IBM Aktie: HRL-Übernahme für Q3 2026 geplant

IBM-Aktie zeigt erste Erholung nach schwerstem Einbruch seit 1968. Analysten reagieren mit gemischten Kurszielen, während der Konzern auf Quantencomputing setzt.

Die Kernpunkte:
  • Erste Stabilisierung nach historischem Einbruch
  • Analysten senken Kursziele uneinheitlich
  • Übernahme von HRL Laboratories geplant
  • Quantencomputing als strategischer Wachstumsmarkt

Nach dem schwersten Kurseinbruch der Firmengeschichte zeigt die IBM-Aktie erste Stabilisierungstendenzen. Im deutschen Handel schloss das Papier am Freitag bei 188,38 Euro, ein Plus von 3,74 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Jahressicht bleibt der Titel jedoch mit 27,52 Prozent im Minus – die Nachwirkungen der Gewinnwarnung vom 14. Juli sind noch nicht verdaut.

Der Absturz und seine Ursachen

Mitte Juli hatte IBM vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, die deutlich unter den Erwartungen blieben. Die Aktie brach daraufhin um rund 25 Prozent ein und löschte etwa 67 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung an einem einzigen Handelstag aus – der schwerste Rückschlag seit 1968. Die vollständigen Quartalszahlen bestätigten das Bild: Der Umsatz stieg nur um ein Prozent auf 17,2 Milliarden US-Dollar und verfehlte die Konsensschätzung von rund 17,85 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,93 US-Dollar gegenüber erwarteten 3,01 US-Dollar.

Hauptbelastung war das Infrastrukturgeschäft, das um sieben Prozent zurückging – der Umsatz mit der Mainframe-Baureihe Z brach sogar um 42 Prozent ein. CEO Arvind Krishna führte dies auf Kunden zurück, die ihre Budgets zugunsten von KI-Hardware verschoben hätten; Preiserhöhungen von 15 bis 30 Prozent bei KI-Komponenten hätten Mainframe-Käufe zusätzlich verzögert. Finanzchef Kavanaugh betonte, dass jeder Dollar an Mainframe-Hardware in der Regel etwa das Dreifache an Softwareumsatz nach sich ziehe – ein Grund, warum die Verzögerungen auch auf andere Segmente durchschlugen. Krishna berichtete zugleich, dass rund 30 Prozent der verschobenen Abschlüsse in den vergangenen drei Wochen nachträglich unterschrieben worden seien; bis Jahresende erwarte er eine Quote von 75 Prozent. IBM senkte daraufhin die Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf 4 bis 5 Prozent, nachdem zuvor mehr als 5 Prozent in Aussicht gestellt worden waren, hielt aber an der erwarteten Verbesserung des freien Cashflows um eine Milliarde US-Dollar fest.

Analysten reagieren uneinheitlich

Die Kurszielsenkungen ließen nicht lange auf sich warten. Bernstein strich das Kursziel von 280 auf 230 US-Dollar und stufte auf Market Perform herab, mit Verweis auf die Verzögerungen bei Mainframe- und Transaktionsverarbeitungsdeals. Susquehanna kappte die Zielmarke von 303 auf 225 US-Dollar und beließ die Einstufung bei Neutral; Analyst James Friedman sprach von vielen positiven Aspekten, warnte aber, die Guidance könnte weiterhin zu konservativ ausgelegt sein. Citigroup senkte sein Ziel von 255 auf 245 US-Dollar, bekräftigte aber die Kaufempfehlung. Der Analystenkonsens liegt trotz der Herabstufungen weiterhin bei einem moderaten Kaufvotum mit einem Kursziel von durchschnittlich 265,40 US-Dollar, wobei die Bandbreite der Einzelmeinungen von 191 bis 375 US-Dollar reicht. Am Freitag registrierten Händler zudem eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Call-Optionen auf IBM, ein Signal, dass Teile des Marktes auf eine weitere Erholung setzen.

Quantencomputing als Wachstumshoffnung

Parallel zur Aufarbeitung des Kurseinbruchs treibt IBM seine Zukunftsstrategie voran. Der Konzern vereinbarte die Übernahme von HRL Laboratories, einem bislang von Boeing und General Motors gehaltenen Forschungslabor mit Expertise in Silizium-Spin-Qubits und Quantensensorik; der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Die Übernahme ist Teil einer geplanten Investition von 10 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre in Quantentechnologie, mit der IBM bis 2029 einen fehlertoleranten Quantencomputer bauen will. In Albany im US-Bundesstaat New York entsteht zudem die Quanten-Foundry Anderon, finanziert je zur Hälfte vom US-Handelsministerium und von IBM. Daneben wuchs das Red-Hat-Geschäft weiter zweistellig, während das Consulting-Segment mit 5,3 Milliarden US-Dollar stagnierte.

Die Kanzlei Bronstein, Gewirtz & Grossman kündigte unterdessen eine Untersuchung möglicher Ansprüche von IBM-Aktionären an, nachdem die Aktie nach der vorläufigen Quartalsmeldung im Frühhandel um 24,6 Prozent eingebrochen war. Details zu einer möglichen Klage liegen bislang nicht vor.

Charttechnisch angeschlagen

Die jüngste Erholung ändert wenig am mittelfristigen Bild: Vom 52-Wochen-Hoch bei 292,85 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie noch immer rund 35,67 Prozent. Anleger dürften die kommenden Wochen genau beobachten, ob sich die von Krishna in Aussicht gestellte Nachholquote bei den verschobenen Aufträgen tatsächlich materialisiert – davon hängt ab, ob sich der jüngste Kursanstieg als nachhaltige Trendwende oder als kurzfristige Gegenbewegung erweist.

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