IBM Aktie: Showdown am 22. Juli

Nach dem Kurseinbruch vom 14. Juli entscheidet der vollständige Quartalsbericht über die weitere Richtung der IBM-Aktie.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verlor 25 Prozent nach Vorabzahlen
  • Vollständiger Bericht am 22. Juli erwartet
  • Analysten uneins über Prognose und Kursziel
  • Offene Betrugsermittlung belastet zusätzlich

Ein einziger Satz aus Armonk reichte aus, um IBM-Aktionären den schlimmsten Tag der Firmengeschichte zu bescheren. Am 14. Juli meldete der Konzern vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal. Die Aktie brach um 25 Prozent ein.

Seitdem hat sich die Lage kaum beruhigt. Am Freitag schloss das Papier bei 185,72 Euro, ein Minus von 3,07 Prozent an nur einem Tag. Der Kurs liegt jetzt gerade einmal 4,03 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 178,52 Euro. Zum Zwischenhoch aus dem Juni klafft eine Lücke von 36,58 Prozent.

Am 22. Juli folgt der vollständige Quartalsbericht samt Investorenkonferenz. Bis dahin bleibt die Aktie in der Schwebe zwischen Stabilisierung und weiterem Absturz.

Der Auslöser: Vorläufige Zahlen, keine endgültigen

IBM veröffentlichte am 14. Juli nur ausgewählte vorläufige Werte. Einen Ausblick lieferte der Konzern bewusst nicht — der soll erst zur regulären Telefonkonferenz kommen. IBM betonte sogar, die Bücher seien noch nicht geschlossen. Die finalen Zahlen könnten leicht abweichen.

Die vorläufigen Werte selbst enttäuschten deutlich. Der bereinigte Gewinn lag bei 2,93 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit 3,01 Dollar Gewinn je Aktie und 17,86 Milliarden Dollar Umsatz gerechnet.

CEO Arvind Krishna macht die Schwäche im Software- und Infrastrukturgeschäft verantwortlich. Kunden verschoben ihre Ausgaben Richtung Hardware, etwa Speicherchips. Parallel dazu eröffneten Aufsichtsbehörden eine Untersuchung wegen möglichen Wertpapierbetrugs. Im Kern geht es um die Frage, ob das Management frühere Prognosen zur Auftragspipeline zu optimistisch dargestellt hat. Das Verfahren steckt noch in einem frühen Stadium.

Die entscheidende Frage

Am 22. Juli entscheidet sich, ob die verzögerten Großaufträge tatsächlich verloren sind oder nur später verbucht werden. Genau diese Frage bestimmt, wohin die Aktie in den kommenden Wochen läuft.

Damit eng verknüpft ist die Jahresprognose. IBM hatte in der vorläufigen Meldung keine aktualisierte Guidance genannt. Das alte Ziel — Umsatzwachstum von mehr als 5 Prozent währungsbereinigt sowie ein Anstieg des freien Cashflows um eine Milliarde Dollar — steht bislang unangetastet im Raum. Ob das Management daran festhält oder kassiert, entscheidet sich auf der Konferenz.

Das bullische Szenario

Ein Teil der Wall Street hält trotz des Absturzes an IBM fest. 22 Analysten kommen im Konsens auf ein „Moderate Buy“-Rating. Das durchschnittliche Kursziel impliziert ein Aufwärtspotenzial von rund 39 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Bank of America bestätigte ihr Kaufrating, senkte aber das Kursziel — sie erwartet explizit eine gesenkte Jahresprognose, „besonders im Softwaregeschäft“. Evercore ISI bekräftigte trotz der negativen Vorabmeldung sein „Outperform“.

Einige Segmente liefern tatsächlich Gegenargumente zu einem generellen Nachfrageeinbruch. Die Distributed-Infrastructure-Sparte wuchs um 37 Prozent im Jahresvergleich, ein Rekordwert. Bei Red Hat beschleunigte sich das Wachstum auf 11 Prozent.

Charttechnisch ist die Aktie mit einem RSI von 31,2 überverkauft. Bestätigt das Management am 22. Juli, dass verschobene Deals im Juli tatsächlich abgeschlossen wurden, und hält die Prognose, könnte das für eine technische Erholung reichen.

Das bärische Szenario

Die Gegenthese: Der Warnschuss vom 14. Juli markiert keinen einmaligen Ausrutscher, sondern den Beginn einer strukturellen Neubewertung. Eine gesenkte Prognose oder weitere Software-Verlangsamung würde die gesamten Wachstumsannahmen für Software, Mainframe und KI bei IBM infrage stellen.

HSBC ist diesen Schritt bereits gegangen. Die Bank stufte IBM von „Hold“ auf „Reduce“ herab und senkte das Kursziel auf 191 Dollar. Begründung: Die Bewertung sei im Verhältnis zum Sektor-Median schlicht zu hoch.

Auch das Mainframe-Geschäft, historisch ein Stabilitätsanker, schwächelt schneller als erwartet. Der Bereich Z und Transaction Processing verzeichnete deutliche Rückgänge, weil der z17-Mainframe-Zyklus ausgelaufen ist. Das Management selbst räumte diesen Rückgang bereits ein.

Hinzu kommt die offene Betrugsermittlung zu den Pipeline-Angaben. Sie bleibt ein juristisches Risiko, unabhängig davon, wie die operativen Zahlen ausfallen. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 84 Prozent bleiben scharfe Ausschläge in beide Richtungen wahrscheinlich, solange Klarheit fehlt.

Ausblick

Bestätigt IBM am 22. Juli, dass die verschobenen Großaufträge inzwischen abgeschlossen sind, und hält der Konzern an Umsatz- und Cashflow-Zielen fest, spricht einiges für eine Stabilisierung oberhalb des 52-Wochen-Tiefs von 178,52 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 228,94 Euro wäre dann eine realistische Marke für eine Erholung.

Fällt die Jahresprognose dagegen der Schere zum Opfer — insbesondere im Softwarebereich, wie einige Analysten bereits erwarten — dürfte die Aktie das jüngste Tief erneut testen oder unterschreiten. Das würde die These vom strukturellen Bruch bestätigen. Der 22. Juli liefert die erste harte Antwort darauf, ob der Kurssturz vom 14. Juli einen Boden markiert hat oder erst der Anfang einer tieferen Neubewertung war.

Anzeige

IBM-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue IBM-Analyse vom 21. Juli liefert die Antwort:

Die neusten IBM-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für IBM-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

IBM: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu IBM