IBM Aktie: Morgan Stanley senkt Ziel von 293 auf 190 Dollar

IBM verfehlt Umsatzerwartungen im zweiten Quartal, senkt Jahresprognose und kämpft mit schwachem Hardwaregeschäft.

Die Kernpunkte:
  • KI bedroht nur zwei Prozent der Software
  • Umsatz verfehlt Analystenerwartungen deutlich
  • Mainframe-Geschäft bricht um 42 Prozent ein
  • Cashflow-Ziel erfordert starke zweite Jahreshälfte

IBM-Chef Arvind Krishna hat sich am 23. Juli deutlich gegen die Sorge gewehrt, künstliche Intelligenz könnte das Softwaregeschäft des Konzerns aushöhlen. Nur zwei Prozent der IBM-Software seien durch KI ersetzbar, erklärte Krishna – umgerechnet rund 155 Millionen Dollar pro Quartal oder 620 Millionen Dollar im Jahr. Die Aussage kam zu einem Zeitpunkt, an dem Anleger nach enttäuschenden Quartalszahlen ohnehin nach Beruhigung suchten.

Verfehlte Erwartungen, tiefer Einbruch bei Mainframes

Im zweiten Quartal 2026 setzte IBM 17,16 bis 17,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von einem Prozent – der Konsens hatte mit 17,58 Milliarden Dollar deutlich mehr erwartet. Der Nettogewinn sank leicht um ein Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Das Softwaregeschäft wuchs zwar um fünf Prozent auf 7,76 Milliarden Dollar und macht inzwischen 45 Prozent des Konzernumsatzes aus, verfehlte damit aber ebenfalls die Erwartung von 7,88 Milliarden Dollar. Innerhalb der Sparte lief es höchst unterschiedlich: Red Hat legte um elf Prozent zu, während das Transaktionsverarbeitungsgeschäft neun Prozent verlor. Am schwersten traf es die Infrastruktursparte, die um sieben Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar zurückfiel – getrieben von einem Einbruch der Mainframe-Linie IBM Z um 42 Prozent. Krishna erklärte den Rückgang mit aufgeschobener statt vernichteter Nachfrage: Kunden hätten wegen Preiserhöhungen zunächst verstärkt Hardware statt Software geordert. CFO Kavanaugh ergänzte, ein Drittel der im Quartal verschobenen Geschäfte sei im Juli bereits abgeschlossen worden. IBM senkte dennoch seine Jahresprognose für das Umsatzwachstum auf 4 bis 5 Prozent, nachdem zuvor mehr als 5 Prozent in Aussicht standen.

Cashflow-Ziel wird zur Belastungsprobe

Besonders im Fokus der Anleger steht der freie Cashflow. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete IBM 4,8 Milliarden Dollar – exakt auf Vorjahresniveau. Damit der Konzern sein Jahresziel erreicht, muss die zweite Jahreshälfte rund 10,9 Milliarden Dollar beisteuern, gut zehn Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Das ist eine ambitionierte Vorgabe angesichts der schwächelnden Hardware-Sparte. Gleichzeitig blieb IBM auf der Investitionsseite aktiv: Im ersten Halbjahr flossen 10,5 Milliarden Dollar in Übernahmen, darunter der noch unbezifferte Kauf von HRL Laboratories. Zum Ende des Quartals verfügte der Konzern über 8,2 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln, dem stehen Schulden von 62 Milliarden Dollar gegenüber.

Analysten uneins, Kurs bleibt unter Druck

Die Reaktionen der Analysten fielen gespalten aus. Morgan Stanley kappte sein Kursziel deutlich von 293 auf 190 Dollar und verwies auf die strukturellen Probleme im Hardwaregeschäft. Stifel senkte sein Ziel zwar ebenfalls, von 290 auf 235 Dollar, beließ die Aktie aber auf Kaufen. Der Analyst Brooks Idlet von CFRA sprach von IBM-spezifischen Hardwareproblemen statt eines branchenweiten Trends. Simply Wall St hält die Aktie auf Basis der Q2-Zahlen sogar für gut 16 Prozent unterbewertet und beziffert den fairen Wert auf 256,08 Dollar – bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,9, das über dem Branchenschnitt von 17,4 liegt.

Am deutschen Handelsplatz zeigte sich die Aktie zuletzt widerstandsfähig: Am Freitag schloss das Papier bei 188,38 Euro, ein Plus von 3,74 Prozent auf Tagesbasis. Der Kurs notiert damit nur noch 7,56 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief, das er am 23. Juli markiert hatte. Der Relative-Stärke-Index von 35,5 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin, was die jüngste Gegenbewegung erklären könnte – von einer nachhaltigen Trendwende ist angesichts eines Kursrückgangs von rund 21 Prozent auf Monatssicht und knapp 28 Prozent seit Jahresbeginn aber noch nicht auszugehen.

Abseits des laufenden Geschäfts sorgte IBM zuletzt auch mit seinem Quantencomputing-Engagement für Schlagzeilen. Die US-Regierung kündigte an, zwei Milliarden Dollar in neun Quantencomputing-Firmen zu investieren, darunter IBMs Chip-Venture Anderon, das allein eine Milliarde Dollar erhält. IBM selbst hatte bereits zuvor angekündigt, über fünf Jahre mehr als zehn Milliarden Dollar in Quantentechnologie zu stecken – ein langfristiges Zukunftsfeld, das kurzfristig aber nichts an der Cashflow-Herausforderung des laufenden Jahres ändert.

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