Hormuz-Krise spaltet den Ölsektor — Petrobras profitiert, Chevron warnt vor Engpässen

Die Blockade der Straße von Hormuz zieht eine Trennlinie durch die Energiewirtschaft. Während Petrobras von Rekordproduktion profitiert, warnen Chevron und Exxon vor Engpässen.

Die Kernpunkte:
  • Petrobras mit Rekordförderung im Atlantik
  • Chevron-CEO warnt vor Ölkrise wie in den 1970ern
  • Exxon übertrifft Erwartungen trotz Gewinnrückgang
  • Uran-Explorer bereiten erste Bohrungen vor

Die Straße von Hormuz ist seit Wochen für den kommerziellen Schiffsverkehr blockiert, rund 13 Millionen Barrel Tagesproduktion fallen aus. IEA-Chef Fatih Birol spricht von der „größten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte“. Während Produzenten mit Atlantik-Zugang unerwartete Gewinner sind, geraten Golf-exponierte Förderunternehmen unter Druck. Ein Blick auf fünf Energiewerte zeigt, wie unterschiedlich die Krise durch den Sektor schneidet.

Exxon Mobil: Rekordförderung in Guyana federt Gewinnrückgang ab

ExxonMobil hat das erste Quartal 2026 besser abgeschlossen als erwartet. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,16 Dollar — deutlich über den prognostizierten 1,03 Dollar. Die Erlöse erreichten 85,14 Milliarden Dollar. Unter dem Strich ging der Nettogewinn allerdings um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

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Verantwortlich für die Lücke zwischen positiver Überraschung und sinkendem Gewinn ist ein Bilanzierungseffekt bei Derivaten. Absicherungsgeschäfte verursachten einen temporären Verlust von rund vier Milliarden Dollar, weil die zugehörigen Liefererlöse erst in den Folgequartalen verbucht werden. Das Management bezeichnet dies als „Timing-Effekt“ ohne operative Substanz.

Die eigentliche Stärke liegt in Guyana. Die Nettoförderung erreichte 4,6 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag, wobei allein Guyana einen neuen Quartalsrekord von über 900.000 Barrel brutto täglich markierte. Hinzu kam der Start der LNG-Produktion am Golden-Pass-Terminal in Sabine Pass — ein Joint Venture mit QatarEnergy, das die US-Exportkapazität um rund fünf Prozent steigert.

Bemerkenswert: Exxon setzt zunehmend auf KI-gestützte Seismikanalyse. Was früher Monate dauerte, liefert nun innerhalb von Tagen Ergebnisse. Die Technologie hilft auch dabei, bisher ignorierte Lagerstätten neu zu bewerten.

Bei den Analysten gehen die Meinungen auseinander. Scotiabank hob das Kursziel auf 163 Dollar an und bestätigte das Outperform-Rating. Wolfe Research stufte die Aktie dagegen auf „Peer Perform“ herab — nach der starken Kursperformance seien die Anteile ohne höhere Ölpreisannahmen voll bewertet. Die Quartalsdividende bleibt bei 1,03 Dollar je Aktie, das geplante Rückkaufprogramm umfasst 20 Milliarden Dollar für 2026. Bei aktuell 130,98 Euro notiert die Aktie gut zwölf Prozent unter ihrem Jahreshoch.

Chevron: CEO warnt vor Ölkrise wie in den 1970er-Jahren

Nicht die Quartalszahlen, sondern eine eindringliche Warnung von CEO Mike Wirth dominierte diese Woche die Chevron-Schlagzeilen. Die Schließung der Straße von Hormuz werde physische Versorgungsengpässe auslösen, die Auswirkungen könnten „so groß sein wie in den 1970er-Jahren“. Besonders Asien werde zuerst schrumpfen, da die Anpassung an das reduzierte Angebot Zeit brauche.

Die Quartalszahlen selbst fielen deutlich besser aus als befürchtet. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,41 Dollar — 45,6 Prozent über den erwarteten 0,97 Dollar und damit der größte Earnings Beat seit Oktober 2020. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Gewinn allerdings um 35 Prozent.

Der entscheidende Treiber war die Produktionsausweitung. Chevron förderte rund 500.000 Barrel Öläquivalent pro Tag mehr als im Vorjahr, getrieben durch die Integration der Hess-Assets und organisches Wachstum. Gleichzeitig betonte Wirth, dass Chevrons Operationen in Saudi-Arabien, Kuwait und Israel klein seien im Vergleich zu den Positionen in Nord- und Südamerika, Asien und Afrika.

Die Guidance für 2026 bleibt unverändert. Chevron liegt auf Kurs, die strukturellen Kosteneinsparungen von drei bis vier Milliarden Dollar bis Jahresende zu erreichen. Der Analystenkonsens tendiert Richtung Kauf, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 213,48 Dollar. Bei 163,78 Euro liegt die Aktie aktuell rund elf Prozent unter dem Jahreshoch.

Petrobras: Rekordproduktion trifft auf geopolitischen Rückenwind

Der brasilianische Ölriese hat im ersten Quartal 2026 einen neuen Förderrekord aufgestellt. Die Produktion lag bei durchschnittlich 3,23 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag — ein Plus von 16,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein das Búzios-Feld erreichte am 20. März mit 1,037 Millionen Barrel einen Tagesrekord. Die Raffinerieauslastung stieg auf über 95 Prozent, begleitet von rekordhoher Dieselproduktion.

Strategisch wichtig war die Genehmigung der brasilianischen Regulierungsbehörde ANP für die Produktionsvereinbarungen der Sururu- und Berbigão-Felder im Santos-Becken Ende April. Die Abkommen klären die Eigentumsanteile zwischen Petrobras, Shell, TotalEnergies und Petrogal — Petrobras hält 45,394 Prozent an Sururu.

Die strukturelle Position von Petrobras ist in der aktuellen Krise außergewöhnlich stark:

  • Kein Hormuz-Risiko: Sämtliche Förderkapazitäten liegen im Atlantik
  • Niedrige Gewinnschwelle: Break-even bei 28 Dollar pro Barrel, während US-Schieferölproduzenten über 60 Dollar benötigen
  • Asien-Umleitung: Raffinerien in Asien suchen verstärkt nach Alternativen zu Golf-Lieferanten — Petrobras wird zum wichtigsten Nicht-OPEC-Anbieter

Für das Geschäftsjahr 2025 meldete Petrobras einen Nettogewinn von 110 Milliarden Real und schlug Gesamtdividenden von 41,2 Milliarden Real vor. Die Aktie notiert bei 8,00 Euro nahe ihrem Jahreshoch. Am 11. Mai werden die vollständigen Q1-Finanzergebnisse veröffentlicht — Analysten rechnen mit einem deutlichen Gewinnanstieg und haben ihr Kursziel zuletzt von 43,74 auf 46,11 Real angehoben.

Refined Energy: Erstbohrung bestätigt Uran-Strukturen im Athabasca-Becken

Refined Energy bewegt sich in einem völlig anderen Universum als die Ölmajors. Das kanadische Explorationsunternehmen konzentriert sich auf Uran im Athabasca-Becken in Saskatchewan und hat sein erstes Bohrprogramm auf dem Dufferin-West-Projekt abgeschlossen.

Die Ergebnisse zeigen strukturelle Bestätigung. Bohrloch DW26-001 traf den angesteuerten graphitischen Leiter in 381 Metern Tiefe mit assoziierter Brekziierung. DW26-003 erreichte die Diskordanz bei 312 Metern und durchschnitt zwei brekziierte Störungszonen — eine im Sandstein zwischen 104 und 120 Metern mit Bleichung, eine weitere im Grundgebirge mit Brekziierung und Tonbestegen. Insgesamt umfasste das Programm 975 Meter.

Der Markt reagierte verhalten. Am Tag der Veröffentlichung fiel die Aktie knapp sieben Prozent — ein typisches Muster bei Junior-Explorern, wenn erste Bohrungen zwar die Geologie bestätigen, aber noch keine hochgradige Mineralisierung nachweisen. Bei einem aktuellen Kurs von 0,25 Euro und einer Marktkapitalisierung von rund 22 Millionen kanadischen Dollar bleibt Refined Energy ein spekulativer Wert im Frühstadium. Kein Analyst beobachtet die Aktie derzeit. Der nächste Katalysator sind die geochemischen Assay-Ergebnisse der Dufferin-West-Bohrkerne, die zeigen werden, ob Uran-Vektoren vorhanden sind.

Future Fuels: Frisches Kapital für die erste Bohrung auf dem Hornby-Projekt

Auch Future Fuels ist im Uran-Explorationsgeschäft aktiv — allerdings in Nunavut, Kanadas nördlichster Region. Das Unternehmen hat im April eine Privatplatzierung über zwei Millionen kanadische Dollar abgeschlossen. Ausgegeben wurden 2.469.135 Flow-Through-Einheiten zu je 0,81 kanadischen Dollar, jeweils bestehend aus einer Aktie und einem Warrant mit Ausübungspreis von 1,00 Dollar über 24 Monate.

Das Kapital fließt in das Hornby-Basin-Projekt, eine 3.407 Quadratkilometer große Liegenschaft, die das gesamte Hornby-Becken umfasst. Das Gebiet enthält über 40 wenig erforschte Uran-Vorkommen, darunter die historische Mountain-Lake-Lagerstätte. Eine Schwerkraftmessung aus 2025 identifizierte mehrere hochprioritäre Anomalien entlang bedeutender Strukturkorridore.

Im Sommer 2026 steht die erste Bohrkampagne an — bis zu 10.000 Meter Diamantbohrungen mit zwei helikoptertauglichen Bohrgeräten, ergänzt durch geologische Kartierung, geochemische Probenahme und geophysikalische Luftvermessung. Es wäre der allererste Untergrundtest auf dem Projekt. Bei einem Kurs von 0,26 Euro hat die Aktie seit Jahresbeginn rund 47 Prozent verloren. Wie bei Refined Energy deckt kein Analyst den Wert ab.

Atlantik gegen Golf — die neue Trennlinie im Ölsektor

Die Hormuz-Blockade hat eine klare Trennlinie durch den Energiesektor gezogen. Brent-Rohöl berührte Ende April intraday 126 Dollar pro Barrel — ein Vierjahreshoch. Der Rohölpreis ist seit Kriegsbeginn um 57 Prozent gestiegen. US-Benzinpreise liegen bei über 4,48 Dollar pro Gallone, 41 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Exxon und Chevron haben den Schock dank diversifizierter Portfolios besser abgefedert als erwartet — beide schlugen die Konsensschätzungen deutlich. Petrobras steht strukturell am besten da: keine Golf-Exposition, niedrige Förderkosten, wachsende Nachfrage aus Asien. Refined Energy und Future Fuels operieren auf einer anderen Zeitachse. Ihre Katalysatoren sind Bohrergebnisse und Genehmigungen, nicht Quartalszahlen. Beide profitieren indirekt davon, dass die Hormuz-Krise die Debatte über Energiesicherheit und nukleare Diversifizierung beschleunigt.

Fünf Energiewerte, ein gemeinsamer Nenner: Versorgungssicherheit

Petrobras liefert am 11. Mai die vollständigen Quartalszahlen — angesichts der Rekordförderung und der akuten Versorgungslücke erwarten Analysten deutliche Gewinnsprünge. Für Exxon und Chevron hängt vieles davon ab, ob und wann die Straße von Hormuz wieder öffnet. Selbst dann, warnte CEO Wirth, werde die Stabilisierung der Lieferketten Monate dauern. Die aufgeschobenen Absicherungsgewinne bei Exxon sollten im zweiten Quartal sichtbar werden.

Bei den Junior-Explorern stehen binäre Ereignisse bevor. Refined Energy wartet auf Assay-Ergebnisse, Future Fuels bereitet die historisch erste Bohrung auf einem 3.407 Quadratkilometer großen Areal vor. Über alle fünf Werte hinweg gilt: Die Hormuz-Krise hat eine makroökonomische Dringlichkeit in den Energiesektor getragen, wie sie seit den 1970er-Jahren nicht mehr zu spüren war. Die Kluft zwischen atlantisch orientierten Produzenten und Golf-exponierten Förderern dürfte den Rest des Jahres 2026 prägen.

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