Holcim, L’Oréal, SpaceX: Wie das Ausland deutsche Aktien bewegt
Ausländische Unternehmensmeldungen bewegen deutsche Nachzügler: Baustoffe und Kosmetik profitieren, während Telekom-Aktien auf SpaceX-Pläne reagieren.

- Holcim hebt Gewinnprognose erneut an
- L’Oréal übertrifft Umsatzschätzungen im Quartal
- SpaceX plant 80.000 US-Mobilfunkstandorte
- Bitcoin-ETFs verzeichnen hohe Mittelabflüsse
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die stärksten Unternehmensnachrichten dieser Woche kamen nicht aus dem Chipsektor, sondern von Baustoffen und Kosmetik. Holcim hat seine Gewinnprognose erneut angehoben, L’Oréal hat die Erwartungen deutlich übertroffen. Beide Nachrichten ziehen deutsche Nachzügler mit, deren Aktien noch weit unter ihren Jahreshöchstständen notieren.
Das Muster reicht über diese beiden Fälle hinaus. Die Impulse für deutsche Depots kommen diese Woche auffallend oft von außen, mal als Rückenwind, mal als Gegenwind. Der DAX hat die Woche mit Verlust beendet. Die eigentliche Chance liegt bei den Nachzüglern.
Baustoffe: Holcim legt vor, Heidelberg Materials muss nachziehen
Holcim hat gestern zum zweiten Mal in diesem Jahr die Gewinnprognose angehoben. Im dritten Quartal stieg der wiederkehrende Betriebsgewinn ohne Sondereffekte um 16,8 Prozent und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie des Schweizer Konzerns legte gestern kräftig zu, liegt seit Jahresbeginn aber noch im Minus.
Heidelberg Materials zog am Freitag mit, steht seit Jahresbeginn aber 34 Prozent im Minus. Was spricht für eine Wende? Konzernchef Dominik von Achten sprach gegenüber Reuters von ersten Anzeichen einer Erholung im Bausektor. Als Treiber nannte er den Start der Investitionen aus dem 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket sowie Energie- und Rechenzentrumsprojekte.
Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel für Heidelberg Materials am Dienstag leicht auf 206 Euro gesenkt, empfiehlt die Aktie aber weiter zum Kauf. Die eigentliche Geschichte ist die Bewertungslücke zwischen beiden Konzernen. Wenn Holcim im selben europäischen Baumarkt zweistellig wächst, muss Heidelberg Materials am 4. November mit eigenen Zahlen den Beweis antreten. Nach einem Drittel Kursverlust ist die Fallhöhe überschaubar.
Kosmetik: L’Oréal glänzt, Beiersdorf holt auf
L’Oréal hat am Donnerstag ein starkes drittes Quartal gemeldet. Der Umsatz wuchs vergleichbar, also ohne Effekte aus Zukäufen und Wechselkursen, um 7,7 Prozent. Analysten hatten im Schnitt nur 5,43 Prozent erwartet. Ist das ein Ausreißer? Jefferies sieht eine Trendwende in China und Europa.
Die Aktie von L’Oréal markierte am Donnerstag ein 52-Wochen-Hoch und liegt seit Jahresbeginn 19 Prozent vorn. Auch Barclays bleibt zuversichtlich.
Beiersdorf profitierte am Freitag von diesem Rückenwind. Die Hamburger liegen seit Jahresbeginn noch 10 Prozent im Minus, haben zuletzt aber kräftig aufgeholt. Wer Basiskonsum, also Güter des täglichen Bedarfs, als Schutz vor dem Zinsumfeld nutzen will, findet in Beiersdorf den günstigeren Einstieg in dieselbe Erholung der Kosmetiknachfrage.
Chemie: Evonik bekommt eine neue Preismarke
Die Übernahmesaga um Evonik ist um eine Zahl reicher. BASF ist laut Bloomberg-Kreisen bereit, rund 24 Euro je Evonik-Aktie zu zahlen. Das ist mehr als der Preis, der zuvor gerüchteweise im Umlauf war.
Evonik stieg gestern auf 21,40 Euro und liegt seit Jahresbeginn 60 Prozent höher. Warum notiert die Aktie trotzdem unter dem möglichen Angebot? Die Lücke zwischen Kurs und kolportiertem Preis zeigt, dass der Markt noch nicht an einen Abschluss glaubt.
BASF berichtet in der kommenden Woche eigene Quartalszahlen. Dann dürfte der Konzern erklären müssen, wie er eine Übernahme dieser Größenordnung finanzieren will. Für Evonik-Aktionäre ist das der nächste Termin, auf den sie achten können.
Telekom: Ein neuer Angreifer im US-Mobilfunk
SpaceX plant mindestens 80.000 Mobilfunkstandorte in den USA. An der Börse fiel die Reaktion deutlich aus: AT&T und T-Mobile US verloren gestern je fast 8 Prozent, Verizon gab leicht nach.
Die Deutsche Telekom, Mutter von T-Mobile US, rutschte am Freitag um 3,7 Prozent ab. Das Tief der Telekom-Aktie vom 30. Juni ist damit nicht mehr weit.
Nur ein schlechter Tag? Für Telekom-Aktionäre ist die Nachricht ernster, als der Tagesverlust andeutet. Das US-Geschäft ist der Wachstumsmotor des Konzerns. Ein Angreifer mit Kapital aus dem KI-Geschäft stellt genau dieses Fundament infrage.
Welche fünf Unternehmen vom Aufstieg humanoider Roboter profitieren könnten, die inzwischen in Serie vom Band laufen, zeigt Carsten Müller im Live-Webinar „Der Robo-Boom“. Während Kapital aus dem KI-Geschäft, wie im Fall von SpaceX, bereits etablierte Telekom-Werte unter Druck setzt, sieht Müller in der Robotik-Branche noch eine frühe Phase vergleichbar mit Nvidia vor dessen Kursvervielfachung um mehr als 1.150 Prozent. Morgen, Sonntag, den 25.10.2026, um 18:00 Uhr stellt er live eine dreistufige Triage vor, mit der Anleger künftig jede Roboter-Aktie selbst prüfen können. Im Anschluss an die Übertragung werden die fünf konkreten Namen freigeschaltet, mit denen Teilnehmer am Montagmorgen in die neue Börsenwoche starten können. Jetzt kostenlos zum Webinar „Der Robo-Boom“ anmelden
Bitcoin: Die Anleger ziehen Geld ab
Bitcoin notierte heute Abend bei rund 79.700 Dollar, etwas unter dem Freitagsstand. Am Freitag schloss die Kryptowährung erstmals seit August unter ihrer 50-Tage-Linie. Diese Linie zeigt den Durchschnittskurs der vergangenen 50 Tage und gilt vielen Anlegern als Trendmesser.
Am Donnerstag flossen 635 Millionen Dollar aus den US-Spot-ETFs ab, so viel wie seit Juni an keinem Tag. Diese börsengehandelten Fonds halten Bitcoin direkt. Am Freitag folgten weitere Abflüsse.
Wohin wenden sich die Anleger stattdessen? Diese Woche rotierten sie in US-Staatsanleihen. Solange Anleihen mit Renditen um 5 Prozent als sicherer Hafen attraktiv sind, fehlt Bitcoin das frische Geld für eine Erholung. Immerhin führt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband den Kryptohandel für Privatkunden schrittweise ein, ein struktureller Nachfragekanal für die Zeit nach der Korrektur.
Der globale Kompass
Die kommende Woche entscheidet, ob die Nachzügler dieser Ausgabe Rückenwind bekommen. Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über den Leitzins. Der Markt erwartet eine Pause, hält eine Erhöhung im Dezember aber zu rund 71 Prozent für wahrscheinlich. Am Donnerstag folgt die Europäische Zentralbank.
Dazu kommen Zahlen von BASF, Deutsche Bank, Mercedes-Benz und VW. Für die Autobauer setzte Volvo Cars gestern ein Warnsignal: Die Aktie brach um 24 Prozent ein, dazu kommen ein Sparprogramm und gestrichene Stellen. Die Signale dieser Woche kamen von außen. Den Beweis müssen die deutschen Nachzügler nun selbst liefern, Heidelberg Materials schon am 4. November.
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