IBM Aktie: Power-Server schießen 37 Prozent hoch
IBM-Aktie erholt sich um fast 7% vom 52-Wochen-Tief. Analysten diskutieren, ob die Erholung eine nachhaltige Trendwende einleitet oder nur eine kurze Verschnaufpause bleibt.

- Kurserholung von 6,72 Prozent binnen sieben Tagen
- Quartalszahlen verfehlten Analystenerwartungen
- CEO spricht von verschobenen, nicht verlorenen Deals
- Chart zeigt weiterhin Abstand zu Trendlinien
IBM-Aktie schießt am Dienstag um 3,94 Prozent auf 196,98 Euro nach oben. Binnen sieben Handelstagen hat sich der Kurs um 6,72 Prozent erholt – nur wenige Tage, nachdem die Aktie bei 175,14 Euro ihr 52-Wochen-Tief markierte. Reicht dieser Rückprall aus, um eine echte Trendwende zu signalisieren? Der Chart selbst liefert bislang keine eindeutige Antwort.
Ein hässlicher Ausgangspunkt
IBM hatte Investoren bereits vor der vollständigen Bilanz gewarnt. Die Quartalszahlen bestätigten dann die Befürchtungen.
Der bereinigte Gewinn je Aktie verfehlte mit 2,93 US-Dollar die Analystenschätzung von 2,97 US-Dollar knapp. Beim Umsatz war der Rückstand deutlicher: 17,16 Milliarden US-Dollar standen einer Erwartung von 17,58 Milliarden US-Dollar gegenüber.
Im Infrastrukturgeschäft sackte der Umsatz um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden US-Dollar ab. Besonders hart traf es die Z-Mainframe-Sparte: Hier brach der Umsatz um 42 Prozent ein. Diese Kombination aus verfehlten Erwartungen und gesenkter Prognose für 2026 drückte die Aktie auf die Tiefstände, von denen sie jetzt zurückprallt.
Die Bullen-Sicht: Nur eine Verschiebung
Es gibt ein legitimes Argument, dass der Markt überreagiert hat. CEO Arvind Krishna erklärte Analysten, rund ein Drittel der verschobenen Deals sei bereits Anfang des dritten Quartals abgeschlossen worden. Seine Formulierung: „Verschiebung, keine Vernichtung.“
Laut Krishna verzögerten Kunden ihre Mainframe-Investitionen, um stattdessen Server und andere Hardware zu kaufen – ausgelöst durch branchenweite Chip-Engpässe, die die Preise nach oben trieben. Ein Drittel der verzögerten Deals aus dem zweiten Quartal schloss IBM kurz nach Quartalsende ab. Wenn Krishna recht behält und es sich tatsächlich nur um ein Timing-Problem handelt, ergibt die aktuelle Kursbewegung Sinn – als berechtigte Neubewertung aus überverkauften Bedingungen heraus.
Hinzu kommt ein Segment, das die Erwartungen deutlich übertraf. Das Geschäft mit Power-Servern und Storage-Lösungen lieferte das beste Quartalswachstum der Firmengeschichte: plus 37 Prozent, mit einem Auftragsbestand von 500 Millionen US-Dollar zum Quartalsende. Diese Dynamik veranlasste IBM, die Wachstumsprognose für den gesamten Infrastrukturbereich um zwei Prozentpunkte anzuheben. Ein Ausgleich, den die Panikverkäufe im Juli weitgehend ignorierten.
Dieses Argument überzeugt mich – aber es bleibt unvollständig. IBMs eigene Kommentare offenbaren einen vorsichtigeren Unterton, als es die Bullen zugeben wollen. Das Management warnte vor makroökonomischer Unsicherheit und Budgetzurückhaltung bei Kunden. Firmen priorisieren demnach Infrastrukturkäufe und könnten andere Ausgaben weiter verschieben. Das ist nicht die Sprache eines Unternehmens, das die Störung für vollständig überwunden hält. Es klingt nach einer Absicherung.
Der Chart warnt weiter vor Zerbrechlichkeit
Trotz der Rally bleibt IBM tief unter jeder relevanten Trendlinie. Der Kurs liegt 13,87 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 15,57 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro fehlen weiterhin 32,74 Prozent.
Der RSI von 41,2 zeigt, dass die Aktie noch Raum nach oben hat, bevor sie technisch überkauft wäre. Auffälliger ist die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 85,81 Prozent – ein außergewöhnlicher Wert für einen dividendenstarken Large-Cap-Wert.
Das ist nicht das Volatilitätsprofil einer Aktie, die ihren Boden gefunden hat. Es ist die Signatur eines Marktes, der noch immer über IBMs fundamentale Richtung streitet.
Vorsichtig konstruktiv
Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 177,40 Milliarden Euro – weiterhin deutlich unter dem Niveau, das das 52-Wochen-Hoch impliziert hätte. Das Management selbst hat anhaltende Unsicherheit bei Deal-Timing und KI-getriebenen Verschiebungen im Infrastruktur-Kapex eingeräumt.
Die vorsichtigere Lesart: Die aktuelle Rally ist eine berechtigte Bereinigung überverkaufter Extreme, keine bestätigte Trendwende.
Die Verschiebung der KI-Infrastrukturausgaben, die IBM Mitte Juli abstürzen ließ, ist nicht verschwunden. Das Management hat sie lediglich als vorübergehend eingeordnet. Für 2026 erwartet IBM nun ein Wachstum im niedrigen einstelligen Bereich im Infrastruktursegment, gestützt auf frühe Deal-Abschlüsse und starkes wiederkehrendes Softwarewachstum.
Bestätigt sich Krishnas These über die kommenden ein bis zwei Quartale, dürfte sich das Bild deutlich aufhellen. Entscheidend sind stabile Z-Mainframe-Umsätze und weitere frühe Abschlüsse aus dem verschobenen Auftragsbestand.
Bis dahin bleibt der Weg der Aktie wahrscheinlich volatil und range-gebunden – statt sauber in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts nahe 233 Euro zu drehen. Die aktuelle Rally verdient Respekt. Die Distanz zu jedem längerfristigen technischen Anker rechtfertigt zugleich Skepsis an ihrer Dauerhaftigkeit.
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