IBM Aktie: Kanzleien untersuchen 25-Prozent-Crash

Mehrere US-Anwaltskanzleien untersuchen mögliche Verstöße gegen Wertpapierrecht bei IBM nach der Gewinnwarnung im Juli.

Die Kernpunkte:
  • Ermittlungen gegen IBM eingeleitet
  • Fokus auf Aussagen vor Gewinnwarnung
  • Aktie zeigt leichte Erholungstendenzen
  • Rechtliche Klärung bleibt abzuwarten

IBM kommt nicht zur Ruhe. Nach dem historischen Kurssturz im Juli haben mehrere US-Kanzleien Untersuchungen gegen den Technologiekonzern eingeleitet. Sie prüfen, ob IBM Anleger vor der Gewinnwarnung im Unklaren gelassen hat.

Neue Ermittlungen zielen auf Aussagen vor der Warnung

Die Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro kündigte am 28. Juli eine Untersuchung möglicher Verstöße gegen US-Wertpapierrecht an. Im Zentrum steht CEO Arvind Krishna. Er hatte am 14. Juli 2026 katastrophale Zahlen für das zweite Quartal vorab angedeutet.

Die Marktreaktion fiel brutal aus. IBM-Aktien brachen um 25 Prozent ein, mehr als 68 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung verschwanden an einem einzigen Tag. Die Kanzlei prüft nun gezielt Aussagen zu IBM Z, der Mainframe-Reihe des Konzerns, die für Zuverlässigkeit und Sicherheit im Unternehmensgeschäft steht.

Anwalt Reed Kathrein, der die Untersuchung leitet, formuliert die Kernfrage so: Wusste IBM bereits im zweiten Quartal, dass wichtige Großaufträge nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten? Und wenn ja — wann genau?

Parallel dazu hat die Kanzlei Bleichmar Fonti & Auld eine eigene Untersuchung eröffnet. Drei Ankündigungen binnen weniger Tage — am 24., 27. und 29. Juli — zeigen: Der rechtliche Druck wächst, statt nachzulassen. Im Kern geht es um denselben Vorwurf: IBM könnte den Markt über die Auftragspipeline getäuscht haben, bevor die Warnung am 14. Juli kam.

Die Warnung, die alles auslöste

Der Ursprung der Krise liegt in einem Aktionärsbrief. Darin räumte Krishna ein, dass der Gesamtumsatz nur um magere 1 Prozent gestiegen sei. Der Infrastruktur-Umsatz brach sogar um 7 Prozent ein — beides deutlich schwächer als zuvor in Aussicht gestellt.

Krishna suchte keine Ausreden. „Was sich entwickelte, war schlechter als erwartet, getrieben durch einen Einbruch bei unserer Z-Performance und dem zugehörigen Software-Stack, vor allem im Transaction Processing“, erklärte der CEO. Er nannte verschobene Investitionsentscheidungen der Kunden als Mitgrund — und räumte ein eigenes Versäumnis ein: Das Unternehmen habe sich nicht schnell genug angepasst.

Die offizielle Quartalsbilanz bestätigte kurz darauf das Bild. Schwaches Mainframe-Geschäft traf auf robustere Entwicklung in anderen Konzernteilen.

Aktie stabilisiert sich, Rechtsrisiko bleibt

Trotz der juristischen Hängepartie zeigt der Kurs Erholungstendenzen. IBM schloss am Mittwoch bei 198,26 Euro, ein leichtes Minus von 0,72 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 9,19 Prozent zu Buche.

Die Erholung wirkt beachtlich — solange man den Ausgangspunkt kennt. Zwischen dem 13. und 15. Juli war der Kurs um 27 Prozent eingebrochen. Vom bisherigen Jahreshoch bei 292,85 Euro, erreicht am 1. Juni, liegt IBM aktuell noch 32,30 Prozent entfernt. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt fällt mit 14,93 Prozent deutlich aus — ein Hinweis darauf, wie viel technischer Schaden noch aufzuholen ist.

Analysten sind sich uneinig, wie es weitergeht. Daten von Zacks Research zeigen ein durchschnittliches Kursziel mit nur moderatem Aufwärtspotenzial, während das obere Ende der Schätzungen deutlich höher liegt. Diese Spanne spiegelt wider, wie unterschiedlich die Investmentbanken den Schock nach der Gewinnwarnung einordnen.

Ausblick: Rechtliche Klarheit als Voraussetzung

Mit mehreren Kanzleien, die IBMs Informationspolitik durchleuchten, hängt die weitere Kurserholung nicht nur von operativen Fortschritten ab. Formale Klagen oder erste Ergebnisse der Untersuchungen dürften die Stimmung in den kommenden Wochen mitbestimmen — selbst wenn sich das Mainframe- und Softwaregeschäft operativ stabilisiert.

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