappheit, die Nachfrage werde zyklischer.
Weniger Exklusivität, mehr Zyklik
Anleger setzen bei Hermès stark auf das Lederwarengeschäft. Genau dieser Pfeiler wird laut UBS weniger verlässlich. Taschen ohne Mengenbeschränkung machen demnach schon rund 65 Prozent des Lederwarenumsatzes aus. Das schwäche die Exklusivität, die bislang die Nachfrage getragen habe.
Analystin Zuzanna Pusz sieht zudem Hinweise, dass das Gewinnprofil zyklischer wird. Schwache Quartalszahlen könnten die Sorge verstärken, dass die Preisdynamik 2027 nachlässt und das Wachstum schwerer zu prognostizieren ist. Ihre Hoffnungen auf ein starkes Luxusjahr 2026 hätten sich als verfrüht erwiesen. Am positivsten bewertet sie Anbieter „harter“ Luxusgüter wie Richemont.
Schätzungen deutlich unter Konsens
UBS senkt die Gewinnschätzungen je Aktie für 2026, 2027 und 2028 um 1, 10 und 11 Prozent. Als Gründe nennt die Bank schwächere Umsätze, geringere Skaleneffekte und einen höher angesetzten langfristigen Steuersatz von 33 statt 28,5 Prozent.
Für 2027 erwartet UBS 43,98 Euro je Aktie, 11 Prozent unter dem Marktkonsens. 2028 liegt die Prognose mit 46,53 Euro sogar 14 Prozent darunter.
Die operative Marge soll 2027 um rund einen Prozentpunkt auf 38,3 Prozent fallen. Währungsabsicherung und höhere Kommunikationsausgaben belasten. Beim organischen Umsatz rechnet die Bank mit fünf Prozent Wachstum, in der Lederwaren-Sparte mit sieben Prozent.
Bewertung bleibt ambitioniert
Mit dem 29,5-Fachen des UBS-Gewinns für 2027 handelt die Aktie weiter mit deutlichem Aufschlag auf andere Luxuswerte. Der aktuelle Kurs unterstellt der Bank zufolge ein Umsatzplus im hohen einstelligen Bereich über ein Jahrzehnt und eine Marge von 40 Prozent. UBS selbst kalkuliert konservativer.
Das neue Kursziel speist sich aus einem DCF-Wert von 940 Euro und einem Peer-Multiple-Wert von 1.395 Euro. Als Hauptrisiko für die Verkaufsempfehlung nennt UBS überraschend starke Innovationen bei Lederwaren oder erfolgreiche neue Prêt-à-porter-Kollektionen.
Die Aktie gab in Paris zum Wochenstart zeitweise 2,3 Prozent auf 1.270 Euro nach und notiert damit unter dem Schlusskurs von Freitag. Am 22. Oktober legt Hermès Zahlen zum dritten Quartal vor. UBS erwartet einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro, organisch fünf Prozent mehr, mit zweistelligem Plus bei Lederwaren.
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