Hormuz-Blockade treibt Ölpreis über 105 Dollar — Exxon, Occidental und Deutsche Rohstoff im Rallye-Modus

Die Hormuz-Blockade treibt den Ölpreis auf über 105 Dollar. Ölkonzerne wie Exxon und Occidental sowie die Deutsche Rohstoff profitieren mit starken Quartalszahlen.

Die Kernpunkte:
  • Exxon von Betrugsvorwürfen freigesprochen
  • Occidental übertrifft Gewinnerwartungen deutlich
  • Deutsche Rohstoff meldet Rekordquartal
  • Uranium Energy startet erste neue US-Mine

WTI-Rohöl über 105 Dollar, Brent zeitweise bei 138 Dollar im April, die Straße von Hormuz seit Ende Februar faktisch gesperrt. Die Internationale Energieagentur warnt vor einer Unterversorgung des Marktes bis Oktober — selbst bei einer baldigen Entspannung. Für Ölproduzenten mit Förderung in der westlichen Hemisphäre ist das ein Traumszenario. Für Explorations- und Uranwerte im Energiesektor bleibt die Lage deutlich differenzierter.

Fünf Titel aus dem Energie- und Rohstoffbereich zeigen, wie unterschiedlich dieselbe Makro-Kulisse wirkt: Exxon Mobil und Occidental Petroleum liefern starke Quartalszahlen, Deutsche Rohstoff meldet ein Rekordquartal, Uranium Energy fährt die erste neue US-Mine seit über einem Jahrzehnt hoch — und Refined Energy bohrt im Athabasca-Becken nach Uran, ohne bislang Ergebnisse vorweisen zu können.

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Exxon Mobil: Freispruch, Dividende und der Streit um Texas

Ein texanisches Geschworenengericht hat Exxon Mobil in dieser Woche von Betrugsvorwürfen freigesprochen. Investoren hatten dem Konzern vorgeworfen, in Berichten zu kanadischen Ölsandprojekten und Rocky-Mountain-Gasfeldern Verluste verschleiert, CO₂-Kosten nicht korrekt in Reservenbewertungen eingepreist und Wertminderungen verzögert zu haben. Es war die erste Wertpapier-Sammelklage, die sich auf klimabezogene Bilanzierungsfragen konzentrierte. Der Freispruch beseitigt eine jahrelange juristische Überhangposition.

Im ersten Quartal 2026 übertraf Exxon mit einem bereinigten Gewinn von 1,16 Dollar je Aktie die Konsensschätzungen. Die Quartalsdividende liegt bei 1,03 Dollar je Aktie. Argus Research hob das Kursziel auf 169 Dollar an und verwies auf steigende Förderraten im Permian-Becken und in Guyana.

Politisch brisant: Der Vorstand empfiehlt Aktionären, den Rechtssitz von New Jersey nach Texas zu verlegen — dorthin, wo Konzernzentrale und operative Führung seit 1989 angesiedelt sind. New Yorks Stadtkämmerer fordert die Aktionäre auf, dagegen zu stimmen, da der Schritt das Management zementieren könnte. Die Abstimmung findet am 27. Mai statt.

An der Börse in Frankfurt schloss die Aktie am Freitag bei 135,52 Euro, ein Wochenplus von knapp 11 %. Seit Jahresanfang steht ein Zuwachs von rund 29 % zu Buche.

Occidental Petroleum: Gewinnexplosion, Umsatzlücke und ein neuer Chef

Occidental lieferte im ersten Quartal 2026 ein Ergebnis, das die Erwartungen pulverisierte. Der Nettogewinn lag bei 3,2 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie bei 1,06 Dollar — fast 80 % über dem Analystenkonsens von 0,59 Dollar. Die Gesamtförderung erreichte 1.426 Tausend Barrel Öläquivalent pro Tag und übertraf damit das obere Ende der eigenen Prognose.

Trotzdem verlor die Aktie am Tag nach der Veröffentlichung 7,8 %. Der Grund: Der Umsatz von 5,23 Milliarden Dollar verfehlte das Ziel von 5,55 Milliarden Dollar. Händler straften die Erlöslücke ab, während sie den Gewinnsprung ignorierten — ein Muster, das bei Occidental in den vergangenen Quartalen immer wieder auftrat.

Inzwischen hat sich die Aktie erholt. Am Freitag schloss Occidental in Frankfurt bei 51,29 Euro, ein Plus von gut 5 % an einem einzelnen Tag und fast 14 % innerhalb einer Woche. Zum Jahresstart liegt das Kursplus bei über 41 %.

Gleichzeitig steht ein Führungswechsel bevor: CEO Vicki Hollub tritt am 1. Juni ab, COO Richard Jackson übernimmt. Die Analystenlandschaft ist gespalten:

  • Raymond James hob das Kursziel auf 75 Dollar an (Outperform)
  • UBS senkte auf 65 Dollar
  • Truist kappte auf 57 Dollar

Die Frage, ob der neue CEO Jacksons operativen Fokus beibehalten oder strategisch umsteuern wird, dürfte die Bewertung in den kommenden Monaten mitprägen.

Deutsche Rohstoff: Rekordquartal dank Almonty-Millionen

Kein Titel in dieser Gruppe hat 2026 stärker performt als Deutsche Rohstoff. Das Mannheimer Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Gewinn je Aktie von 21,59 Euro — bei einem Konzernüberschuss von 103,4 Millionen Euro gegenüber 12,5 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Der Sprung hat einen klaren Treiber: Erlöse von rund 97 Millionen Euro aus dem Teilverkauf der Beteiligung an Almonty Industries. Ohne diesen Sondereffekt wäre das Quartal solide, aber nicht rekordverdächtig ausgefallen. Entscheidend ist, was operativ folgt.

Das Eigenkapital kletterte zum 31. März auf 331,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote stieg von 38,1 % auf 47,8 %. In der zweiten Jahreshälfte soll die Förderung 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag überschreiten — vier neue Bohrlöcher gehen Mitte Mai in Produktion.

Die bestätigte Jahresprognose sieht Umsätze von 260 bis 280 Millionen Euro und ein EBITDA von 290 bis 310 Millionen Euro vor. MWB Research setzt das Kursziel bei 129 Euro, der Analystenkonsens liegt zwischen 124 und 129 Euro. Bei einem Freitagsschluss von 97,50 Euro — knapp 5 % unter dem Jahreshoch von 102,60 Euro — bleibt rechnerisch Aufwärtspotenzial von rund 30 %.

Seit Jahresanfang hat die Aktie knapp 96 % zugelegt. Wer im Mai 2025 beim Tief von 34,50 Euro eingestiegen ist, blickt auf eine Verdreifachung.

Uranium Energy: Erste neue US-Uranmine seit über einem Jahrzehnt

Uranium Energy hat die Genehmigung für die Burke-Hollow-Mine in Südtexas erhalten und die Produktion aufgenommen. Es ist die erste neue In-situ-Recovery-Uranmine in den USA seit mehr als zehn Jahren — ein struktureller Meilenstein für ein Unternehmen, das bisher vor allem durch Projektpipeline und Lizenzportfolio auffiel.

Parallel dazu baut das Unternehmen die Kapazitäten am Christensen-Ranch-Standort in Wyoming aus. Sieben weitere Satellitenprojekte verfügen bereits über Genehmigungen. Das Ziel: ein Hub-and-Spoke-Modell mit drei zentralen Verarbeitungsanlagen.

Kurzfristig steht die Aktie unter Druck. Am Freitag schloss Uranium Energy in Frankfurt bei 11,80 Euro, ein Tagesverlust von gut 6 % und ein Wochenminus von 8,5 %. Seit einem technischen Verkaufssignal Anfang der Woche hat der Kurs rund 10 % abgegeben.

Die Analysten bleiben dennoch optimistisch. Fünf Häuser vergeben im Konsens ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 18,95 Dollar — deutlich über dem aktuellen Handelsniveau. Die Kurszielspanne reicht von 15 bis 26,75 Dollar. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 6,7 Milliarden Dollar ist Uranium Energy kein Micro-Cap mehr, aber die negative Gewinnmarge zeigt: Das Unternehmen befindet sich noch im Hochlauf zur Profitabilität. Narrative Umsatzschätzungen projizieren 352 Millionen Dollar Erlös und 121 Millionen Dollar Gewinn bis 2028 — ein ambitionierter Pfad, der jährliches Umsatzwachstum von über 90 % erfordert.

Refined Energy: Bohrprogramm im Athabasca-Becken — ohne Ergebnisse

Refined Energy ist das spekulativste Papier in dieser Runde. Das Unternehmen hat Anfang März 2026 mit dem Bohrprogramm auf der Dufferin-West-Liegenschaft in Saskatchewans Athabasca-Becken begonnen. Mindestens drei Bohrlöcher über insgesamt rund 1.200 Meter sind geplant, gestützt auf elektromagnetische und gravimetrische Voruntersuchungen.

Die Lage ist vielversprechend: Dufferin West grenzt an NexGens SW3-Lagerstätte und liegt etwa 18 Kilometer von Camecos Centennial-Vorkommen entfernt. Die erste Bohrung hat die angezielte Diskordanz erfolgreich durchteuft. Ein hochprioritärer EM-Leiter wird aktuell weiter erbohrt.

Laborergebnisse stehen noch aus. Ohne Assay-Daten bleibt die Bewertung reine Spekulation. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 22 Millionen Kanadischen Dollar, der Nettoverlust auf Zwölfmonatsbasis bei 1,3 Millionen. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,27 Euro — seit Jahresanfang ein Minus von knapp 25 %, obwohl der Kurs in der vergangenen Woche um gut 10 % zulegte. Die Volatilität ist mit annualisiert fast 80 % enorm.

Das geopolitisch getriebene Uran-Narrativ — knappe Versorgung, westliche Autarkie-Bestrebungen — liefert Rückenwind. Fundamentale Substanz fehlt allerdings noch vollständig.

Drei Klassen, ein Rückenwind — aber unterschiedliche Risiken

Die fünf Titel lassen sich in drei klar getrennte Kategorien einordnen:

  • Integrierte Großkonzerne (Exxon, Occidental): Direkte Profiteure der Hormuz-Blockade mit starken Q1-Ergebnissen. Exxon punktet mit juristischer Entlastung, Occidental mit dem höchsten Gewinnübertreffer der Saison — muss aber den CEO-Wechsel und die Umsatzschwäche verdauen.
  • Mittelstand mit Hebel (Deutsche Rohstoff): Rekordquartal durch Beteiligungsverkauf, operative Expansion im Powder-River-Becken gibt dem Titel direkten Ölpreis-Hebel. Die Bewertung preist bereits viel Optimismus ein.
  • Uran-Wetten (Uranium Energy, Refined Energy): Beide profitieren vom geopolitischen Uran-Narrativ, unterscheiden sich aber fundamental. Uranium Energy liefert mit Burke Hollow einen operativen Meilenstein, steht kurzfristig aber unter Abgabedruck. Refined Energy wartet auf Bohrergebnisse, die über Sein oder Nichtsein entscheiden.

Ölmarkt im Ausnahmezustand — was jetzt zählt

Die IEA rechnet mit einem Angebotsdefizit von durchschnittlich 8,5 Millionen Barrel pro Tag im zweiten Quartal. Selbst wenn die Hormuz-Krise gelöst wird, dürfte die Unterversorgung bis in den Herbst anhalten. Die US-Energiebehörde EIA erwartet allerdings einen Rückgang des Brent-Preises auf durchschnittlich 89 Dollar im vierten Quartal — ein Szenario, das die Margen aller fünf Unternehmen spürbar drücken würde.

Für Exxon steht am 27. Mai die Abstimmung über den Sitzwechsel nach Texas an. Bei Occidental werden der CEO-Übergang am 1. Juni und die Q2-Förderprognose zum Stimmungsbarometer. Deutsche Rohstoff muss beweisen, dass die Produktionsausweitung auf über 20.000 Barrel pro Tag die aktuelle Premiumbewertung rechtfertigt. Uranium Energy steht vor der Nagelprobe, ob Burke Hollow planmäßig hochfährt. Und bei Refined Energy entscheiden die Laborergebnisse aus dem Athabasca-Becken darüber, ob aus Exploration ein investierbares Projekt wird.

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