IBM Aktie: 3,74 Prozent nach 18-Prozent-Rutsch

IBM-Aktie erholt sich leicht, bleibt aber weit unter den gleitenden Durchschnitten. Analysten uneins über kurzfristige Erholungschancen.

Die Kernpunkte:
  • Kursplus von 3,74 Prozent am Freitag
  • Monatsminus von 18,63 Prozent bleibt bestehen
  • Historischer Einbruch am 14. Juli um 25 Prozent
  • Analysten-Kursziel verspricht 22,7 Prozent Potenzial

Ein Kursplus von 3,74 Prozent klingt nach einer Trendwende. Bei IBM ist es das nicht. Der Titel schloss am Freitag bei 188,38 Euro – nur ein kleiner Sprung nach einem Monat, der Anleger das Fürchten gelehrt hat. Auf 30-Tage-Sicht steht immer noch ein Minus von 18,63 Prozent.

Seit Jahresanfang beläuft sich der Verlust sogar auf 27,52 Prozent. Diese Erholung ist eine technische Reaktion. Sie ist keine Antwort auf die eigentlichen Probleme.

Der Schock vom 14. Juli

Ohne den 14. Juli lässt sich die aktuelle Kursbewegung nicht verstehen. An jenem Tag brach die Aktie um 25 Prozent ein – der schlimmste Handelstag in der Geschichte des Konzerns. Auslöser waren vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal, die deutlich hinter den Erwartungen zurückblieben.

IBM verdiente bereinigt 2,93 Dollar je Aktie – deutlich weniger als die von Analysten erwarteten 3,01 Dollar. Auch beim Umsatz reichte es nicht: 17,2 Milliarden Dollar standen einer Prognose von 17,86 Milliarden Dollar gegenüber. CEO Arvind Krishna nannte den Grund direkt: Kunden verschieben ihre Budgets weg von Software und Infrastruktur, hin zu Hardware wie Speicherchips.

Der vollständige Quartalsbericht bestätigte das Ausmaß wenige Tage später. Im Infrastruktur-Segment brach der Umsatz um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar ein, getrieben von einem Einbruch der Z-Mainframe-Verkäufe um 42 Prozent. IBM reagierte und senkte seine Wachstumsprognose für 2026 auf 4 bis 5 Prozent, nach zuvor über 5 Prozent.

Erst zwei Tage vor dem Freitagsschluss markierte die Aktie mit 175,14 Euro ihr 52-Wochen-Tief. Aktuell liegt sie nur 7,56 Prozent darüber – und satte 35,67 Prozent unter ihrem Juni-Hoch. Das zeigt, wie brüchig die Stimmung weiterhin ist.

Warum die Erholung keine Wende ist

Der Freitagsgewinn wirkt weniger wie Überzeugungskauf. Er sieht eher nach dem Eindecken von Leerverkäufern nach einer überverkauften Talfahrt aus. Der RSI(14) steht bei 35,5 – ein Niveau, das historisch oft eine technische Stabilisierung einleitet.

Allerdings notiert die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 228,64 Euro und ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 233,84 Euro. Das ist ein klassisches Bärenmuster. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei knapp 85 Prozent – heftige Gegenbewegungen bleiben die Regel, nicht die Ausnahme.

Das Management wehrt sich gegen die Sorge, Kunden würden dem Mainframe-Geschäft den Rücken kehren. Finanzchef Kavanaugh sagte, man sehe „keine Anzeichen dafür, dass Kunden vom Mainframe abwandern“, und erwarte „erhebliche Stärke in diesem Programm auch in der zweiten Jahreshälfte“. Das Software-Segment, IBMs größtes und profitabelstes Geschäft, wuchs trotzdem um 5 Prozent auf 7,76 Milliarden Dollar.

Trotzdem hat sich das Vertrauen des Marktes in IBMs Prognosefähigkeit spürbar eingetrübt. Die Analysten-Reaktionen fielen ungewöhnlich uneinheitlich aus. Während Argus sein Kursziel deutlich kappte, hielten andere Häuser an ihren Einschätzungen fest – eine Spaltung, die selbst auf ungewöhnliche Unsicherheit über die kurzfristige Umsetzung hindeutet.

Bewertung als zweischneidiges Schwert

Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 231,11 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 22,7 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Für wertorientierte Anleger klingt das verlockend.

Allerdings sah IBM während dieser gesamten Talfahrt schon mehrfach „günstig“ aus, ohne dass sich ein tragfähiger Boden gebildet hätte. Die Quantencomputing-Ambitionen und das viel beschworene KI-Auftragsbuch bleiben Teil der langfristigen Investmentthese. Kurzfristig liefern sie jedoch keinen Cashflow – und der Juli hat gezeigt, wie hart der Markt reagiert, sobald die Quartalszahlen enttäuschen.

Fazit

Der Freitagssprung ist eine überfällige Erleichterungsrallye in einer überverkauften Aktie. Er ist kein Beweis dafür, dass die fundamentalen Fragen aus dem Juli-Schock beantwortet sind. Mit einem Abstand von fast 20 Prozent zu beiden wichtigen gleitenden Durchschnitten und weiterhin hoher Volatilität eignet sich der Titel eher für geduldige, bewertungsorientierte Investoren als für jene, die auf eine bestätigte Trendwende warten.

Der Abstand zum Kursziel liefert ein plausibles Erholungsszenario. Die jüngste Serie an Ausverkäufen spricht dafür, kurzfristige Stärke mit Vorsicht statt mit Zuversicht zu behandeln.

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