Hormuz-Krise erschüttert Energiemärkte
Erstmals seit Kriegsbeginn passiert ein LNG-Schiff die blockierte Straße von Hormuz. Russland baut unterdessen seine Schattenflotte für LNG-Exporte aus.

- Katar-Tanker durchbricht Blockade
- Russland baut LNG-Schattenflotte auf
- Diplomatie um Waffenstillstand läuft
- Energiekrise belastet US-Verbraucher
Der Krieg im Nahen Osten hat die globalen Energiemärkte in eine Lage manövriert, die es in dieser Form seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Die Straße von Hormuz – durch die in normalen Zeiten täglich rund drei Flüssiggas-Lieferungen passieren – ist de facto blockiert. Die Konsequenzen sind längst nicht mehr regional.
Ein Tanker als Hoffnungszeichen
Anfang Mai durchbrach erstmals seit Kriegsbeginn ein katarischer LNG-Tanker die maritime Blockade. Die „Al Kharaitiyat“ verließ die Straße von Hormuz und befindet sich nun im Golf von Oman – auf dem Weg nach Pakistan. Das klingt nach einer Randnotiz. Ist es aber nicht.
Katar ist einer der bedeutendsten Flüssiggasproduzenten der Welt und stellte zuletzt fast ein Fünftel des globalen LNG-Angebots. Seit Ende Februar stockt der Export nahezu vollständig. Mehrere Versuche, Schiffe durch die Meerenge zu bewegen, scheiterten zuvor, weil die Tanker wegen Sicherheitsbedenken umkehrten. Das US-amerikanische Zentralkommando bestätigt, dass die Seeblockade gegen Iran vollständig durchgesetzt wird – 58 Schiffe wurden umgeleitet, vier Schiffe seit Mitte April außer Gefecht gesetzt.
Der Weg der „Al Kharaitiyat“ entlang der iranischen Küste – einer Route, die Teheran aktuell genehmigt – könnte ein erstes Auftauen signalisieren. Ob daraus eine verlässliche Wiederöffnung des Seewegs wird, ist die entscheidende Frage, die Energiemärkte und Diplomaten gleichermaßen beschäftigt.
Russland nutzt das Vakuum
Während Katar auf eine Normalisierung hofft, nutzt Moskau die Störung gezielt. Im arktischen Murmansk liegt derzeit der Tanker „Merkuriy“ vor Anker – kürzlich auf russische Flagge umgeflaggt und offenbar dabei, LNG aus dem unter westlichen Sanktionen stehenden Arctic-LNG-2-Projekt zu laden. Das Schiff dockte an der Lagereinheit „Saam“ an, einer ebenfalls sanktionierten Anlage.
Der „Merkuriy“ ist kein Einzelfall. Mindestens drei weitere Tanker mit ähnlichem Profil – hohes Alter, jüngste Eigentumsübertragung an eine bislang weitgehend unbekannte Gesellschaft namens Celtic Maritime & Trading – befinden sich auf dem Weg in die Arktis oder sind bereits dort. Alle vier sollen zuvor von einem omanischen Schiffsmanagement betrieben worden sein. Russland baut damit zügig eine parallele, weitgehend unsichtbare Handelsinfrastruktur auf und bietet das sanktionierte LNG offenbar zu deutlichen Preisabschlägen an – ein attraktives Angebot für energiehungrige asiatische Abnehmer, die durch den Hormuz-Stopp unter Druck stehen.
Für westliche Regulatoren wird die Durchsetzung der Sanktionen damit zunehmend komplexer. Die Grauflotte wächst schneller, als sie überwacht werden kann.
Diplomatie unter Hochdruck
Der militärische und wirtschaftliche Druck erzwingt Bewegung auf diplomatischem Terrain. Washington wartet derzeit auf Irans Antwort zu einem ausgehandelten Entwurf für ein Waffenstillstandsabkommen. Teheran signalisiert grundsätzliche Zustimmung, verlangt aber Anpassungen. Trotz anhaltender Gefechte bezeichnet das Weiße Haus den bestehenden Waffenstillstand als intakt.
Katar und Saudi-Arabien koordinieren die Vermittlung. Katars Premierminister traf sich am Wochenende in Miami mit US-Außenminister Marco Rubio und Trumps Nahost-Gesandten Steve Witkoff. Parallel reist Präsident Trump Mitte Mai nach Peking zum Gipfeltreffen mit Xi Jinping – dem ersten Besuch eines amerikanischen Präsidenten in der chinesischen Hauptstadt seit fast einem Jahrzehnt.
Der Gipfel (14.–15. Mai) steht unter mehreren Vorzeichen gleichzeitig: Handelskonflikte, Taiwan und eben der Iran-Krieg. US-Finanzminister Scott Bessent hat China aufgefordert, sich an den Bemühungen zur Wiedereröffnung der Meerenge zu beteiligen. Peking sieht das anders – die Beendigung des Konflikts sei Washingtons Verantwortung. Im Gegenzug drängt China auf eine Lockerung amerikanischer Halbleiter-Exportbeschränkungen, während Washington die Freigabe chinesischer Seltener Erden fordert. Ein Boeing-Deal über bis zu 500 Flugzeuge vom Typ 737 MAX schwebt ebenfalls im Raum.
Wirtschaftliche Kollateralschäden
Die Auswirkungen der Energiekrise reichen weit über die unmittelbare Region hinaus. US-Benzinpreise liegen inzwischen über 4,50 Dollar je Gallone, in Kalifornien sogar über 6,00 Dollar. Für Fluglinien, die ohnehin mit schwächerer Nachfrage kämpfen, sind das schlechte Nachrichten. Aktuelle TSA-Durchleuchtungsdaten zeigen, dass alle großen amerikanischen Carrier die Passagierzahlen im Jahresvergleich nicht halten können. Alaska Air und Southwest Airlines verbuchen Rückgänge von über vier Prozent. Die Branche reagiert mit Kapazitätskürzungen: Die Maiszahl-Kapazitäten für Mai wurden um 0,3 Prozent, für Juni um 0,5 Prozent reduziert.
Dazu kommt ein weiterer Preistreiber, der zunächst wenig mit dem Krieg zu tun hat: Goldman Sachs identifizierte drei Kanäle, über die künstliche Intelligenz die Verbraucherpreise in den USA nach oben drückt. Die gestiegene Nachfrage nach KI-Infrastruktur verteuert Elektronikkomponenten. Softwareunternehmen wie Microsoft oder Adobe heben Abonnementpreise an, sobald sie KI-Funktionen integrieren. Und Rechenzentren treiben in einzelnen US-Regionen die Strompreise. Goldman schätzt, dass KI-bedingte Preiseffekte die Kerninflation im vergangenen Jahr um rund 0,3 Prozentpunkte erhöht haben – ein Trend, der sich nach Einschätzung der Bank im laufenden Jahr fortsetzen wird.
Ein System unter Stress
Die globale Wirtschaftsordnung befindet sich in einem ungewöhnlichen Spannungszustand. Energieblockaden, Schattenflotten, Handelskriege und technologische Preisschübe wirken gleichzeitig. Kanadas Premierminister Mark Carney sprach beim Wochenende von einer „Festung Nordamerika“ – tieferer Handelsintegration mit den USA und Mexiko in strategischen Sektoren – und fügte zugleich hinzu, sein Land werde bei Scheitern dieser Option massiv in neue Märkte investieren.
Ob sich die Straße von Hormuz in den kommenden Wochen verlässlich öffnet, bleibt die alles entscheidende Variable. An ihr hängen Gaspreise, Luftfahrtkosten, Diplomatie und nicht zuletzt die Frage, welche Länder und Akteure aus dieser Krise als Gewinner hervorgehen.
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