IBM Aktie: Analysten stutzen Erwartungen
IBMs Softwarewachstum bleibt hinter Prognosen zurück, die Aktie verliert stark. Analysten sehen kurzfristig keine Erholung.

- Kunden verlagern IT-Budgets
- Softwareumsatz verfehlt Analystenziele
- Oppenheimer senkt Aktienrating
- Quartalszahlen am 22. Juli
Wenn Unternehmen ihr IT-Budget umschichten, trifft das nicht alle gleich hart. Bei IBM zeigt sich das gerade in Reinform: Kunden verlagern Ausgaben weg von Software hin zu Servern, Speicher und Cybersicherheit — und der Softwareanbieter zahlt den Preis dafür an der Börse.
Der Konzern hatte vorab eingeräumt, diese Verschiebung unterschätzt zu haben. Die Aktie reagierte mit einem Einbruch von rund 25 Prozent. Vorbörslich deutete sich am Mittwoch mit einem Plus von 1,65 Prozent auf 220,65 Dollar zwar eine leichte Erholung an, von einer echten Trendwende kann dabei aber kaum die Rede sein.
Software verfehlt Erwartungen deutlich
Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal 2026 wuchs nur um ein Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Besonders schmerzhaft: Das Softwaregeschäft legte lediglich um 5 Prozent zu, Analysten hatten mit 12 Prozent gerechnet. IBM begründete die Lücke mit dem eng an das Mainframe-Geschäft gekoppelten Software-Stack sowie mit Geschäftsabschlüssen, die sich über das Quartalsende hinaus verschoben hätten, nach Unternehmensangaben aber nicht verloren gingen.
Etwas Trost bot Red Hat mit einem beschleunigten Wachstum von 11 Prozent, dazu kamen anhaltend starke Beiträge von HashiCorp und Confluent. Das reichte allerdings nicht, um die Schwäche im Kerngeschäft auszugleichen. Auch das Infrastrukturgeschäft enttäuschte mit einem Rückgang von 7 Prozent, stärker als erwartet, während das Beratungsgeschäft stagnierte statt wie prognostiziert leicht zuzulegen.
Oppenheimer streicht Kursziel
Oppenheimer reagierte prompt und stufte die Aktie von einer bullishen Einstufung auf „Perform“ herab. Das bisherige Kursziel von 350 Dollar wurde komplett gestrichen. Analyst Param Singh verwies darauf, dass IBM in sämtlichen Segmenten sowohl die eigenen Schätzungen des Analysehauses als auch den breiteren Konsens verfehlt habe.
Nach Einschätzung von Oppenheimer dürfte es für IBM schwierig werden, ohne größere Zukäufe oder eine deutliche Aufholjagd bei Geschäftsabschlüssen in den kommenden zwei Jahren ein zweistelliges währungsbereinigtes Softwarewachstum zu erreichen. Kurzfristig rechnet Singh mit einer Aktie in einer engen Handelsspanne, während die Budgetverschiebung Server- und Speicheranbietern eher zugutekommen dürfte als Anbietern von Infrastruktursoftware.
Die für den 22. Juli angesetzte Telefonkonferenz zu den offiziellen Quartalszahlen dürfte nun mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Dort muss der Konzern zeigen, ob die verschobenen Geschäftsabschlüsse tatsächlich nachgeholt werden — oder ob die Softwareschwäche struktureller Natur ist.
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