IBM Aktie: Quartalsbericht vom 22. Juli

IBMs Quartalszahlen enttäuschen: Gewinn- und Umsatzprognose verfehlt. Kunden investieren in KI-Infrastruktur, was Mainframe- und Softwaregeschäft belastet.

Die Kernpunkte:
  • Schwerster Kurseinbruch der Firmengeschichte
  • KI-Investitionen verdrängen traditionelle IBM-Sparten
  • Infrastrukturumsatz schrumpft um sieben Prozent
  • Wachstumsziele für 2026 nach unten korrigiert

Fünf Jahre lang hat IBM-Chef Arvind Krishna eine Geschichte erzählt: stetige, KI-gestützte Erneuerung. Diesen Monat prallte diese Geschichte auf genau den Boom, von dem sie profitieren sollte. Das Ergebnis: der schlimmste Ein-Tages-Einbruch in der 115-jährigen Firmengeschichte.

Wenn die Wende-Story auf die Realität trifft

Am 14. Juli schockte IBM die Märkte mit einer vorläufigen Gewinnwarnung. Die Aktie brach um 25 Prozent ein. Die Erklärung dafür hatte fast etwas Ironisches: Nicht schwache KI-Nachfrage schadete IBM, sondern der KI-Boom selbst.

Krishna schrieb, Kunden hätten in den letzten Juni-Wochen ihre Quartalsbudgets kurzfristig umgeschichtet. Sie sicherten sich lieber Server, Speicher und Memory-Bausteine, bevor die knappen Komponenten teurer werden. Das Ausmaß dieser Verschiebung habe das Management nicht kommen sehen.

Der offizielle Quartalsbericht vom 22. Juli bestätigte den Schaden, statt ihn zu lindern. IBM meldete einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,93 Dollar, erwartet waren 2,97 Dollar. Der Umsatz blieb mit 17,16 Milliarden Dollar unter der Prognose von 17,58 Milliarden Dollar, der Nettogewinn sank im Jahresvergleich auf 2,17 Milliarden Dollar.

Besonders hart traf es die Infrastruktursparte: Sie schrumpfte um 7 Prozent auf 3,84 Milliarden Dollar. Beim Z-Mainframe-Geschäft brach der Umsatz sogar um 42 Prozent ein. Für 2026 kappte das Management zudem seine Wachstumsziele: Statt der im April noch avisierten über 5 Prozent rechnet IBM nun nur noch mit 4 bis 5 Prozent Umsatzwachstum bei konstanten Wechselkursen.

Ein Konzern in der Zange

Was diesen Fall über eine gewöhnliche Verfehlung hinaushebt, ist der Mechanismus dahinter. Analysten beschreiben ein Unternehmen in der Zange: Unternehmenskunden stecken ihr Geld in KI-Infrastruktur. Genau dieses Geld fehlt dann für Software, Beratung und Mainframe-Geschäfte – historisch das Herzstück von IBMs Profitabilität.

Ein Analyst bringt es auf den Punkt: Firmen verschieben ihre Investitionsbudgets auf andere Plattformen, Mainframe-Upgrades werden vertagt. Das ist ungewöhnlich, gilt diese Infrastruktur doch normalerweise als geschäftskritisch. Ein zweiter Beobachter ergänzt: Der Effekt trifft IBM doppelt. Er belastet Hardware und Infrastruktur direkt, zieht aber auch die Software-Umsätze mit nach unten, weil Mainframe-Verkäufe traditionell Softwarelizenzen nach sich ziehen.

Nicht jede Stimme an der Wall Street liest darin ein existenzielles Problem. Kirk Materne von Evercore ISI hält den Ausverkauf für übertrieben als Signal einer grundsätzlichen Schwäche im Softwaresektor. Er interpretiert die Reaktion eher als gezielte Sorge um IBM speziell, nicht als Urteil über die Branche.

Die Lichtblicke im Bericht vom 22. Juli stützen diese mildere Lesart. Der Software-Umsatz stieg um 5 Prozent auf 7,76 Milliarden Dollar. Red Hat wuchs um 11 Prozent, die Datensoftware-Sparte sogar um 19 Prozent. Die verteilte Infrastruktur legte um 37 Prozent zu und fing damit einen Teil des Mainframe-Einbruchs auf.

Was der Kurs verrät

Zahlen auf einem Chart kennen keine Nuancen, und IBMs Chart zeigt derzeit eine Aktie in der technischen Zwickmühle. Am Freitag schloss das Papier bei 188,38 Euro, ein Plus von 3,74 Prozent – aber diese Erholung steckt in einem viel tieferen Einbruch: minus 18,63 Prozent binnen 30 Tagen, minus 27,52 Prozent seit Jahresbeginn.

Zum Vergleich: Das 52-Wochen-Hoch von 292,85 Euro datiert vom 1. Juni, gerade einmal sieben Wochen her. Heute liegt der Kurs rund 36 Prozent darunter – eine andere Welt, wie es scheint. Der 14-Tage-RSI von 35,5 zeigt, dass die Aktie noch nicht klassisch überverkauft ist, während eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von fast 85 Prozent verrät: Der Markt sucht immer noch nach einem fairen Preis, statt sich zu beruhigen.

Die eigentliche Frage

IBMs Dilemma ist ein Lehrstück für die gesamte Unternehmenssoftware-Branche: Was passiert, wenn der KI-Investitionszyklus so intensiv wird, dass er genau jene Ausgabenmuster auffrisst, mit denen Unternehmen ihre eigene KI-Transformation finanzieren wollten? Krishnas Wette war stets, dass IBM an der Schnittstelle von Altsystemen und Next-Generation-Computing sitzt – Cloud, KI, irgendwann Quantencomputing.

Das aktuelle Quartal zeigt: Diese Schnittstelle kann genauso gut zum Flaschenhals werden wie zur Brücke. Ob die verschobenen Deals, wie das Management verspricht, im weiteren Verlauf von 2026 tatsächlich nachgeholt werden, oder ob sich hier eine dauerhaftere Verschiebung von Unternehmensbudgets weg von IBMs traditionellen Stärken abzeichnet – genau das preist der Markt derzeit stundengenau ein. Das unruhige Kursbild zeigt, wie ungeklärt dieses Urteil noch ist.

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