IBM Aktie: Chip-Durchbruch verpufft
IBM präsentiert weltweit ersten Sub-Nanometer-Chip, die Aktie gibt frühe Gewinne jedoch wieder ab. Analysten sehen Potenzial im Softwaregeschäft.

- Neuer Chip mit 0,7 Nanometern
- Kursgewinne nach Börsenstart verflogen
- JPMorgan stuft Aktie hoch
- Kooperation im Cybersicherheitsbereich
Ein technologischer Meilenstein, der die Grenzen der Physik neu zieht — und der Markt zuckt trotzdem mit den Schultern. IBMs Aktie legte nach der Ankündigung eines Sub-Nanometer-Chips zunächst rund fünf Prozent im vorbörslichen Handel zu, gab diese Gewinne nach der Eröffnungsglocke aber vollständig wieder ab.
Was IBMs neue Nanostack-Architektur kann
Der neue Chip arbeitet auf einer Strukturbreite von 0,7 Nanometern — das ist die weltweit erste Chiptechnologie unterhalb der Ein-Nanometer-Schwelle, die bislang als physische Barriere der Halbleiterentwicklung galt. Das Herzstück ist die sogenannte Nanostack-Architektur: Transistoren werden dreidimensional vertikal übereinandergestapelt, was die Packungsdichte erheblich steigert. Nahezu 100 Milliarden Transistoren sollen auf einem fingernagelgroßen Chip Platz finden — rund doppelt so viele wie beim 2-Nanometer-Chip, den IBM 2021 präsentiert hatte.
Die technischen Leistungsversprechen sind beachtlich: bis zu 50 Prozent mehr Rechenleistung oder alternativ 70 Prozent höhere Energieeffizienz gegenüber der vorherigen Generation. Bis zur Marktreife rechnet IBM allerdings noch mit bis zu fünf Jahren.
Analysten und Partnerschaften als Rückenwind
JPMorgan stufte die Aktie am 23. Juni von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch und erhöhte das Kursziel auf 291 Dollar. Begründung: Das Softwaregeschäft erwirtschaftet weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes, trägt aber rund zwei Drittel des Gewinns bei — eine Profitabilitätsstruktur, die nach Ansicht der Bank eine höhere Bewertung rechtfertigt.
Parallel dazu kündigte IBM gemeinsam mit Palo Alto Networks und Red Hat eine Kooperation im Bereich Cybersicherheit an. Im Fokus steht die Integration von Virtual-Patching-Funktionen in das Open-Source-Projekt „Project Lightwell“, das mit rund fünf Milliarden Dollar ausgestattet ist.
Warum der Kurs dennoch nachgibt
Die Kursbewegung spiegelt ein klassisches „Buy the rumor, sell the news“-Muster wider. Der Chip-Durchbruch ist beeindruckend — aber er liegt Jahre von der Kommerzialisierung entfernt. Kurzfristige Gewinnimpulse lassen sich daraus nicht ableiten. Für die Aktie ist das Nasdaq-Geschäft des heutigen Tages damit vor allem eines: eine Erinnerung daran, dass selbst historische Forschungsergebnisse den Markt nur so lange begeistern, bis der nächste Kurs-Realitätscheck folgt. Konkretere Signale zur kommerziellen Verwertung der Nanostack-Technologie dürften frühestens mit den nächsten Quartalsergebnissen im Juli erwartet werden.
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