Hims & Hers stürzt ab, Redcare wächst — fünf Pharma-Werte zwischen Umbau und Aufbruch
Redcare Pharmacy überzeugt mit Rezeptwachstum, während Hims & Hers einen Verlust meldet. Auch Carl Zeiss Meditec und Gerresheimer stehen vor Herausforderungen.

- Redcare mit 55 Prozent Rezeptplus
- Hims & Hers überrascht mit Verlust
- Gerresheimer unter BaFin-Prüfung
- Circio präsentiert vielversprechende Gentherapie-Daten
Minus 40 Cent Verlust je Aktie statt drei Cent Gewinn: Hims & Hers hat mit seinen Quartalszahlen die Wall Street geschockt. Am anderen Ende des Spektrums liefert Redcare Pharmacy ein Rezeptumsatz-Plus von 55 Prozent in Deutschland. Fünf Unternehmen, fünf völlig unterschiedliche Geschichten — ein Sektor im Spannungsfeld zwischen Margenkollaps und Wachstumsdynamik.
Carl Zeiss Meditec: „Profit Up“ gegen den Abwärtstrend
Der Name des neuen Restrukturierungsprogramms klingt optimistisch. Die Zahlen dahinter sind es weniger. Carl Zeiss Meditec meldete für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/2026 einen Umsatzrückgang von 5,7 Prozent auf 991 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge sackte von 10,7 auf 6,1 Prozent ab.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Carl Zeiss Meditec?
CEO Andreas Pecher will mit „Profit Up“ alle Geschäftsbereiche, Funktionen und Standorte durchleuchten. Das Ziel: jährliche Ergebnisverbesserungen von mehr als 200 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2028/2029. Für das laufende Jahr peilt das Management einen Umsatz zwischen 2,15 und 2,2 Milliarden Euro an, bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 8 bis 10 Prozent.
Die Analysten bleiben skeptisch. Der Konsens unter 14 Experten sieht den fairen Wert bei rund 30 Euro — das durchschnittliche Kursziel fiel zuletzt um 5,4 Prozent. J.P. Morgan stuft die Aktie auf „Sell“, UBS hält an „Hold“ fest. Kein einziges Kaufsignal im laufenden Monat.
Die Aktie notiert heute bei 25,24 Euro, mehr als 29 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Schwache Nachfrage nach Medizintechnik-Equipment und anhaltender Gegenwind aus China — insbesondere im Intraokularlinsen-Geschäft — lasten weiter auf der Bewertung. Das Management selbst spricht von einem „Jahr mit zwei Hälften“: schwacher Start, stabilere zweite Hälfte.
Gerresheimer: Aktivistische Investoren gegen Bilanzunsicherheit
Bei Gerresheimer prallen zwei Kräfte aufeinander. Auf der einen Seite: Active Ownership. Die Investorengruppe um Klaus Röhrig und Florian Schuhbauer kontrolliert mittlerweile 16,85 Prozent der Stimmrechte — über direkte Anteile und Optionsstrukturen. Parallel dazu kauften Insider in der vergangenen Woche für rund 10 Millionen Euro Aktien nach. Ein klares Signal des Vertrauens.
Auf der anderen Seite steht die BaFin. Die Finanzaufsicht prüft seit März einen Gerresheimer-Konzernzwischenabschluss auf mögliche Fehldarstellungen:
- Fehlerhaft ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten
- Abweichungen bei den Nutzungsdauer-Annahmen für aktivierte Entwicklungskosten
- Nicht erfasste Wertminderungen von rund 196,5 Millionen Euro im Segment Advanced Technologies
Der Prüfbericht im Juni wird zum entscheidenden Moment. Bis dahin bleibt Unsicherheit der bestimmende Faktor.
Um die Schuldenlast zu senken, hat Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor angestoßen. Morgan Stanley steuert den Prozess, eine zweistellige Zahl an Interessenten soll vorliegen. Die Jahresprognose hält das Management aufrecht: Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent.
Die Aktie schloss am Freitag bei 24,92 Euro und verlor auf Wochensicht knapp 10 Prozent — trotz eines Monatsplus von fast 18 Prozent. Diese Volatilität spiegelt die Zerrissenheit des Marktes wider. Der Analystenkonsens steht bei „Moderate Buy“ mit einem mittleren Kursziel von 34,17 Euro.
Redcare Pharmacy: E-Rezept-Dynamik treibt den Kurs
Redcare Pharmacy ist der Lichtblick unter den fünf Werten. Die Online-Apotheke meldete für das erste Quartal 2026 einen Konzernumsatz von 848 Millionen Euro — ein Plus von 18,3 Prozent und über den Erwartungen der Analysten. Der Kurs sprang nach den Zahlen um mehr als 14 Prozent nach oben.
Der eigentliche Wachstumsmotor sitzt im deutschen Rezeptgeschäft. Dort legten die Erlöse um 55 Prozent zu. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens zahlt sich aus: Das E-Rezept entfaltet zunehmend seine Wirkung als struktureller Rückenwind. Auch das bereinigte EBITDA stieg um 58 Prozent.
Die Jahresprognose wurde bestätigt:
- Gesamtumsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent
- Rx-Umsatz in Deutschland über 670 Millionen Euro
- Non-Rx-Umsatzwachstum von 8 bis 10 Prozent auf Konzernebene
- Bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 2,5 Prozent
Deutsche Bank, Berenberg und Baader Bank halten an ihren Kaufempfehlungen fest. Jefferies sieht ein Kursziel von 150 Euro — bei einem aktuellen Kurs von 48,78 Euro eine ambitionierte These, die auf die These setzt, dass operative Hebeleffekte den Weg zur Profitabilität beschleunigen. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 27 Prozent verloren, notiert aber bereits deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Circio: Gentherapie-Plattform sorgt für Aufsehen
Klein, noch ohne Umsatz — aber mit Daten, die Aufmerksamkeit erregen. Circio präsentierte Mitte Mai auf dem Jahreskongress der American Society of Gene and Cell Therapy in Boston neue Ergebnisse seiner circVec-Plattform. Die Technologie basiert auf zirkulärer RNA und verspricht eine deutlich verlängerte Genexpression.
Die Zahlen aus den Tierstudien sind beeindruckend: 40-fach erhöhte Genexpression aus AAV9-Vektoren im Herzgewebe im Vergleich zu konventionellen AAV-Technologien. Die zirkuläre RNA zeigt eine 75-fach verlängerte Halbwertszeit und bis zu 50-fach stärkere Proteinexpression gegenüber herkömmlichen mRNA-basierten Systemen. Sollten sich diese Werte in weiteren Studien bestätigen, könnte circVec zum neuen Standard in der viralen Gentherapie werden.
Zwei Kapitalerhöhungen im laufenden Jahr haben das Unternehmen finanziell bis weit ins Jahr 2030 abgesichert. CEO Erik Wiklund betont, die Datenlage und das steigende Interesse an zirkulären RNA-Ansätzen sorgten für „erhebliche Sichtbarkeit“ bei potenziellen Partnern. Der nächste Schritt — ein konkreter Partnering-Deal mit einem großen Pharmakonzern — wird zum Lackmustest.
Die Aktie notiert heute bei 0,93 Euro nach einem Tagesverlust von knapp 9 Prozent. Bei einer annualisierten Volatilität von über 100 Prozent gehört Circio klar in die Kategorie hochspekulativer Biotech-Titel.
Hims & Hers: GLP-1-Umstellung frisst die Marge
Der Einbruch kam mit Ansage — und fiel trotzdem heftiger aus als erwartet. Hims & Hers meldete für das erste Quartal 2026 einen Verlust von 0,40 Dollar je Aktie. Der Konsens hatte einen Gewinn von 0,03 Dollar erwartet. Der Nettoverlust von 92 Millionen Dollar steht im scharfen Kontrast zum Vorjahresgewinn von 49,5 Millionen Dollar.
Der Grund: die Umstellung von günstigeren nachgemischten Abnehmmedikamenten auf teurere Marken-GLP-1-Präparate. Die Bruttomarge schrumpfte von 73 auf 65 Prozent. Das US-Kerngeschäft ging um 8 Prozent zurück.
Wenige Tage nach den Quartalszahlen folgte der nächste Schock. Eine Wandelanleihe über 300 Millionen Dollar, fällig 2032, löste frische Verwässerungsängste aus. Die Aktie verlor am Tag der Ankündigung weitere 8 Prozent. Die Mittel sollen die internationale Expansion finanzieren — darunter die geplante Übernahme von Eucalyptus.
Die Analystenreaktionen fielen gemischt aus. Bank of America senkte das Kursziel auf 30 Dollar, Jefferies auf 24,50 Dollar. Needham hielt dagegen und hob das Ziel auf 35 Dollar an. Der Konsens: Das erste Quartal markiert eine Übergangsphase. Die Partnerschaft mit Novo Nordisk soll monatlich 100.000 neue Abonnenten im Bereich Gewichtsmanagement bringen. Ob das reicht, um die aufgeblähte Bilanz — die Gesamtverbindlichkeiten stiegen um 431 Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar — zu rechtfertigen, muss sich erst noch zeigen.
Pharma-Sektor im Mai: Divergenz als Dauerzustand
Die Bandbreite könnte kaum größer sein. Redcare Pharmacy wächst zweistellig und hat den Analystenkonsens auf seiner Seite. Circio liefert Laborergebnisse, die in Fachkreisen für Gesprächsstoff sorgen — steht aber noch ganz am Anfang der Kommerzialisierung. Carl Zeiss Meditec und Gerresheimer stecken mitten in strukturellen Reparaturarbeiten, wobei Gerresheimers Bilanzprüfung durch die BaFin im Juni zum Katalysator werden kann.
Hims & Hers wiederum zeigt, wie schmerzhaft ein Geschäftsmodellwechsel in Echtzeit ausfallen kann. Die GLP-1-Wette mag langfristig aufgehen — kurzfristig bezahlen Anleger den Preis mit Margenverfall und steigender Verschuldung. In den kommenden Wochen richten sich die Blicke auf Gerresheimers testierten Jahresbericht, Redcares nächsten Quartalsbericht und mögliche Partnerschaftsmeldungen von Circio nach dem Auftritt in Boston.
Carl Zeiss Meditec-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Carl Zeiss Meditec-Analyse vom 18. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Carl Zeiss Meditec-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Carl Zeiss Meditec-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 18. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Carl Zeiss Meditec: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...



